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Kunstmuseum Wolfsburg zeigt Steve McCurry
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Dokumentarfotograf Kunstmuseum Wolfsburg zeigt Steve McCurry

 Er gilt als einer der meistgefragtesten Dokumentarfotografen der Welt - Steve McCurry. Seine farbgewaltigen Fotos aus Asien sind fast jedem schon mal ins Auge gefallen. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt jetzt 115 Bilder des amerikanischen Fotografen.

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Magnum-Fotograf Steve McCurry im Kunstmuseum Wolfsburg – seine Aufnahme eines afghanischen Flüchtlingsmädchens ging um die Welt.

Quelle: dpa

Wolfsburg. Im Dezember 1984 betrat der amerikanische Dokumentarfotograf Steve McCurry ein Zelt in einem Flüchtlingslager an der afghanisch-pakistanischen Grenze. Zwei grüne Augen blickten ihm durchdringend entgegen. Der Schrecken des Krieges war der kleinen Schönheit, die tagelang durch Kampfgebiet geirrt war und die meisten Verwandten verloren hatte, in den Blick geschrieben. McCurry erbat die Erlaubnis, das Mädchen unverschleiert zu fotografieren. Der „National Geographic“ setzte das Bild aufs Cover. Mit der „asiatischen Mona Lisa“ hatte der Krieg im sowjetisch okkupierten Afghanistan ein Gesicht.

17 Jahre später brach der Fotograf mit einem Kamerateam auf, um sein namenloses Modell zu suchen. Unzählige Male war er nach der Identität des „Afghan Girl“ gefragte worden. Mithilfe eines pakistanischen Journalisten fand er die inzwischen verheiratete Paschtunin Sharbat Gula, eine vorzeitig gealterte Frau. Die Aufnahmen als 12- und als 28-Jährige sind nur ein Höhepunkt einer fesselnden Ausstellung mit McCurrys Asienbildern im Kunstmuseum Wolfsburg.

Die rund 100 Bilder aus drei Jahrzehnten versammelnde Ausstellung mit dem Titel „Im Fluss der Zeit“ gibt jetzt McCurry ein Gesicht. Obwohl der Magnum-Fotograf Experten vertraut ist, lernt ihn ein breiteres Publikum in Deutschland erst jetzt kennen. McCurry entschuldigte sich für sein „eingerostetes Deutsch“. Er fühle sich „geehrt, im gleichen Museum wie Frank Stella ausstellen zu dürfen“, sagt der Dokumentarfotograf. Als Teenager hat er das heimatliche Pennsylvania verlassen und sich auf eine Weltreise begeben, die immer noch andauert. Im Zentrum seines fotografischen Schaffens stehen Porträts. „Ich liebe Porträt, ich liebe die Geschichten, die in die Gesichter geschrieben sind“, sagte McCurry.

Auf seinen Reisen traf der Globetrotter mit der Heimatbasis in New York City immer wieder auf ernste, würdevolle Blicke. Auch ein Mädchen mit rotem Schleier und orangefarbenen Armreifen in einem Boot in Kaschmir, ein indisches Kind während eines Festes oder ein junger Schweißer in Bombay blickten auf diese Weise in die Kameralinse.

Bereits Ende der siebziger Jahre hatte der Dokumentarist im Krisenherd Afghanistan fotografiert. Er hatte als Mudschaheddin-Kämpfer verkleidet die Grenze passiert. McCurrys damalige Aufnahmen, die unter anderem in der „New York Times“ erschienen, waren die weltweit ersten Bilder aus dem Krisenherd. In den folgenden Jahren als Auftragsfotograf dokumentierte er Menschen und Länder, arbeitete in Indien, Myanmar, Tibet, Kambodscha, Kuwait. Häufig leben McCurrys Bilder von Kontrasten: In der U-Bahn in Kyoto traf er auf eine Geisha in buntem Kimono, in Tibet auf einen Cola-trinkenden buddhistischen Mönch und im indischen Jodhpur, wo viele Häuser blau sind, auf Schachspieler mit kontrastierenden roten Turbanen.

Eine eindringliche Farbigkeit, aber ins Horrible gesteigert, haben auch McCurrys Bilder aus dem ersten Golfkrieg. Die Al-Ahmadi-Ölfelder stehen 1991 nach den Beschüssen in Flammen. Man sieht Feuer-Geysire, doch auch am helllichten Tag ist es dämmrig. Kamele irren auf der Suche nach Wasser durch die brennende Natur, dazwischen liegen verkohlte Körper von Soldaten. McCurrys Aufnahme eines ölverschmierten Wasservogels griff damals Oliviero Toscani für eine Werbung der Modekette Benetton auf. Die Augen des sterbenden Tieres sind rot, als ob im Körperinneren eine Glut lodern würde. „Zweifellos war ich kein Kriegsberichterstatter“, sagt McCurry, „die eigentlichen Ereignisse waren längst abgekühlt, wenn ich ankam.“ Stärker als das Drama hätten ihn die „langen, trüben Pausen“ angezogen, das „Drama des Undramatischen“, „die Flauten des Lebens“.

Wie sein Vorbild Henri Cartier-Bresson wartet McCurry entscheidende Momente ab. Bei Porträts wendet er einen Trick an: Er nestelt an der Kamera herum, bis ihn die Porträtierten fast vergessen, dann drückt er auf den Auslöser. „McCurry komprimiert die Geschichten hinter den Gesichtern auf eine Essenz und macht sie für Betrachter fassbar“, sagte Kuratorin Uta Ruhkamp. Ihm sei als erstem lebendem Fotografen im Kunstmuseum Wolfsburg eine große Ausstellung gewidmet, sagte der Museumsdirektor Markus Brüderlin. „McCurry steht in der Tradition der ethisch motivierten Fotografie.“ Dem Bild von Asien als einem Kontinent der Massen stelle dieser Fotograf Individuen entgegen. „Sein Werk ist von Einzelindividuen regelrecht durchsetzt.“

Kunstmuseum Wolfsburg, Steve McCurry, „Im Fluss der Zeit. Fotografien aus Asien 1980–2011“, 19. Januar bis 16. Juni, mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr, dienstags 11 bis 20 Uhr.

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