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Der Norden Zwischen Orient und Osnabrück
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19:57 15.01.2014
Von Saskia Döhner
Genieß den Unterschied: Soufeina Hameds Heldin trägt Kopftuch wie sie selbst.privat Quelle: dpa
Osnabrück

Einen Stift hat Soufeina Hamed immer dabei. Sie zeichnet Alltagsszenen, die sie erlebt hat oder die sie von Freundinnen kennt. Alltägliches beim Bahnfahren, beim Spazierengehen, beim Essen. Ihre Protagonistin trägt Kopftuch wie sie. Von Superhelden hält sie nichts. „Ich mag’s eher bodenständig“, sagt 24-Jährige, die Interkulturelle Psychologie in Osnabrück studiert.

„Warum guckt die mich so komisch an?“, fragt ein Mädchen in einer Zeichnung und schaut auf eine andere junge Frau ohne Kopftuch. „Ich bin mir sicher, sie hasst Muslime.“ Dagegen ist in der Sprechblase der anderen zu lesen: „Sie guckt mich so an, ich bin mir sicher, sie hasst Ungläubige.“ In einem anderen Comic hebt die Heldin auf die Frage nach ihrer Herkunft gedanklich zu langen Erklärungen über ihren tunesischen Vater und ihre deutsche Mutter an, antwortet dann aber auf die Frage „Wo kommst du her?“ lediglich: „Aus Berlin“.

Ihr Zeichentalent habe sie vermutlich von ihrem Vater geerbt, sagt Soufeina Hamed. Er ist Architekt und stammt aus Tunesien. Ihre Mutter, eine Deutsche, hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Mit ihren Comics will Hamed, die Jüngste von vier Geschwistern, zum Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen beitragen. Sie will Vorurteile abbauen. Mit sechs Jahren ist die 24-Jährige von Tunesien nach Berlin gezogen. Seit der 5. Klasse malt sie, erst Ölbilder, dann Comics.

„Ausprobiert habe ich viel, bei den Comics bin ich hängen geblieben“, sagt sie. Ein Kopftuch trägt sie, seitdem sie zwölf Jahre alt ist. „Freiwillig“, wie die Studentin sagt. Dadurch fühle sie sich stärker, geschützt. Sie stehe zu ihrer Religion. Sie sei aber keineswegs eine unterdrückte, geknechtete Frau. Eher selbstbewusst. Nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen des Kopftuchs.

Mit ihrer vier Jahre älteren Schwester hat die Abiturientin früher zusammen Comics gezeichnet. Unter dem Pseudonym „Tuffix“ veröffentlicht Hamed seit ein paar Jahren auf der Internet-Kunstplattform „deviantART“ und bei Facebook ihre Zeichnungen. Sie hat sich in der Szene bereits einen Namen gemacht. „Die meisten Zuschriften sind positiv“, sagt sie. Vereinzelt gebe es auch rassistische Kommentare auf ihre Comics. „Das ignoriere ich einfach.“ Am liebsten würde sie jeden Tag eine neue Zeichnung ins Netz stellen, aber meist schaffe sie es nur alle zwei bis drei Wochen. Hamed erzählt kleine Geschichten in ihren Comicstrips, manchmal ist es auch nur ein einzelnes Bild, was viel sagt. Viel Zeit zum Zeichnen hat Hamed nicht.

Sie steht kurz vor Abschluss ihres Studiums. Bis Ende März macht sie noch ein Praktikum beim Osnabrücker Logistikunternehmen Hellmann. Später würde sie gern einen Job in der Personalentwicklung bekommen. Wirtschaftspsychologie interessiere sie, sagt die junge Frau: „Auf jeden Fall etwas weit weg vom Thema Integration.“ Comics sollen ihr Hobby bleiben: „Unter Druck zu zeichnen, macht keinen Spaß.“

Bei allem bisherigen Erfolg - ihr großer Traum bleibt ein gedruckter Comicband: „Daran arbeite ich schon seit drei Jahren, aber das kostet ganz viel Zeit.“

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