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Lässt sich der Wolf beherrschen?

Wolfsrisse zurückgegangen Lässt sich der Wolf beherrschen?

Die Wölfe in Niedersachsen lassen sich offenbar inzwischen besser kontrollieren als noch in den Jahren zuvor. Die Zahl der Risse ist in der ersten Hälfte 2016 zurückgegangen - obwohl gleichzeitig die Zahl der Wölfe angestiegen ist.

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Etwa 80 Wölfe sollen derzeit in Niedersachsen leben - ihnen gelingt es inzwischen seltener, Schafe zu töten. Foto: dpa

Quelle: Konstantin Knorr

Hannover. Das niedersächsische Wolfsbüro vermutet, dass die Schutzäune und Hütehunde, die das Land Schafzüchtern mitfinanziert, erste Erfolge zeigen.

Im ersten Halbjahr 2016 wurden bislang 27 Wolfsangriffe bestätigt, bei denen insgesamt 66 Tiere zu Tode kamen. Aktuell geht die Landesjägerschaft davon aus, dass rund 80 Wölfe in Niedersachsen leben. Im gesamten Jahr 2015 fielen laut Wolfsbüro nachweislich 167 Nutztiere einem Wolfsangriff zum Opfer. Damals schätzte das Land den Wolfsbestand auf 50 bis 60 Tiere. Meistens handelte es sich bei den getöteten Tieren um Schafe, seit September sind aber auch Angriffe auf Kälber verzeichnet worden. Ein tödlicher Wolfsangriff auf ein Pferd ist bislang nicht nachgewiesen worden.

„Es zeichnet sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 ein leichter Rückgang der Rissereignisse trotz angewachsener Wolfspopulation ab“, sagte Herma Heyken, Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), zu dem das Wolfsbüro gehört. Für eine genaue Beurteilung müsse man allerdings den gesamten Verlauf des Jahres abwarten. Aber „die verstärkten Herdenschutzmaßnahmen könnten bereits Wirkung zeigen“, so Heyken.

Mit den Herdenschutzmaßnahmen versucht das Land die Kosten, die den Tierhaltern durch den Wolf entstehen, zu mindern. So zahlt die Landesregierung dem Halter Geld für jedes Tier, das nachgewiesenermaßen durch einen Wolf ums Leben kam. Außerdem fördert die Regierung den Kauf von Herdenhunden und den Bau von elektrischen oder fest installierten Schutzzäunen. Seit November 2014 wurden insgesamt 271 Anträge für einen Zaun oder einen Hütehund bewilligt. Das Land hat dafür 564.000 Euro investiert. Allein in diesem Jahr wurden davon 186.000 Euro ausgezahlt, weitere 324.000 Euro sind noch im Topf.

Die Schutzzäune wirken, sagt auch Joachim Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbands Niedersachsen. Er vermutet aber noch einen weiteren Grund für den Rückgang der Schafrisse: „Es gibt immer weniger Schafe, weil einige Züchter ihre Bestände aufgegeben haben.“ Genaue Zahlen könne er nicht nennen, verweist aber auf eine Umfrage, die sein Verband unter den Mitgliedern gemacht hat. Demnach will ein Drittel angesichts der Gefahr durch den Wolf in Zäune und Hunde investieren. Ein weiteres Drittel ist noch unsicher, und das letzte Drittel hat sich schon entschieden: Die Halter wollen aufhören, wenn der Wolf in ihrer Region auftaucht.

Einige scheuen aus Altersgründen die Investitionen, andere können es sich wirtschaftlich nicht leisten, so Rehse. Schafzucht sei kein lukratives Geschäft, im Schnitt verdiene ein Schäfer 3,50 Euro in der Stunde. Jeder brauche ein zweites Standbein, und Geld für große Investitionen sei da oft nicht vorhanden.

Vor allem in den Sommermonaten sind die Risszahlen stark zurückgegangen: So kam es seit Mai nur zu elf Angriffen auf Nutztiere, nur in zwei Fällen konnte bislang ein Wolf als Verursacher nachgewiesen werden. Das habe aber mit der Biologie der Wölfe zu tun, so Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft. „Jedes Jahr gibt es im Sommer weniger Übergriffe auf Nutztiere.“ Anders als im Frühjahr, wenn die jungen Wölfe sich ein Revier suchen, weite Strecken laufen und dabei auch öfter in die Nähe von Weiden kommen, werde der Sommer zur Aufzucht der Welpen genutzt. Dadurch könnten die erwachsenen Tiere nicht so große Streifzüge machen und würden sich damit eher darauf konzentrieren, Wildtiere zu reißen. „Ab Oktober werden aller Voraussicht nach wieder mehr Nutztiere gerissen“, vermutet Rölfing.

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