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„A Return to Painting“

Sprengel Museum zeigt Ilya Kabakov

Von Johanna Di Blasi

Es ist eine Weltpremiere: Der russische Installationskünstler Ilya Kabakov überrascht im Sprengel Museum mit einer großen Malereiausstellung. Von Sonntag an sind rund 60 Gemälde und drei Installationen unter dem Titel „A Return to Painting. Rückkehr zur Malerei“ zu sehen.
Foto: Das Sprengel-Museum zeigt ab Sonntag eine Ausstellung mit Werken von Ilya Kabakov.

Das Sprengel-Museum zeigt ab Sonntag eine Ausstellung mit Werken von Ilya Kabakov.

© Martin Steiner

Hannover. Eine weiche weiße Schneeschicht: Schöner hätte Hannover Ilya Kabakov, den prominenten russischen Künstler, nicht begrüßen können. Weiß spielt in Kabakovs großer Ausstellung „Eine Rückkehr zur Malerei“, die am Sonntag im Sprengel Museum Hannover eröffnet wird, eine entscheidende Rolle.

Weiß hat für Kabakov viele Bedeutungen: das Weiß des Schnees, das metaphysische weiße Licht der christlich-orthodoxen Ikonentradition, das „suprematistische“ Weiß der russischen Avantgarde, das buddhistische Weiß als Sinnbild für das „Nix und Alles“, wie Kabakov in gebrochenem Deutsch sagt. Deutsch war seine erste Fremdsprache als Schüler in der Sowjetunion.

Ilya Kabakov ist heute so etwas wie der Übervater der neueren russischen Kunst, einer, an dem man sich abarbeitet, ob in Bewunderung oder Abgrenzung. Und er zählt zu den erklärten Lieblingen des westlichen Kunstbetriebs. Seine Ausstellung im Sprengel Museum, die der Museumsdirektor Ulrich Krempel eingerichtet hat, ist eine Weltpremiere.

Weitgehend unbemerkt von der Kunstöffentlichkeit hat der gebürtige Ukrainer in seinem geräumigen Atelier auf Long Island (USA) ein monumentales malerisches Spätwerk geschaffen. Seit 2003 malt der Künstler fast ausschließlich. Aus dem Installationskünstler – Furore machte er unter anderem mit dem Nachbau einer russischen Toilette 1992 auf der documenta 9 in Kassel als Kommentar auf die untergegangene Sowjetunion – ist ein Historienmaler geworden.

In großformatigen Synthesen, bei deren Herstellung dem 78-Jährigen Assistenten zur Hand gehen, fasst Kabakov sein Wissen über Bilder und Kunst zusammen. Drei solcher wuchtigen Formate füllen die Foyerhalle des Museums. Wo kürzlich noch der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn Transparente verkehrt herum aufgehängt hat, trifft man jetzt auf Kabakovs zur Seite gekippte Panoramen. Legt man den Kopf auf die Schulter, kann man den Künstler und seine Frau Emilia bei der Verleihung des Premium Imperiale erspähen.

Das zwillingshafte Gespann hat den bedeutenden Kunstpreis 2008 in Japan tatsächlich entgegengenommen. Die Monumentalgemälde im Sprengel Museum enthalten mit der Preisverleihungsszene zugleich die Gründe für die Ehrung: Die unkonventionelle Verbindung unterschiedlicher Ebenen macht Kabakovs Kunst preiswürdig. Collage-Elemente fliegen durch den merkwürdigen Bildraum ohne erkennbares Oben und Unten. Statt eines Vordergrundes und eines Hintergrundes, wie man das von konventionellen Bildern kennt, gibt es bei Kabakov nur Zentrum (häufig schwarz oder weiß) und Rand. Und dazwischen sieht man weiße Flecken, die wie blinde Flecken in der Erinnerung wirken.

Kabakov gefällt der Gedanke, beim Marsch durchs Museum den festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Seine Kunst wirkt wie Wodka. Die Dinge beginnen sich zu drehen, man meint zu wanken oder zu fliegen, Richtung Kosmos. Drei große weiße Formate zeigen lediglich an den Rändern Motive. Die Serie „Am Rande“ entstand in den siebziger Jahren in Moskau. Damals verdiente er  als Kinderbuchillustrator seinen Lebensunterhalt. In seinem Dachatelier traf sich die Moskauer Bohème, die inoffizielle Kunstszene. Bilder wie die drei weißen Gemälde musste Kabakov damals durchs Fenster seines Ateliers abseilen lassen. Daran, sie jemals auszustellen, brauchte er nicht zu denken. Sie entsprachen nicht der offiziellen Kunstdoktrin.

Ein ganzer Raum ist Kabakovs „fliegenden“ Bildern gewidmet. Typische Motive der sowjetischen Propaganda – glückliche Arbeiter, produktive Kolchosen – scheinen in einen schneeweißen Hintergrund zu entschwinden. Kabakov erlaubt sich den Scherz, die sowjetischen Helden  französisch-impressionistisch zu malen, einem in der UdSSR verpönten Stil. Realismus sieht bei Kabakov hingegen so aus: Zwei echte Schaufeln hängen auf einem Bild von einer Baustelle.

Für das Sprengel Museum hat Ilya Kabakov ein dickes Lob übrig. Es sei schöner als das MoMA in New York. Im Sprengel Museum herrsche keine touristische Stimmung, sondern „Kunstatmosphäre“.Rund 60 Bilder von den sechziger Jahren bis heute verwandeln das Haus in eine Kabakov-Galerie. In Modellform führt der Künstler zudem vor Augen, wie er sich das ideale Kabakov-Museum vorstellt: als schwebenden Satelliten. Wie soll man dorthin gelangen? Man muss fliegen lernen!

29. Januar bis 29. April, Eröffnung Sonntag 11.15 Uhr, Katalog 29 Euro.

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