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Installationen

Thomas Hirschhorn erhält den Kurt-Schwitters-Preis 2011


Die Auszeichnung trifft den Richtigen. Der mit 25 000 Euro dotierte Kurt-Schwitters-Preis 2011 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung geht an den in Paris lebenden Schweizer Thomas Hirschhorn, der mit seinen multimedialen Installationen unverkennbar in der Tradition des hannoverschen Merzkünstlers steht.

Seine Liebe zu Schwitters, erklärte Hirschhorn bei der Pressekonferenz im Sprengel Museum, gelte nicht allein dessen Werk, sondern auch dessen Leben. „Ich bin ein Fan.“

Seelenverwandtschaft möchte man ihm attestieren, ist Hirschhorn doch selbst eine Ausnahmeerscheinung im Kunstbetrieb. Ein Einzelgänger, kämpferisch und kreativ, der sich nicht vereinnahmen lässt. In seinen temporären Kiosken, Containern und Kojen, die er im öffentlichen Raum verankert, verarbeitet er eine Fülle von Alltagsmaterialien und schafft aus den Fragmenten der bestehenden Welt – Karton, Alufolie, Sperrholz und Klebeband – einen neuen Kosmos. Der dreht sich nicht um ästhetische, sondern um existenzielle Fragen. Nicht selten sind seine Konstruktionen zugleich Orte der Wissensproduktion, Text- und Bildarchiv, Begegnungsstätte.

Für die Skulpturprojekte Münster 1997 schuf er eine „Skulptur-Sortier-Station“ aus Dachlatten, Plexiglas und Neonröhren, die neben eigenen Objekten auch Erinnerungen an die Arbeiten von Otto Freundlich und Rudolf Haizmann präsentierte, beide von den Nationalsozialisten als „entartete Künstler“ verfemt. Anderen Reverenz zu erweisen gehört untrennbar zu Hirschhorns Werk. „Straßenaltäre“ und „Denkmale“ widmete der 53-Jährige bereits Piet Mondrian, Ingeborg Bachmann oder Fernand Léger. Sein „Bataille Monument“ – halb Imbissbude, halb Bibliothek – war 2002 einer der Höhepunkte der documenta 11 in Kassel.

Im kommenden Jahr, so ist der Plan, will Hirschhorn aus Anlass der Preisverleihung eine „Kurt-Schwitters-Plattform“ realisieren, die den Grundriss des Merzbaus an seinen ursprünglichen Platz versetzt. In Schwitters hannoverschem Wohnhaus, Waldhausenstraße 5, entstand ab 1923 die erste Merzbauversion. Dort, so sinniert Hirschhorn humorvoll, wird die Plattform 2011 vielleicht zum „prekären Wallfahrtsort“.

Kristina Tieke

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