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Nachrichten Kultur Balázs Kovalik inszeniert „Was ihr wollt“
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13:17 06.12.2018
Nichts ist so, wie es scheint: Balázs Kovalik vor dem Bühnenbild seiner Inszenierung. Quelle: Stefan Arndt
Hannover

Mozart ist tot, Wagner und Verdi sind tot, auch Richard Strauss und Hans Werner Henze leben nicht mehr: In der Oper hat man nicht mehr sehr oft die Gelegenheit, einen Komponisten zu seinem Werk zu befragen. Insofern ist es schon überraschend, wenn der Regisseur Balázs Kovalik, der gerade an der Staatsoper Manfred Trojahn Oper „Was ihr wollt“ auf die Bühne bringt, für seine Inszenierung nicht mit dem 1949 in Cremlingen bei Wolfenbüttel geborenen Komponisten zusammenarbeiten wollte. „Er ist nett und sehr kooperativ“, sagt Kovalik. „Aber es ist wichtig, die Gedanken des Komponisten selbst zu entdecken.“

Trojahn selbst finde es spannend zu sehen, was andere aus seinen Gedanken machten, glaubt der Regisseur. Und was er vom Komponisten dann doch über das Stück gehört habe, deute darauf hin, dass die neue Inszenierung in dessen Sinne sei. „Es gibt vielleicht aber doch ein paar Entdeckungen für ihn, weil er damals auf einige Aspekte nicht so sehr geachtet hat.“

Damals bedeutet vor etwa 20 Jahren, als Trojahn „Was ihr wollt“ komponiert hat. Das Stück ist nämlich keine Uraufführung. Staatsopern-Intendant Michael Klügl will die zeitgenössische Musik nämlich nicht nur mit spektakulären Neuaufträgen fördern, sondern junge Werke auch erneut zur Diskussion stellen: „Was ihr wollt“ wurde 1998 an der Bayerischen Staatsoper in München uraufgeführt – am Sonnabend wird es nun in Hannover in einer Neuproduktion gezeigt.

„Das Stück hat heute eine andere Aktualität als bei der Uraufführung“, sagt Kovalik, der 1969 in Budapest geboren wurde und heute an der Bayerischen Theaterakademie in München den Studiengang Musiktheater leitet. Das Thema der Geschlechterzuordnung, die Frage, ob jemand ein Mann oder nicht vielleicht doch eine Frau sei, beschäftige die Gesellschaft heute viel stärker als vor 20 Jahren. Der Satz „Nichts ist so, wie es scheint“, den eine der Figuren im Stück sagt, sei darum eine Art Motto für die Inszenierung.

Das bedeutet aber nicht, dass die Geschlechterverwirrung, für die Shakespeare mit seiner Komödie die Vorlage gegeben hat, eine zentrale Rolle an dem Abend spielen wird. „Shakespeares Komödien nennt man Komödien, weil niemand darin stirbt“, sagt Kovalik, „in Wahrheit sind sie aber eher Satyrspiele, in denen alles vorkommt.“ Sicher auch Slapstick und Situationskomik, aber eben auch starke Gefühle, Liebe und Verzweiflung. „Die Dinge sind zu einem großen Welttheater ausbalanciert.“

Der Komponist hat sich eng an das klassische Drama gehalten: „Was ihr wollt“ erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaars, das bei einem Schiffbruch auf eine einsame Insel gespült wird. Der Bruder gilt zunächst für tot, die Schwester gibt sich zu ihrem Schutz als Mann aus – beides sorgt im weiteren Stück beim Bühnenpersonal für eine allgemeine Verwirrung der Gefühle. Nur am Ende weicht Trojahn von der Vorlage ab: Während bei Shakespeare sich im Finale die vorgeblich richtigen Paare zusammenfinden, lässt der Komponist den Ausgang offen.

So wird auch an der Handlung deutlich, was Regisseur Kovalik im Allgemeinen daran reizt, Opern und keine Schauspiele zu inszenieren: „Der Komponist ist der erste Regisseur“, sagt er. Wenn man eine Oper auf die Bühne bringe, betrachte man nicht nur den Text, sondern auch den Kontext zwischen Text und Musik: „Das ist wie eine Psychoanalyse.“

Dass Trojahn diese Analyse mit den Mitteln der zeitgenössischen Musik betreibt, ist für Kovalik kein Problem: „Trojahn schreibt eine sehr effektvolle Musik, die voller Farben und ganz für das Theater gemacht ist“, sagt er. Mit seinen vielen Szenen sei das Stück zudem sehr kurzweilig: „Es ist wie ein großes Puzzle, aus dem man nach und nach eine Welt zusammenbaut.“

Am Sonnabend, 8. Dezember, 19.30 Uhr hat „Was ihr wollt“ in der Inszenierung von Balázs Kovalik Premiere. Mark Rohde dirigiert, der Komponist Manfred Trojahn wird anwesend sein.

Von Stefan Arndt

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