Willkommen in Berlin-Wolkenkuckucksheim: Kaum eine Metropole hat Architekten so stark zu Utopien verleitet wie die deutsche Hauptstadt. Ob Ludwig Mies van der Rohes Glasturm an der Friedrichstraße aus dem Jahr 1921, Le Corbusiers verkehrsberuhigte „Gartenstadt“ oder Daniel Libeskinds Flügelbau über dem Potsdamer Platz – in den vergangenen 100 Jahren bot sich Berlin der Architektenelite als Experimentierfeld an.
Immer wieder war es Berlin als „größte Mietskasernenstadt der Welt“, die Baumeister aus Europa und den USA zu ihren radikalen Entwürfen einlud. „Die Architekten wurden angetrieben von dem Wunsch, die Stadt für die Menschen besser zu gestalten“, sagt Carsten Krohn, der die Ausstellung mit 40 000 Euro aus dem Hauptstadtkulturfonds sowie Sponsorengeldern zusammenstellte. Eine Videoinstallation im Keller lässt 29 Architekten über ihre Projekte zu Wort kommen – von Rem Koolhaas bis Peter Eisenman.
Während sich das Zentrum von Paris seit dem 19. Jahrhundert wenig verändert hat und New York kaum etwas anderes zulässt als Wolkenkratzer, wurde Berlin Reißbrett des zeitgenössischen Städtebaus. Auch wenn die Pläne alle später in der Schublade verschwanden: Von Beginn an nahmen viele nicht realisierte Vorhaben die Probleme der Stadt vorweg, wie etwa Joseph Maria Olbrichs verkehrsgünstiger Pariser Platz von 1907. Die an das Brandenburger Tor angrenzenden Häuser, darunter Max Liebermanns Residenz, sollten nach Olbrichs Vorstellung abgerissen werden, um den Weg für den Autoverkehr freizumachen. Heute ist der Platz Fußgängerzone, Autos und Busse zwängen sich durch Nebenstraßen.
Nach den Gründerjahren und dem Kaiserreich, während der NS-Zeit oder nach dem Zweiten Weltkrieg – Berlin suchte immer eine neue Gestalt. „Die Neuerfindung der Stadt“ zieht sich durch die Geschichte Berlinsdpa
Bis 15. August, Café Moskau, Karl-Marx-Allee 34, Berlin.
Esteban Engel
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