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Nachrichten Kultur Das „Kommando Brennende Zukunft“ zeigt neue Werke
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13:24 15.09.2018
Sie meinen es ernst mit ihrer Kunst: Die Mitglieder des „Kommandos Brennende Zukunft“ haben sich das Kürzel auf die Beine tätowieren lassen. Quelle: meyer-arlt
Hannover

„Wir kommen aus dem Schatten“, antworten sie auf die Frage, unter welchen Umständen genau sie ihre Gruppe gegründet haben. Das „Kommando brennende Zukunft“ ist ein interessantes, geheimnisvolles Künstlerkollektiv. „nekrotischer fundamentalismus“ ist der Titel der neuen Ausstellung des Kollektivs. Jetzt wurde sie im Keller des Ateliers Block 16 am Edwin-Oppler-Weg in Hannovers Nordstadt eröffnet. Für die Gäste der Vernissage gab es mit Flammen bedruckte Zündholzschachteln als Geschenk.

Kurz nachdem Anfang der Woche in Linden drei (falsch geparkte) Autos in Brand gesetzt worden sind, meldet sich das „Kommando brennende Zukunft“ mit einer Pressemitteilung. Ihr erster Satz: „Ein weiteres mal erscheint das Kollektiv, Kommando brennende Zukunft’ auf der Bildfläche Hannovers und schließt an die bisher erreichten Erfolge an.“

Zu den bisher erreichten Erfolgen gehört ein Plakat, das den Kopf des Kampfhundes Chico zeigt, der im April zwei Menschen totgebissen hatte. Das Plakat, das an ein Wahlkampfmotiv erinnert, wurde in Linden geklebt.

Frank Herbert aus Kreativbeton

Die Gruppe interessiert sich für das, was in der Stadt passiert. Das zeigt auch eine Skulptur, die Frank Herbert, den früheren Büroleiter von Stefan Schostok, darstellen soll. Bianca Thomas hat die Skulptur aus „Kreativbeton“ gefertigt. Der Hinweis auf das Material ist ihr wichtig. Denn Kreativbeton markiere eine Schnittstelle von Stadtmarketing und Kreativwirtschaft. Hier würde das „Kommando brennende Zukunft“ andocken. Irgendwie.

Ihre Kollegin Lakshmi Weißmann präsentiert dunkle, skulpturale Bilder aus Asphalt, Zement und Teerpappe, Jonas Rahn hingegen arbeitet nur mit gefundenem Material, seine Installation aus einem Wasserboiler und gefaltetem Blei hat eine merkwürdige Abstoßungskraft.

Den Mitgliedern des „Kommandos brennende Zukunft“ (die zum Teil aus der Hildesheimer Kreativuni kommen) ist es sehr ernst mit ihrer Kunst. Sie haben sich alle das Kürzel „KBZ“ auf die Beine tätowieren lassen. Und sie haben einen Eid geschworen. Der ist auf ihrer Facebook-Seite nachzulesen. Darin wird das „Kommando Brennende Zukunft“ so erklärt: „Ein Stoßtrupp rangloser Subjekte, der Euch den Champagner nur stiehlt um die geleerte Flasche als Brandsatz zurück in Eure Vernissagen zu werfen.“ Und weiter: „Sengender Zerstörungsdurst peitscht uns durch die Hallen der akzeptierten Künste, wo wir bezingetränkte Fußstapfen hinterlassen. Wer vielahnend dieser Fährte nachstellt, fällt entweder uns zum Opfer oder in unseren Gesang mit ein.“

Gewaltphantasien und destruktive Haltungen sind nichts neues in der Kunstgeschichte, die Lust an der Zerstörung ist Teil der Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, sie gehört zum Futurismus, zum Dadaismus und zum Surrealismus. Interessant ist, dass sich diese Haltung beim „Kommando brennende Zukunft“ mit einer Orientierung aufs Lokale paart.

Die Ausstellung im Keller des Ateliers Block 16, Edwin-Oppler-Weg 14, ist bis zum 21. September täglich von 17 bis 20 Uhr zu sehen.

Von Ronald Meyer-Arlt

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