Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Was ist mit den 25 verschwundenen Pferden passiert?
Nachrichten Der Norden Was ist mit den 25 verschwundenen Pferden passiert?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 18.12.2017
Mehr als 20 Pferde werden mittlerweile gesucht. Sie alle wurden bei der beschuldigten Frau in Beverstedt abgegeben. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

 Am Donnerstag hatte die HAZ über Höfe berichtet, auf denen offenbar mehr als 20 Pferdebesitzer ihre Tiere abgegeben haben, damit diese dort als Beistellpferd einen schönen Lebensabend verbringen – und nun sind die Tiere verschwunden. Durch den HAZ-Bericht kam offenbar auf einem der Höfe einiges in Bewegung. Mehrere Augenzeugen berichten, dass rund ein Dutzend Pferde per Anhänger auf den Hof bei Grasberg im Kreis Cuxhaven gebracht worden seien. Dabei soll es sich jedoch nicht um die vermissten Tiere handeln, sondern um die, für die laut Suchanzeigen Beistellpferde gesucht wurden. Wer für diese Transporte verantwortlich ist und was damit bezweckt werden soll, ist unklar. 

Insgesamt werden 25 Pferde vermisst. Sie wurden alle als Beistellpferd verkauft und sollten ihren Lebensabend in Grasberg verbringen. Hier können Sie sich durch eine Bildergalerie klicken.

Pferdebesitzer aus Hannover, anderen Teilen Niedersachsens und ganz Deutschlands befürchten, dass sie von einem Paar aus Beverstedt betrogen und ihre Tiere trotz Abmachungen weiterverkauft wurden. Aus Sicht der Ermittler gestalten sich die Untersuchungen bei den vermissten Pferden schwierig. Zwei Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Stade wurden eingestellt, weil die in den Anzeigen formulierten Vorwürfe als „unbelegte Vermutungen“ eingestuft wurden, sagt Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas. „Es gab nicht genügend Ansätze, dass die Pferde gewinnbringend weiterverkauft wurden“, sagt er. Es müsste „zureichend tatsächliche Anhaltspunkte“ geben, dass ein Betrug vorliege, so Breas.

Ein Problem sei dabei unter anderem, dass viele Verkäufe bereits Jahre zurückliegen, die Anzeigen aber erst kürzlich erfolgten. Ein Verfahren wurde allerdings zunächst eingestellt, Anfang Dezember aber nach einer Beschwerde der Opferanwältin wieder aufgenommen. Wie mindestens acht weitere Pferdehalterinnen sei ihre Mandantin auf eine Anzeige bei Ebay aufmerksam geworden. Dort habe die beschuldigte Beverstedterin angeblich nach einem Beistellpferd gesucht – einem Pferd, das nicht geritten wird, aber anderen Pferden Gesellschaft leistet.

„Für mich ist das Schlimmste, dass die Frau jetzt immer wieder betont, dass sie das Pferd gekauft habe und damit machen könne, was sie wolle“, erzählt die ehemalige Halterin, deren Anwältin Beschwerde gegen das Einstellen des Verfahrens eingereicht hat. Weil ihre Tochter beim Übergabetermin nicht dabei sein konnte, habe die Beschuldigte gesagt, dass Mutter und Tochter gern zu Besuch auf den Hof kommen könnten, um das Pferd zu besuchen. „Plötzlich ist das alles nicht mehr wahr, und das verletzt mich. Ich habe meiner Tochter gegenüber ein wahnsinnig schlechtes Gewissen“, sagt die frühere Halterin des Tiers. Sie sei menschlich enttäuscht von der Frau, die offenbar nur ein Schauspiel betrieben habe, um an die Pferde zu gelangen.

Das Pferd soll kurze Zeit später gestorben sein. „Das hat uns die neue Halterin aber nicht erzählt“, sagt die Vorbesitzerin. Angeblich habe der Wallach eingeschläfert werden müssen. Dazu müsste es allerdings eigentlich Aufzeichnungen des zuständigen Tierarztes geben, die die Beverstedterin aber nicht überreicht habe. „Es werden noch einmal Nachermittlungen angestelllt“, sagt der Stader Staatsanwalt Breas nun. 

In Verden wiederum gab es seit 2016 sechs Anzeigen gegen die Frau aus Beverstedt und deren Partner, die Hälfte dieser Ermittlungen wurde jedoch eingestellt. Man sei zu „einem ähnlichen Ergebnis“ wie in Stade gekommen, sagt Lutz Gaebel, Erster Staatsanwalt in Verden. Zum Ermittlungsstand der drei noch offenen Untersuchungen macht er keine Angaben. Die Anzeige der Pferdebesitzerin aus Hannover ist derzeit auf dem Weg von der Polizei zur Staatsanwaltschaft.

Polizeilich ist zumindest der Mann der Beverstedterin kein Unbekannter. Gegen ihn wurde schon mehrfach ermittelt, im Jahr 2010 wurde er zudem vom Amtsgericht Bremervörde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Betrugs in drei Fällen verurteilt. Für die HAZ ist die Beschuldigte seit zwei Tagen nicht erreichbar. Auch ihr Anwalt ist nicht zu sprechen.

Von Tomma Petersen und Peer Hellerling

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unbezahlte Überstunden, kein betrieblicher Ausbildungsplan und technisch miserabel ausgestattete Berufsschulen – Azubis in Niedersachsen haben Betrieben und Schulen ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

07.12.2017

20,7 Milliarden Euro lassen Urlauber jährlich im Land, aber es mangelt an Hotels. Der Tourismusverband fordert verstärkte Anstrengungen, um mehr Hotelprojekte in Niedersachsen realisieren zu können.

Michael B. Berger 04.09.2017

Seit Dezember 2016 hat eine sechsköpfige „Tresorknacker“-Bande mindestens 35 Mal im Kreis Minden-Lübbecke und im angrenzenden Niedersachsen zugeschlagen. Jetzt hat die Polizei fünf der Täter festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam am Freitag mitteilten.

25.08.2017