Hannover. Feuchte Luftströme und klares griechisches Licht ergeben eine Kombination, die die Kykladeninseln mal näher, mal ferner erscheinen lassen. Im Altertum herrschte deswegen der Glaube, sie würden schwimmen. In dieser flüssig scheinenden Welt überwanden die Menschen früh die Angst vor den Fluten. In schlanken Boote mit springenden Löwen als Galionsfiguren glitten sie über die Wellen. In einer großen Ausstellung mit dem Titel „Inseln der Winde. Europas erste Seefahrer im Ägäischen Meer“ (Ende September bis Ende Januar 2013) will das hannoversche Museum August Kestner neues Licht auf die Seefahrervölker der Bronzezeit werfen.
„Wir betreten mit unserer Ausstellung wissenschaftliches Neuland“, sagte die Archäologin Anne Viola Siebert am Mittwoch bei der Vorstellung des Ausstellungsprogramms für 2012. Anhand von Computersimulationen und Modellen würden Eindrücke der damaligen technischen und kulturellen Innovationen im Mittelmeerraum vermittelt. In der Ausstellung sollen zum ersten Mal technische, logistische und klimatische Aspekte der ägäischen Schifffahrt umfassend dargestellt werden. Unter anderem werden Wetterdaten, die das griechische Seefahrtsamt laufend ins Internet stellt, ausgewertet und mit historischen Quellen abgeglichen.
„Unser Museum nimmt Fahrt auf“, sagte Wolfgang Schepers passend zur Seefahrerschau, die den Schwerpunkt im Ausstellungsprogramm 2012 bildet. Der Direktor des Hauses sagte es aber auch mit Blick auf Kritiker in der Stadt, die Besucherzahlen und Deckungsquoten unter die Lupe nehmen.
Die Besucherzahlen habe das Museum wieder steigern können, sagte Schepers. Knapp 35 000 Besucher wurden 2011 gezählt. 2009 hatte es einen Einbruch gegeben. Spitzenjahr war 2001, als das Museum eine Nachbildung der Grabkammer des Tutanchamun zeigte; 66 000 Besucher wurden in dem Jahr gezählt.
„Wir rennen nicht Events hinterher“, sagte Schepers, „sondern bemühen uns um Nachhaltigkeit.“ 9000 Kinder und Jugendliche seien 2011 in dem Museum „betreut“ worden, und hinter den Kulissen habe es intensive Forschungsarbeit gegeben. Ein reger Leihverkehr bestehe mit Museen von Toulouse bis Stockholm und von Leiden bis Lucca. „Man kennt die hohe Qualität unserer Sammlung“, sagte Schepers.
Im laufenden Jahr werden neben der archäologischen Seefahrtsschau noch drei Designausstellungen zu sehen sein: vom 2. Februar bis 29. April „Form + Material = Produkt“, vom 24. Mai bis 26. August „Kahla Kreativ“ und vom 27. September bis 27. Januar 2013 „Modern. Design 1900–1939“. Es gab schon mal mehr Sonderausstellungen. Die Zeiten aber seien „stürmischer geworden“, sagte Schepers.
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