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Kultur Antje Weithaas in der Musikhochschule
Nachrichten Kultur Antje Weithaas in der Musikhochschule
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00:16 12.07.2018
Antje Weithaas in der Musikhochschule. Quelle: Franz Bischof
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Hannover

Nach jedem Werk des Abends gab es stürmische Ovationen geradezu italienischen Ausmaßes. So sehr feierte das Publikum am Sonntag die Camerata Bern und ihre Konzertmeisterin Antje Weithaas im Konzertsaal der Musikhochschule. Der Auftritt war eines der Jubiläumskonzerte, die seit März aus Anlass des 10. Internationalen Joseph-Joachim-Geigenwettbewerbs stattfinden.

Zu jedem Termin lud die Stiftung Niedersachsen frühere Preisträgerinnen und Preisträger ein. So auch Antje Weithaas. Sie gewann 1991 den ersten Wettbewerb und hatte nun mit der Camerata Bern gleich ein ganzes Orchester mitgebracht.

Seit zehn Jahren leitet die international erfolgreiche Geigerin das Ensemble vom ersten Geigenpult aus, und zwar mit außergewöhnlichen Ergebnissen. Bei diesem im Stehen ohne Dirigenten musizierenden Ensemble verbinden sich solistische Qualitäten und kammermusikalische Haltung mit symphonischer Energie. Antje Weithaas ist dabei das temperamentvolle Kraftzentrum. Von ihr gehen wesentliche Impulse aus. Außerdem sorgt eine ständige sensible Kommunikation innerhalb des Ensembles für präzise Einsätze und geschlossenen Zusammenklang von edler Güte.

Meisterhafte Geigenkunst

So wurde die Coriolan-Ouvertüre von Beethoven zu einem verheißungsvollen Versprechen für das folgende Violinkonzert in D-Dur von J. Brahms. Das Versprechen wurde glänzend eingelöst. Die bravouröse Bewältigung des technisch höchst anspruchsvollen Soloparts war der Geigerin nie Anlass zur Präsentation vordergründigen Virtuosentums. Vielmehr stellte sie ihre meisterhafte Geigenkunst ganz in den Dienst dieses Werkes, bei dem Brahms die Geige zur gleichberechtigten Partnerin eines symphonisch angelegten Gesamtkonzepts gemacht hat.

Auf wunderbare Weise erfüllte sich so, was Clara Schumann einst über dieses Werk sagte: „Ein Konzert ..., wo sich das Orchester mit dem Spieler ganz und gar verschmilzt.“ So miteinander verschmolzen durchschritten die Solistin und das Orchester in einem beeindruckenden Wechselspiel von leidenschaftlicher Verve, dramatischer Attacke und leisem süßem Ton die emotionalen Höhen und Tiefen dieses epochalen Kunstwerkes.

Das Hörerlebnis war so stark, dass Prof. Krzysztof Wegrzyn, der Spiritus Rector des Wettbewerbs, beim Blumenüberreichen spontan ausrief: „Wir suchen immer das vollkommene Kunstwerk. Heute sind wir fündig geworden.“

Als Zugabe vor der Pause gab es dann keine virtuose geigerische Zirkusnummer. Vielmehr reihte sich die Solistin wieder ein und befeuerte vom 1. Pult aus das Orchester zu einem berauschend schön gespielten Ungarischen Tanz von Brahms.

Nach der Pause folgte Beethovens 4. Sinfonie in B-Dur. Oft gespielt, oft gehört – aber noch nie so. Es war, als würde man ein neues Werk erleben. Dabei geschah nichts anderes, als in der Partitur zu lesen ist. Wie das Orchester aber Beethovens Noten umsetzte in Tempo, Artikulation, Dynamik, einer mit Witz durchleuchteten Spielfreude und sinnlichem Klang – das war höchste sinfonische Kunst voller innovativer Kraft.

Der 10. internationale Violinwettbewerb der Stiftung Niedersachsen findet vom 11. bis 27. Oktober in Hannover statt.

Von Claus-Ulrich Heinke

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