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Hurzlmeiers Bilder – Rowohlts Texte

Nonsens im Wilhelm-Busch-Museum Hurzlmeiers Bilder – Rowohlts Texte

Niveaunonsens im Wilhelm-Busch-Museum: Rudi Hurzlmeiers tierische Bilder treffen in einer neuen, am Freitag eröffneten Aufstellung auf die Verse von dem verstorbenen Harry Rowohlts. Die Künstler verband eine lange Freundschaft.  

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Rudi Hurzlmeier bei der Ausstellungseröffnung.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Da sitzt also ein dickes Schwein auf dem Dach, zupft die dicken Saiten einer Bassgitarre und sieht ziemlich lässig dabei aus. Aus dem Fenster des Mehrfamilienhauses daneben guckt ein anderes Schwein. Interessiert, könnte man meinen. Vielleicht hat sich Zeichner Rudi Hurzlmeier das auch so gedacht. Aber er ließ Harry Rowohlt die Szene betexten. Und der hat den Blick der Sau ein wenig anders interpretiert. Und gedichtet: „Verstärker? Bass? Am Sonntagmorgen? Brötchen könntest du besorgen!“

Die neue Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum zeigt zwei Welten. Die des Wilhelminischen Kaiserreichs aus der Sicht von Eduard Thöny in der oberen Etage (siehe Kasten), die des Rudi Hurzlmeier im Erdgeschoss. Beide Schauen eint die nachträgliche Betextung, bei Thöny durch die Redaktion des „Simplicissimus“. Harry Rowohlts kleine Zwei- oder Vierzeiler zeichnen naturgemäß kein so kritisches Gesellschaftsbild, eher vereinen sie sich mit Hurzlmeiers tierischen Motiven aufs Feinste zu gehobenem Blödsinn. Und lassen so dem 2015 verstorbenen Autor, Übersetzer, Schauspieler und Vorleser eine angemessene Würdigung zuteil werden.

Im Wilhelm-Busch-Museum werden derzeit Rudi Hurzlmeiers Bilder ausgestellt und mit Versen von Harry Rowohlt versehen.

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Da darf, logisch, auch schon mal das Glas gehoben werden – oder gleich die Flasche. Die Schweinebande auf dem „Dolce Vita“ betitelten Bild lässt es sich jedenfalls gut gehen. Und der Dichter dichtet: „Ist man erstmal über’n Brenner, wird das Leben was für Kenner.“ Da ist die Sau ganz Mensch. Und wenn wir mal nicht so sind wie sie, möchten wir wenigstens so sein. So zufrieden, so unbekümmert – oder so cool: „Nur gut, dass neuerdings die Raben, so schöne Cowboystiefel haben.“

Mit dem niederbayerischen Künstler verband Rowohlt eine lange Freundschaft. Seit 2004 hatten die beiden das so gemacht. Hurzlmeiers verrückte Viecher und Rowohlts verwegene Verse füllen bis heute acht Bände, nach Tiergruppen geordnet: „Miez Miez“, „Feine Schweine“, „Hipphopp“ oder „Lord Brummel“, mit dem beide Autoren gemeint sein könnten, bei dem es aber um einen schwerfälligen, aber abenteuerlustigen Bären geht. Der ist auch schon mal mit einer Propellermaschine durchs Gehölz unterwegs: „Wer schrammt da, ohne abzubiegen, durch den Mischwald, horch! / Lord Brummel lernt, so scheint es, fliegen, mit dem Fieseler Storch.“

Im Wilhelm-Busch-Museum hängt auch ein großer digitaler Bilderrahmen mit wechselnden Affenmotiven nebst geschliffenen Kommentaren. „Die Arbeit gibt es nur in digitaler Form“, sagt Museumschefin Gisela Vetter-Liebenow, „sie ist erst nach dem Tod Rowohlts fertig geworden.“ Zur Eröffnung am Freitag war auch dessen Witwe Ulla eingeladen, eine Zeichnung des tanzenden Ehepaars hängt als Plakat am Museum und als kleines Motiv in der Ausstellung, ausnahmsweise mal ohne Verdichtung des dort schwofenden Rauschebarts. Ein Bild mit Botschaft: „Er war fasziniert von ihr, weil sie so gut tanzen konnte“, sagt Vetter-Liebenow.

Rudi Hurzlmeier, Jahrgang 1952, bringt man zunächst mit dem Satiremagazin „Titanic“ in Verbindung, aber er war in den vergangenen 35 Jahren auch für „Pardon“, den „Eulenspiegel“, „Kowalski“, den „Stern“, „Hörzu“, „Gong“ oder „Bunte“ im Einsatz. Im vergangenen Jahr erhielt er, sozusagen in tierischer Verbundenheit, den „Göttinger Elch“ für sein Lebenswerk. Schon seit zwei Jahrzehnten widmet er sich neben den Cartoons auch der großformatigen Malerei.

Im Wallmodenschlösschen jedoch regiert der Nonsens. Wie beim Kaffeeklatsch von Hase und Katze im Wald: „Deutschland – Italien! Zwei Espressi! Und prego, bitte. (Fast vergessi.)“.
Wer will, kann Harry Rowohlt sogar sehen und hören, hinten in der Ecke, über einen kleinen Bildschirm und einige Kopfhörer, in Lesungsausschnitten. Allerdings ist es ratsam, sich vorher die Ausstellung anzusehen. Denn wenn man dem Mann erstmal zu lauschen begonnen hat, kommt man so schnell nicht wieder weg.

Zahlreiche Aktionen, auch für Kinder, begleiten die Ausstellung. Am 24. April werden Hurzlmeier und Verleger Gerd Haffmans über Rowohlt sprechen. 

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