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Den Louvre gibt es jetzt auch in Lens
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Zweigstelle Den Louvre gibt es jetzt auch in Lens

Der Louvre steht in Paris? Das ist richtig, aber nicht vollständig: Denn der Louvre steht seit wenigen Wochen auch in Lens, einem ehemaligen Bergbau-Städtchen 200 Kilometer nördlich der französischen Hauptstadt und knapp 30 Kilometer von Lille entfernt.

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Steht seinem großen Bruder in Paris in nichts nach: Im Louvre im nordfranzösischen Lens kann man seit Dezember Werke von Botticelli, Delacroix und Rubens betrachten.

Quelle: dpa

Lens. Hier hat das berühmte Museum im früheren Königsschloss von Paris, in dem man sich über Tage und Wochen verlieren könnte, einen kleinen Bruder bekommen. „Das größte Museum der Welt in einer der ärmsten Städte Frankreichs“, kommentierte Bürgermeister Guy Delcourt.

Museumsdirektor Henri Loyrette spricht von einem „Laboratorium für den Louvre von morgen“ mit einer neuen Strategie, die unterschiedliche Epochen, Techniken und Kulturen nicht mehr räumlich trennt, sondern vereint und ineinandergreifen lässt: Statt des enzyklopädischen Ansatzes des alten Louvre soll der neue zeitgenössischer, pädagogischer vorgehen, Besucher an die Hand nehmen, die sich seltener als jene in der Kunst- und Museumsstadt Paris in diesem Milieu bewegen.

Die Dauerausstellung „Galerie der Zeit“ vereint 205 Werke aus der Antike bis 1850, Schätze aus dem alten Ägypten, der islamischen und westlichen Welt, Skulpturen, Statuen und Gemälde in einem einzigen weiten, fensterlosen Raum. Das Stammhaus geizte nicht, Meisterwerke bereitzustellen – von Botticelli und Raphaël, Delacroix und Rembrandt. Die Sonderausstellung widmet sich bis Juni der Renaissance mit so bedeutenden Werken wie der soeben erst restaurierten „Anna selbdritt“ von Leonardo da Vinci, anschließend folgt eine Rubens-Schau.

Modern und ganz anders als der traditionelle Louvre kommt auch das Museumsgebäude daher, ein 450 Meter langer, futuristisch anmutender Flachbau aus Glas und Aluminium, konzipiert vom japanischen Architekturbüro Sanaa auf einem ehemaligen Zechengelände.
Wegen der fortschreitenden De­industrialisierung und dem endenden Kohlebergbau gehört die nordfranzösische Region zu den ärmsten Frankreichs. Der Louvre-Lens könne einer ganzen Region neue Vitalität geben, erklärte Präsident François Hollande bei der offiziellen Eröffnung am 4. Dezember. Symbolträchtig war er nicht nur mit dem Schnellzug TGV aus Paris angereist, sondern besuchte das Museum auch in Begleitung ehemaliger Bergarbeiter, die sich in ihre frühere Arbeitskluft geworfen hatten.

Eine kulturelle Aufwertung erfuhr die nordfranzösische Region der „Sch’tis“, bekannt geworden durch den Erfolgsfilm „Willkommen bei den Sch’tis“, bereits durch die Ernennung von Lille zur Europäischen Kulturhauptstadt 2004. Die Errichtung der Louvre-Außenstelle mit Kosten von insgesamt 150 Millionen Euro geht noch auf die Initiative zur Dezentralisierung von Hollandes Vor-Vorgänger Jacques Chirac zurück.

Was bereits beim Museum für moderne Kunst Centre Pompidou funktionierte, das 2010 eine Zweigstelle im ostfranzösischen Metz eröffnet hat, soll sich jetzt in Lens wiederholen. Regionalpolitiker sprechen vom erhofften „Bilbao-Effekt“: Nach der Eröffnung des Guggenheim-Museums in der spanischen Arbeiterstadt wurden dort 4500 direkte und indirekte Arbeitsplätze geschaffen, und allein im ersten Jahr nach der Eröffnung kamen 1,3 Millionen Menschen.

Der Louvre-Lens hofft nun auf 700.000 Besucher jährlich und 500 neue Jobs, vor allem im Hotel- und Gastronomie-Bereich. Die bisherigen Besucherzahlen lassen hoffen: Bereits am 28. Dezember konnte der 100.000 Besucher begrüßt werden. Kann dieser Rhythmus beibehalten werden, ist das zwar immer noch weniger als im Stammhaus, aber eines Louvre durchaus würdig.

Birgit Holzer

Informationen zum Louvre-Lens:

Von Paris aus ist das nordfranzösische Lens mit dem Schnellzug TGV in einer guten Stunde erreichbar. Das Museum liegt 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Geöffnet ist das Museum täglich außer Dienstag von 10 bis 18 Uhr. Von Juni bis September jeden ersten Freitag im Monat zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt in die Dauer-Ausstellung „Galerie der Zeit“ mit mehr als 200 Werken ist bis Ende 2013 frei. Der Eintritt in die Sonderausstellung beträgt 9 Euro (ermäßigt 8 Euro). Bis Juni werden Renaissance-Werke gezeigt, anschließend folgt eine sechsmonatige Schau von Rubens-Werken.

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