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Zu viele gefährliche Hunde

Tierheime überlastet Zu viele gefährliche Hunde

Das vor vier Jahren verabschiedete Hundegesetz stellt Tierheime in Niedersachsen zunehmend vor Probleme. Nach Angaben des Niedersächsischen Tierschutzbundes stufen die Kommunen immer mehr Hunde als gefährlich ein. Die Folge: Immer mehr Tierheime sind überlastet.

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„Wir müssen alle Hunde nehmen“, klagen die Tierheime – und fordern Änderungen am neuen Gesetz.Foto: dpa

Quelle: dpa

Hannover. „Die Tiere landen dann oft im Heim und können nicht mehr weitervermittelt werden“, beklagt die Landesvorsitzende Vera Steder. „Niemand will einen Hund, der als gefährlich eingestuft wurde.“ Die Tierheime, meist spendenfinanzierte gemeinnützige Vereine, blieben darum zunehmend auf den Kosten der Unterbringung sitzen. „Die Kapazitäten der Vereine werden überfordert.“

Im Agrarministerium will man davon offenbar wenig wissen. Steder ist in Hannover vorstellig geworden. Die Rückmeldung sei „mehr als unbefriedigend gewesen“, beklagt sie und fordert eine Überprüfung des Gesetzes. Im Ministerium heißt es dazu nur, das Hundegesetz habe sich „im Sinne der Vorbeugung vor Gefahren, die mit dem Halten und dem Führen eines auffällig gewordenen Hundes verbunden sind, bewährt“. Tatsächlich waren eine Reihe von schweren Beißattacken auf Kinder vor einigen Jahren Anlass, ein völlig neues Hundegesetz zu verabschieden. Experten loben es wegen seiner strengen Vorgaben als vorbildlich. Mit den jetzt auftretenden Schwierigkeiten hat offenbar niemand gerechnet.

Besonders das Tierheim in Braunschweig leidet darunter, dass dort viele gefährliche Hunde gelandet sind. „Wir bekommen sie fast nicht weitervermittelt. Sie blockieren langfristig unsere Plätze, sodass wir kaum noch andere Hunde aufnehmen können“, sagt die Leiterin Verena Geißler.

Ihrer Ansicht nach werden Tiere nicht selten vorschnell als gefährlich eingestuft. „Das Hundegesetz ist in Teilen nicht gut durchdacht“, findet sie und führt als Beispiel den Fall eines Schnauzer-Mischlings an, für den sie seit mehr als zwei Jahren erfolglos einen neuen Halter sucht, obwohl er „lieb zu Menschen“ sei. Einmal, so sagt Geißler, habe der Hund einen Boxer-Rüden gebissen, der kaum mehr als eine Schramme davontrug. Dennoch hätten die Halter den Fall den Behörden gemeldet. Die wiederum stuften den Schnauzer-Mischling als gefährlich ein und beschlagnahmten das Tier, das einem Rentnerehepaar gehörte. Dabei sei es völlig normal, dass Hunde sich einmal einen solchen Kampf liefern, findet Geißler.

Dass jetzt niemand den „gefährlichen“ Schnauzer will, ist kein Wunder. Infolge des Hundegesetzes gilt für ihn Leinenzwang, er muss einen Maulkorb tragen. Wegen seiner angeblichen Gefährlichkeit verlangt die Stadt Braunschweig 600 Euro Hundesteuer statt 120 Euro. Der neue Halter müsste 400 Euro für einen Wesenstest bezahlen, seine Sachkunde nachweisen und dazu noch einen Antrag stellen, einen gefährlichen Hund halten zu dürfen.

„Das Problem ist“, sagt Geißler: „Wir müssen alle Hunde nehmen, die uns gebracht werden.“ Die Stadt zahlt dafür nicht extra. Es gibt einen Dienstleistungsvertrag zwischen Stadt und Tierheim, der aus der Zeit vor dem Hundegesetz stammt.

So geht es auch anderen Tierheimen. Der Tierschutzverein Northeim muss seit eineinhalb Jahren die Kosten für eine American-Staffordshire-Hündin tragen, die der Kreis ihm übergeben hat. Der Tierschutzverein Peine hat seine Lehren gezogen und nimmt einfach keine gefährlichen Hunde mehr an.

Der Tierschutzbund fordert darum Änderungen: Die Behörden müssten zurückhaltender bei der Einstufung der Gefährlichkeit sein. Es müsse außerdem verbindliche Regeln zur Rehabilitierung gefährlicher Hunde geben. Und die Kommunen sollen die Kosten für die Unterbringung in jedem Fall tragen.

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