28°/ 17° wolkig

Navigation:
Neues Buch von Christoph Ransmayr erschienen
Mehr aus Bücher

Literatur Neues Buch von Christoph Ransmayr erschienen

„Atlas eines ängstlichen Mannes“ heißt das neue Buch des Österreichers Christoph Ransmayr, der am 23. Januar in Hannover liest. In dem Buch schildert der Autor seine Reiseimpressionen - wunderbar und wunderbar genau.

Voriger Artikel
Andreas Maier erhält deutsch-französischen Literaturpreis
Nächster Artikel
Suhrkamp-Chefin will Gerichtstermine aussetzen

Christoph Ransmayr schildert in seinem neuen Buch „Atlas eines ängstlichen Mannes“ Reiseimpressionen.

Quelle: dpa

Hannover. Mit immer derselben Formel beginnen die Geschichten dieses Reisenden: „Ich sah ...“, heißt es zum Beispiel, „einen Golfspieler im Inneren jenes Kreises, den Matrosen des russischen Atomeisbrechers ‚Yamal‘ mit einem Dutzend Nationalflaggen ins Packeis gepflanzt hatten.“ Oder: „Ich sah die Heimat eines Gottes“, und dann erzählt Christoph Ransmayr die unheilvolle Geschichte der Bewohner der Osterinsel, die sich vor Jahrhunderten gegenseitig ausrotteten. Einmal nimmt der „Ich sah“-Erzähler auch eine angebundene Ziege in den Blick, die ihn zu den Nachkommen der „Bounty“-Meuterer und deren polynesischen Frauen auf die Südseeinsel Pitcairn führt.

Dieses „Ich sah“ besitzt auf den ersten Blick biblische Wucht, bezeugt in den insgesamt 70 Episoden in „Atlas eines ängstlichen Mannes“ jedoch vor allem, dass der Autor tatsächlich vor Ort war. Er ist Augenzeuge im Wortsinn, was im Zeitalter von Google Earth und Dokutrips rund um den Globus an jedem zweiten TV-Abend tatsächlich bemerkenswert ist.

Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion aufgehoben

Gelegentlich füttert der Autor seine Geschichten historisch an, so, wie er es schon in seinem Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ (1984) getan hat. Darin erzählte Ransmayr in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion die Geschichte der österreichisch-ungarischen Payer-Weyprecht-Expedition, die Anfang der 1870er-Jahre das Franz-Joseph-Land entdeckte. Schon in jenem Buch hob der Autor die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion auf, erst recht ist nun diejenige zwischen Reporter und Dichter fließend.

Die große weite Welt und die kleine, zufällige Beobachtung: Beides setzt der Österreicher elegant in Beziehung zueinander. Beides kann auch ähnlich bedeutsam sein, manchmal sogar über Leben und Tod entscheiden. Dies ist kein Reisebuch, das wie so viele andere touristischen Interessen nachspürt. Hier erzählt ein bekennender Individualist. Die subjektive Wahrnehmung ist für Ransmayr wichtiger als die Kartografierung der Welt - was nicht heißt, dass er ungenau beschreibt, ganz im Gegenteil.

Tiere spielen erstaunlich oft eine Rolle

Der Autor vermisst die Erdkugel lediglich nach seinen eigenen Kriterien, egal ob er sich Gedanken über den Lauf des Kometen Hale-Bopp macht, über einen andalusischen Stier in der Arena von Sevilla oder eine Anakonda, der von einem Lastwagen das Rückgrat gebrochen wird und die in den Tod kriecht. Erstaunlich oft spielen Tiere eine Rolle, aber so ist das, wenn man allein die Welt erkundet: Um so schärfer registriert man seine Umgebung. Ransmayr ist mittendrin, bleibt aber im Beobachtermodus. Er reist im Augenblick, ist unterwegs und doch ganz bei sich.

Deshalb haftet all diesen Geschichten auch nichts Exotisches an - egal, ob der Autor in Bolivien, Marokko, auf der Halbinsel Kola in Russland, in Japan oder auch im heimischen Österreich unterwegs ist. Überall auf dieser Erde lässt sich Trauriges, aber genauso Wunderbares entdecken. Und manchmal fällt es sogar schwer, dazwischen zu unterscheiden.

Christoph Ransmayr: „Atlas eines ängstlichen Mannes“. S. Fischer. 464 Seiten, 24,99 Euro. Die Lesung von Ransmayr im Literaturhaus am Mittwoch ist ausverkauft; NDR Kultur sendet den Mitschnitt des Abends am 3. Februar, 20 Uhr.

Voriger Artikel Voriger Artikel
Nächster Artikel Nächster Artikel

Meistgelesen in Kultur

Anzeige
Raten Sie mit: Aus welchem Buch stammt dieser erste Satz?

Das HAZ.de-Bücherrätsel: Testen Sie Ihr Literaturwissen und erraten Sie, aus welchen Büchern die folgenden Anfänge stammen.

Wedels letzte Nibelungenfestspiele
Foto: Der Intendant Dieter Wedel (m.) und seine Söhne Benjamin (l.) und Dominik Volland bei der Premiere des diesjährigen Stückes der Nibelungen-Festspiele „Hebbels Nibelungen – born this way“, Wedels letzter Inszenierung als Festspiel-Intendant.

Martialische Soldaten-Outfits, heftige Kämpfe und bittere Rache. Mit einer Kritik an Herrenmenschentum und Imperialismus verabschiedet sich Dieter Wedel von den Nibelungenfestspielen. mehr

Maybebop singen im Schauspielhaus

Die aus Hannover stammende Vocalband Maybebop hat am Sonnabend im ausverkauften Schauspielhaus für Stimmung gesorgt. Für die Fangemeinde aus Hannover sollte dieser Abend ein „Geschenk für zwölf Jahre Treue sein“.

Anzeige