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Scheitert die Wiederbelebung des Bergbaus im Harz? 

Harz Scheitert die Wiederbelebung des Bergbaus im Harz? 

Die Euphorie war groß, als es hieß, ein kanadischer Investor wolle den Bergbau im Harz wiederbeleben. Jetzt kommen Zweifel an der Integrität des Mannes auf. 

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„Wenn der Bergbau blüht, geht es auch dem Harz gut“: Horst Draheim,Vorstand des Bergbaumuseums, an der ehemaligen Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund.Eine Wiederbelebung des Bergwerks scheint wieder in weiter Ferne.

Quelle: Foto: dpa

Bad Grund.  Im Harz macht sich Ernüchterung breit. Die vor etwa drei Monaten bekannt gewordenen Pläne zur Wiederbelebung des Bergbaus in Bad Grund (Kreis Göttingen) könnten platzen, noch bevor auch nur die erste Erkundungsbohrung gesetzt wurde. Der kanadischen Investor steht in seiner Heimat seit Kurzem als Betrüger da und wurde wegen Kursmanipulation dauerhaft vom Börsenhandel ausgeschlossen. Außerdem muss der gebürtige Österreicher 400.000 Kanadische Dollar (knapp 267.000 Euro) Strafe zahlen. Das ist einer Pressemitteilung der Finanzaufsicht der kanadischen Provinz British Columbia zu entnehmen. 

Die Vorwürfe sind bekannt

Im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sind die Vorwürfe bekannt. „Wir wurden darüber informiert“, sagte LBEG-Sprecherin Heinke Traeger. Ob das Folgen für die im September erteilte Genehmigung zur Suche nach Kupfer, Zink, Blei und Silber haben wird, wollte sie nicht bewerten. Man stehe in Kontakt mit Vertretern des Unternehmens.

Im Harz hatte man große Hoffnungen an die Pläne des Mannes geknüpft. Im September hatte das LBEG mitgeteilt, dass die Samarium Tennesine Corporation aus Kanada die Erlaubnis erhalten habe, auf einem rund 150 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Bad Grund und Clausthal Zellerfeldt (Landkreis Goslar) nach Erzen zu suchen. In der Region werden Rohstoffe im Wert von bis zu 2,3 Milliarden Euro in nicht ausgebeuteten Erzgängen des vor 25 Jahren stillgelegten Bergwerks „Hilfe Gottes“ vermutet. Laut alten Unterlagen der Preussag liegen noch immer etwa acht Millionen Tonnen Erz in den Stollen – wohl nicht genug. Experten schätzen, dass mindestens 17 Millionen Tonnen nötig wären, um das alte Bergwerk wirtschaftlich zu betreiben.

Rohstoffe im Milliardenwert

Dennoch wollten die Kanadier angeblich rund 100 Millionen Euro investieren. Von mehreren Hundert neuen Arbeitsplätzen war die Rede. Landespolitiker informierten sich vor Ort über die Pläne. Der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) wurde beinahe poetisch: „Wenn der Bergbau blüht, geht es auch dem Harz gut.“

Die Sanktion der kanadischen Finanzaufsicht BCSC verdirbt den Harzern nun die Laune. Der Ausschluss vom Börsenhandel geschah bereits Anfang November, doch es dauerte einige Wochen, bis die Nachricht den Weg bis nach Niedersachsen fand. Neben der Strafzahlung von 400.000 kanadischen Dollar muss der Investor knapp 157.000 kanadische Dollar (knapp 105.000 Euro) Gewinn herausgeben, die er mit der Kursmanipulation erwirtschaftet hat. Er soll laut BCSC ein falsches Übernahmeangebot für ein Unternehmen veröffentlich haben, dessen Anteile er zuvor relativ erfolglos versucht hatte zu verkaufen. Nach der Veröffentlichung stiegen die Aktien im Wert und der gebürtige Österreicher veräußerte seine Anteile mit einem schönen Gewinn. 

Und was wird nun aus dem Bergwerk „Hilfe Gottes“? Der Goslarer Geologe Friedhart Knolle glaubt, dass der Investor nie ernsthaft vorhatte, nach Kupfer, Zink , Blei und Silber zu suchen. „Möglicherweise wollte er möglichst günstig an eine bergrechtliche Genehmigung gelangen, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen.“ 

Viel investiert hat der Investor jedenfalls bisher nicht. Im Gegenteil. Er hat Schulden aufgehäuft. Die Mitteldeutsche Montan GmbH fordert von ihm mehrere Tausend Euro. Das Bergbauunternehmen hat für ihn das Genehmigungsverfahren beim LBEG betreut und bleibt nun auf seinen Kosten sitzen. Seine Genehmigung indes kann dem Unternehmen auch wieder entzogen werden, „wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass der Antragsteller die erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt“, heißt es ganz allgemein aus dem LBEG. 

Von Karl Doeleke

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