Der ermittelnde Kommissar vereinigt alle Klischees zeitgenössischer Krimiliteratur. Schröder ist ein Eigenbrötler, hat körperliche Gebrechen, pflegt seinen kranken Vater. Und dann bekommt der Einzelgänger eine blutjunge Polizeipsychologin vor die Nase gesetzt. Das ungleiche Team rauft sich zusammen ...
So weit, so schon tausendmal gelesen, gehört, gesehen. „Totenflut“ ist Bent Ohles erster Kriminalroman. Mit dem Manuskript gewann er den Krimipreis der Fernsehzeitschrift „Gong“ und damit die Veröffentlichung beim Piper-Verlag.
Zumindest verknüpft er das blutrünstige Szenario und die Hauptfiguren aus dem Baukasten mit einer ordentlichen Geschichte. Der Autor bringt Tempo rein, die Spannung hält bis zur letzten Seite. Der Erzählstil des Braunschweigers profitiert gewiss von dessen Arbeit als Film- und Fernsehdramaturg. Der 37-Jährige hat Drehbücher für einige kleinere Produktionen verfasst. Das Buch ruft Bilder im Kopf hervor.
Allerdings vermiesen eigenwillige Zeichensetzung und Orthografie den Lesespaß, das fängt schon beim Klappentext an. Dazu kommen hanebüchene Fehler: Das niedersächsische Wappenpferd soll rot sein? Das FBI sitzt neuerdings nicht mehr in Washington, sondern neben der CIA-Zentrale in Langley? Bei Google Maps kann man erkennen, dass jemand nackt ist? Schlechte Recherche ist eine Sache, mieses Lektorat die andere. „Totenflut“ gibt es wohl schon als Drehbuch, eine Fortsetzung soll geplant sein – hoffentlich achtet dann jemand auf Inhalt und Rechtschreibung. Sonst geht Kommissar Schröder bald in den Ruhestand.
Bent Ohle: „Totenflut“. Piper. 239 Seiten, 8,95 Euro.
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