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Kultur Andris Nelsons dirigiert Wiener Philharmoniker
Nachrichten Kultur Andris Nelsons dirigiert Wiener Philharmoniker
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00:16 31.07.2018
Vertraut: Andris Nelsons und die Wiener Philharmoniker im Salzburger Festspielhaus. Quelle: Salzburger Festspiele /Marco Borrelli
Salzburg

In diesem Orchester haben sie schon alles erlebt. Darum wohl hängt bei Konzerten der Wiener Philharmoniker an den Notenpulten hinter den Stimmführern immer ein Ersatzinstrument. Es könnte ja eine Saite reißen, ein Stimmstock umfallen oder eine ganze Geige zerbrechen. Der kluge Musiker baut vor.

Die Vorsichtsmaßnahme, die zu den vielen Besonderheiten des altehrwürdigen Klangkörpers gehört, wirkt bei dessen jüngsten Auftritt im Salzburger Festspielhaus durchaus notwendig. Auf dem Programm steht Gustav Mahlers zweite Sinfonie, und unter Leitung des lettischen Dirigenten Andris Nelsons verlangen die Musiker ihren Instrumenten Extremes ab. Schon im aufbrausenden Auftakt des Stückes haben Kontrabässe und Celli unter ruppigsten Bogenstrich einen echten Härtetest zu bestehen.

Nelsons und das Orchester scheinen unter keinem Preis auch nur die kleinste Nuance von Mahlers farbgesättigtem Endzeitgemälde verblassen lassen zu wollen. Mit unerbittlicher Intensität dringen sie in die Tiefenschichten des Klanges ein – und machen die musikalische Schilderung der Auferstehung schließlich zur Erlösung.

Mit dem lettischen Dirigenten, der Orchesterleiter in Boston und am Leipziger Gewandhaus ist, haben die stolzen Philharmoniker einen Partner gefunden, der ihre fabelhaften Möglichkeiten bestens zur Entfaltung bringen kann. Nelsons scheint Musik offenkundig in Klängen zu denken, die meisten seiner Gesten zumindest zielen nicht wie bei vielen seiner Kollegen auf die Phrasierung einer Melodie oder einer harmonischen Abfolge, sondern auf Farbe und Mischung des Orchesterklangs. In Wien scheint das bestens anzukommen: Das Orchester hat Nelsons ausgewählt, um rund um das Beethoven-Jahr 2020 die für seine Identität zentralen Sinfonien dieses Komponisten aufzuführen und einzuspielen.

In Salzburg, wo auch das immer fester im Repertoire verankerte Trompetenkonzert von Bernd Alois Zimmermann mit Håkan Hardenberger zu hören war, ist die Vertrautheit zwischen Orchester und Dirigent besonders innig im langsamen Satz der Mahler-Sinfonie mit seinen Ländler-Themen zu erleben: So vollkommen entspannt und friedlich klingt Musik nur selten. Dann gilt es wieder alle Kräfte zu mobilisieren, um das vom Komponisten beschworene Jüngste Gericht zu überstehen, bevor es mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks zur Auferstehung geht. Ein anstrengendes, intensives, großartiges Konzert.

Am 9. April 2019 kommen Andris Nelsons und die Wiener Philharmoniker für ein Pro-Musica-Konzert in den Kuppelsaal. Auf dem Programm stehen Beethovens fünfte Sinfonie und sein Tripelkonzert, unter anderem mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder als Solisten. Karten gibt es unter Telefon: (05 11) 12 12 33 33.

Von Stefan Arndt

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