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Kultur A Summer‘s Tale begeistert das Publikum in Luhmühlen
Nachrichten Kultur A Summer‘s Tale begeistert das Publikum in Luhmühlen
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16:48 02.08.2018
Ein Höhepunkt beim Auftakt: Tobias Bamborschke von Isolation Berlin während des Summer’s-Tale-Festivals. Quelle: Julie Beck
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Luhmühlen

Wie sehr die Wahrnehmung von Musik von Stimmungen und Situationen abhängt, zeigt der Auftritt von Isolation Berlin beim Festival A Summer’s Tale im Eventpark Luhmühlen. Der erste Festivaltag ist hier ein Tag zum Ankommen und Einstimmen, einer, an dem Familien sich in Ruhe einen Platz für ihr Zelt aussuchen und Feriengestimmte träge bei einem ersten regional gebrauten Summer Ale im Schatten sitzen. Isolation Berlin ist ein Highlight für diese früh Angereisten. Die Berliner machen seit einigen Jahren mit intelligenten Rocksongs Furore, mit Texten, die kaum greifbar zwischen Melancholie und Ironie mäandern – und mit einer Bühnenhaltung, die dem Publikum die Projektion unterschiedlicher Emotionen erlaubt.

Beim eher düsteren Clubkonzert im hannoverschen Cafè Glocksee im März war die Atmosphäre so aggressiv aufgeladen, dass Sänger Tobias Bamborschke beschwichtigend eingreifen musste, um eine Schlägerei zu verhindern. Auf der Waldbühne des Festivals A Summer’s Tale hingegen, inmitten der Lüneburger Heide an einem hochsommerlichen Abend in die tiefstehende Sonne blinzelnd, steht nicht der Punk im Vordergrund. Die Musik bleibt zwar schneidend und pointiert. Doch beim entspannten Gute-Laune-Festival relativiert sich die Pose zum sympathischen Schmäh. Da bleibt ein wenig James Dean auf der Bühne. Und wie immer beschwört Bamborschke die anarchische Kraft Rio Reisers wie schon lange keiner mehr.

Zugleich kann er nicht vermeiden, Teil einer friedlichen Gemeinschaft zu werden. Er hat Spaß am Lächeln seines Publikums. Vielleicht hat der britische Liedermacher Rob Lynch bereits am Nachmittag mit seinen ruhig erzählenden Songs geholfen, den gut durchwärmten Boden für einen positiven Blick zu bereiten. Vielleicht haben auch die Intergalactic Lovers aus Belgien mit beschwingt treibendem Psychedelic Pop dazu beigetragen. Derweil waren andere Bühnen des Festivals, auf denen keine Musik gespielt wird, genauso gut besucht. Dominik Bloh erzählte im Tale’s Café von seiner Jugend als Obdachloser in Hamburg und seinem Plan, noch in diesem Jahr einen Duschbus mit Kleiderkammer auf die Straße zu bringen. Und die Berliner Brüder Paul und Hansen berichten von den Erlebnissen einer Weltreise ohne jedes Budget.

Das Interesse an alternativen Lebensweisen ist groß auf diesem Festival. Dazu passt gut, dass ausgerechnet ein Konzert zum Höhepunkt des ersten Tages wird, bei dem das Publikum selbst singt. „Massenkaraoke“ heißt das Konzept, bei dem fünf Hamburger Musiker vier Stunden lang auf Zuruf live die Musik zu allen Songs spielen, die sich Zuhörer aus einem 160 Songs umfassenden Liederbuch aussuchen. Mit dieser aktiven Haltung gehen viele auch in den zweiten Festivaltag. Bevor die ersten Bands die Bühnen betreten, haben sie bereits Vorträgen über Nachhaltigkeit gelauscht, Comics gezeichnet, sich über Klimaforschung informiert, Jonglieren gelernt oder eine Kanutour absolviert.

Am Freitag spielen auf dem Festival unter anderem Kettcar, New Model Army und Madness, am Sonnabend Editors, Tocotronic und Fury In The Slaughterhouse. Wochenendtickets für beide Tage kosten mit Camping 129 Euro, Tagestickets ohne Camping 69 Euro. Informationen unter www.asummerstale.de.

Von Thomas Kaestle

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