Städte haben Engel. Jedenfalls wenn man der „Offenbarung des Johannes“ glauben darf. Wie diese antiken Stadtengel aussahen, die Engel von Ephesus, Smyrna oder Pergamon, wird in der apokalyptischen Schrift allerdings nicht verraten. Die urbanen Engel werden von einem noch mächtigeren Wesen mit glühenden Augen und einer Stimme wie gewaltige Wassermassen (Gott?) kräftig ausgeschimpft: wegen religiösen, aber auch sozialen Fehlentwicklungen der antiken Städte.
Eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Engel der Städte“, bestehend aus neun Bildern heimischer Künstler und Kunstpädagogen, knüpft nun im Rahmen des zweiten „Festivals der Philosophie“ in der Marktkirche in Hannover an dieses biblische Motiv an. Zugleich soll, so betonen die Veranstalterinnen Assunta Verrone und Holle Voss, beides Künstlerinnen aus Hannover, der symbolische Brückenschlag zur diesjährigen Shanghai-Expo geschlagen werden, die unter dem Motto „Better City, Better Life“ („Bessere Städte, besseres Leben“) steht.
Es wäre spannend gewesen, dem Stadtengel von Hannover, der Expo City 2000, oder dem Engel von Shanghai zu begegnen, wo die Gegensätze von Arm und Reich, Alt und Neu denkbar nahe beieinander liegen. Doch die Künstler Margitta Abels, Lore Bucholski, Nigel Packham, Stefan Stettner und Sabine Thatje-Körber zeichnen eher allgemeine, abstrakte Bilder von Urbanität. Als luftige Accessoires eingestreut findet sich hier und da das traditionelle Engelsgefieder.
Einen freieren Zugang wählt Christoph Bartolosch. Der Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zeigt Stadt als graphische Verdichtung und Überlagerung von Zeichen. Eine Armenbibel aus dem Spätmittelalter diente Bartolosch als Vorlage für seine „Apokalypse“ betitelte Zeichnung, die sich von weitem besehen in die zufällig scheinende Ballung schwarzgrauer Graphitnebel auflöst.
An die Engel als biblische Türsteher erinnert Assunta Verrone. Ihre Gemälde wirken wie schockgefrorene mediterrane Ansichten. In der Marktkirche thematisiert die aus Süditalien stammende Malerin das „Tor zu Europa“ in Lampedusa, dort, wo laufend afrikanische Flüchtlingsboote einlangen und Menschen auf Eintritt in die Festung Europa hoffen. Was ist mit den dortigen Türsteherengeln los? Sind es untätige oder gefallene Engel? Wieso macht Europa die Schotten dicht?
Ein tief in Gedanken versunkener, stolzer Engel auf einer hohen Stele begegnet auf einem Bild von Bruno Bruni, dem bekanntesten Künstler der kleinen Schau. Im Vordergrund, in einem unwirklich scheinenden Raum, lagert ein weiblicher Akt auf einer ornamental verzierten Decke. Die nackte Schönheit oder entschleierte Venus steht in der Philosophie für die nackte Wahrheit. Es ist nicht ohne Gefahren für den Weisen, die Wahrheit nackt zu erblicken. Das kann man in den Rosenkreuzerschriften nachlesen.
Ist eine derartige Entblätterung in einem Kirchenraum gewagt? Die Marktkirchenpastorin Kerstin Sjöstedt-Hellmuth verneint. Sie sagt: „Wir haben auch auf dem Altar Nackte: Adam und Eva.“
Die Ausstellung in der Marktkirche ist bis 23. April täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Am 11. April gibt es ein Podiumsgespräch zum Thema „Was bleibt vom Menschen?“ Am 14. April folgt ein Vortrag des Sozialwissenschaftlers Sigrid Häfner zum Thema „Engel – Spiegel unserer Hoffnungen und Ängste“ und bei der Finissage am 21. April spricht der Psychotherapeut Hinderk M. Emrich über Rainer Maria Rilkes Engelsgestalten.
Johanna di Blasi
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Kommentare
Pseudointellektuell anonym – 09.04.10
Dieser Eindruck entsteht wirklich.Es liegt daran, dass sich die Verfasserin dieses Artikels, (wir wissen das aus erster Hand) kaum die Bilder wirklich angeschaut hat und nicht 1 (ein) Wort mit den zitierten "Protagonisten" sprich Künstlern getauscht hat, um zu erfahren, dass sich hinter den Arbeiten tiefe Gedanken finden, die sich auf den ersten Blick nicht gleich erschließen.
Pseudointellektuell Talby – 09.04.10
Beim Lesen dieses Artikels entstand der Eindruck, daß die Protagonisten dort reine Wichtigtuerei und bestenfalls Halbwissen pflegen. Das hat die Philosophie nun wirklich nicht verdient.Abgesehen davon: Philosophie und Kirche ist schon ein Widerspruch in sich. Religion entzieht sich rationalem Denken - Philosophie ist das schlichte Gegenteil.