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Landschaftsmalerei

Thomas Dillmann stellt in der Galerie vom Zufall und vom Glück aus


Autobahnleitplanken, Bausünden an Küstenstreifen oder mächtige Talsperren inmitten idyllischer Natur: Einige von Thomas Dillmanns Landschaftsmalereien enthalten irritierende Zeichen - andere ähneln einer sommerlichen Sonnenfinsternis. In der Galerie vom Zufall und vom Glück in Hannover stellt der Künstler seine Acrylbilder aus.
Ein Fest fürs Auge: Dillmanns Gemälde "Aufforstung" (2003)

Ein Fest fürs Auge: Dillmanns Gemälde "Aufforstung" (2003)

Thomas Dillmann ist der Beweis dafür, dass Blässe nicht nur im Edelvampirgenre attraktiv ist, sondern auch in der Kunst. Die Alpenlandschaften des hannoverschen Künstlers, aber auch seine hessischen Dorfbilder und unkonventionellen Blicke auf mediterrane Urlaubsorte – Themen, die der 1968 geborene Maler seit 15 Jahren verfolgt – wirken wie hinter einem Grauschleier. Der Eindruck seiner Malerei, die jetzt in der hannoverschen Galerie vom Zufall und vom Glück zu erleben ist, ähnelt der Erfahrung einer sommerlichen Sonnenfinsternis: wenn plötzlich die Welt matt wirkt, Kälte aufzieht und man auch innerlich ein wenig erschaudert.

Zugleich aber haben Dillmanns Acrylbilder die Qualität historischer Landschaften im Mondlicht: Sie scheinen von innen heraus silbrig zu leuchten. Er verwende „Farbe in homöopathischen Dosen“, habe ein Freund einmal gesagt. „Das hat mir gefallen“, sagt der Künstler. Mit der eingeschränkten Palette möchte Dillmann zum einen den Ausstellungsräumen Rechnung tragen. In den weißen Räumen mit künstlicher Beleuchtung wirkten kräftige Farben übertrieben künstlich, meint er. Zugleich möchte er durchaus die reale Farbigkeit der Welt wiedergeben. „Schauen Sie aus dem Fenster, das sind genau meine Farben.“ Dillmann meint, „realistischer“ zu malen als selbst die Fotorealisten. Ganz bewusst verzichtet er in seinen Bildern auf jegliche fotografische Effekte wie etwa Unschärfe.

An seiner großformatigen Darstellung des italienischen Örtchens San Pellegrino, bekannt für Mineralwasser, hat der Maler mehrere Monate lang gearbeitet. Die alten Fassaden, die wildromantische Landschaft, die Kiesel im breiten Flussbett erscheinen auf dem Gemälde schärfer als auf Fotografien. Die bis zur Straße aufragenden Schotterhaufen zeugen von heftigen Hochwassern.

Häufig gibt es in den idyllischen Ansichten irritierende Zeichen. Das können Autobahnleitplanken sein, Bausünden an Küstenstreifen oder mächtige Talsperren. Es ist oft eine raue Romantik, die Dillmann beschwört, und es herrscht auch eine große Kargheit. Das macht die Wirkung der Bilder aber nur umso stärker.

„Für mich ist die Malerei auch ein Mittel, um zu überprüfen, ob das Leben in den Alpen oder im Süden wirklich schöner wäre. Oder ob nicht nach einer Woche die Alltäglichkeit einziehen würde“, sagt der Künstler.

Auffallend oft finden sich bei Dillmann Alpenansichten. „Ich liebe das Gebirge“, sagt der Künstler, der in einem hessischen Dorf aufgewachsen ist und zum Kunststudium nach Hannover kam. Auf einem seiner alpinen Landschaftstableaus ragen auf einer Bergkuppe Föhren aus frischem Pulverschnee heraus. „Für die Augen ist es ein Fest, die Punkte in dem Weiß und im Nebel“, sagt Dillmann fast andächtig.

Der Maler bezeichnet sich selbst als „Ruhefanatiker“. Eine große Ruhe ist es auch, die seine Bilder ausstrahlen. Sie laden zum betrachtenden Verweilen ein. Das gilt auch für Dillmanns Nachtbilder, eine neue Serie, der in der Zufallsgalerie ein abgedunkelter Raum gewidmet ist.

Rund ein Drittel seines bisherigen Œuvres sei in der Galerie versammelt, sagt Dillmann. Weil die Gemälde sehr arbeitsaufwendig seien, schaffe er nur wenige pro Jahr. Mit seiner exquisiten Malerei ist Dillmann, der von der Galerie Robert Drees vertreten wird, längst überregional aufgefallen. In der großen „Realismus“-Ausstellung, die die Kunsthalle Emden zu Beginn dieses Jahres zeigte, hing ein silbriges Wald-und-Nebel-Bild von Dillmann neben einem Landschaftsbild von Gerhard Richter und einer Fotografie von Michael Reisch – ein starkes Trio.

Galerie vom Zufall und vom Glück, Theodor-Lessing-Platz 2, bis 3. Oktober, dienstags bis freitags sowie sonnabends und sonntags 11 bis 18 Uhr.

Johanna di Blasi

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