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„Ada liebt“

Nicole Balschun schreibt über eine unmögliche Liebesgeschichte

Von Ronald Meyer-Arlt

Nicole Balschun aus Hannover einen ganz ungewöhnlichen Roman geschrieben. Die Geschichte dreht sich um die Schwierigkeiten der Liebe und des Lebens. Ab Freitag erscheint „Ada liebt“ als Fortsetzungsroman in der HAZ.
Arbeitsplatz im Grünen: Nicole Balschun in ihrer Wohnung in Hannover.

Arbeitsplatz im Grünen: Nicole Balschun in ihrer Wohnung in Hannover.

© Ronald Meyer-Arlt

Als der Verleger anrief und als sie endlich realisierte, dass es auch wirklich der Verleger und nicht irgendein Freund mit verstellter Stimme war, und als klar war, dass er Ada wirklich haben wollte, da hat Nicole Balschun geweint. Vor Freude natürlich. Aber nicht nur. Ein bisschen hat sie auch geweint, weil sie wusste, dass jetzt für sie ein anderes Leben beginnt. Und das ist zwar schön, aber eben auch erschreckend.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis sich Jo Lendle, Verleger des DuMont-Buchverlags, bei Nicole Balschun in Hannover gemeldet hat. Sie hatte ihm das Manuskript von „Ada liebt“ geschickt, ihrem ersten Roman. Mit 16 Jahren hatte sie nach einigen Kurzgeschichten schon mal etwas Umfangreicheres geschrieben. Das hatte zwar die Länge eines Romans, war aber keiner.

Und dann hatte die 1975 geborene Schriftstellerin irgendwann „Ada liebt“ fertig. Ein Freund hat sie darin bestärkt, das Manuskript an einen großen literarischen Verlag zu schicken. Nicole Balschun, die zu der Zeit als Lehrerin gearbeitet hat, zögerte, dann hat sie’s doch getan. Und lange nichts vom Verlag gehört. Sie ist umgezogen, hat ihre Telefonnummer geändert, und beinahe wäre sie für den Verlag ganz unerreichbar geworden. Aber Jo Lendle wollte das Buch machen, und nach einigen Schwierigkeiten hat er sie am Ende doch erreicht. Vor ­Nicole Balschun hat es noch kein Autor geschafft, den DuMont-Verlag mit einem unverlangt eingesandten Manuskript davon zu überzeugen, dass das auch ein Buch werden muss.

Bei „Ada liebt“ war es anders. Kurz vor dem Umzug in ein anderes Büro hatte sich Verleger Lendle den Stapel der ungelesenen Manuskripte noch einmal vorgenommen; die meisten Buchprojekte gingen dann in die Ablage für die Rücksendung, aber an „Ada liebt“ hat er sich festgelesen.

Dass man sich festliest, kann schnell passieren bei diesem Roman. Es ist eine unmögliche Liebesgeschichte: Ada studiert Literaturwissenschaft und ist ziemlich verschlossen. Bo hat einen Bauernhof und ist recht praktisch veranlagt. Wenn Ada bei Bo ist, riecht ihre Kleidung nach Schweinestall, und ihre Füße fangen an zu jucken. Trotzdem ist sie gern bei Bo. Jedenfalls für eine gewisse Zeit.

„Ada liebt“ erzählt von den Schwierigkeiten der Liebe und von den Schwierigkeiten des Lebens. Ada hat einen recht eigenen Blick auf die Welt und eine recht eigene Sprache für sie. Es ist eine klare, liebevolle, ganz und gar unkitschige Sprache. Der Leser ist nah bei Ada. Man wünscht ihr Glück und weiß doch, dass sie es nicht so leicht hat mit dem Glück. Bauer Bo wünscht man nichts. Der ist großartig, so wie er ist. Dieser Bo ist eine wunderliche Erfindung. Nach dem Lesen denkt man, man würde ihn von irgendwoher kennen.

Beim Schreiben, sagt Balschun, die ihren Beruf als Lehrerin zurzeit ruhen lässt, habe sie eine eigenartige Realität in den von ihr erfundenen Figuren empfunden: „Ich durfte nicht zu lange von dieser Geschichte weg sein, die Figuren wollten immer die ganze Aufmerksamkeit.“ Wenn sie über das Schreiben redet, wirkt es, als spreche sie über einen magischen Prozess: „Es war ein Flow, ich hatte keinen Plan, kein Konzept, die Figuren haben getan, was sie wollten.“

Nur schwer konnte sich die Autorin von ihrem Werk trennen. Als das Manuskript fertig war, hat sie es einem Freund zum Lesen gegeben. Der Freund, ansonsten ein scharfer Kritiker ihrer Werke, war begeistert und hat das Manuskript auf eigene Faust an einen Kleinverlag weitergeleitet. Der Verleger wollte es herausbringen; er hat sich mit der Autorin getroffen – doch die hatte ein ungutes Gefühl und verzichtete auf die Zusammenarbeit. „Es hat sich nicht richtig angefühlt“, sagt sie.

Es ist selten, dass sich Autoren so etwas leisten, bevor ihr erster Roman veröffentlicht ist. Nicole Balschun aber leistete sich sogar zweimal den Luxus, ein Manuskript zurückzuziehen. Ihr zweites Werk war eine Auftragsarbeit für einen größeren Verlag. Sie hatte die vereinbarte Seitenzahl geliefert, der Verlag wollte drucken, doch die Autorin weigerte sich. Diesmal fühlte es sich nicht nur falsch an, diesmal war es falsch. Der Verlag wollte Unterhaltungsliteratur für Frauen, die Autorin lieferte, was gefordert war. Doch bei der Abgabe des Manu­skripts war ihr klar, dass sie aus diesem Genre wohl nie mehr herauskommen würde. Also hat sie das Buch gestoppt. Zwei zurückgezogene Manu­skripte, noch bevor der erste Roman erschienen ist – die meisten Schriftsteller beginnen ihre Karriere anders.

Aber bei Nicole Balschun hat Schreiben eben viel mit dem Leben zu tun. „Das war wie eine Schwangerschaft im Kopf“, sagt sie, als sie von der Zeit erzählt, in der sie „Ada liebt“ geschrieben hat. Damals war sie auch tatsächlich schwanger, und ihr erstes Kind war noch ganz klein und hat viel geschlafen. Die Schlafphasen hat sie zum Schreiben genutzt. Und weil sie mit der Geburt ihres zweiten Kindes auch den Schlusspunkt unter „Ada liebt“ setzen konnte, betrachtet sie den Roman auch irgendwie als ihr Kind.

Es ist ein eigensinniges Kind. Das Ende, sagt die Autorin, findet sie immer noch ganz schön traurig. Aber etwas anderes hätten die Figuren eben nicht zugelassen.

Von Freitag an ist „Ada liebt“ in der HAZ als Fortsetzungsroman zu lesen.

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