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Islamkritik

Ordensschwester stellt „Es geht ums Überleben" vor

Von Simon Benne

Die Ordensschwester Hatune Dogan kümmert sich um die Ärmsten der Armen - und schockiert bei der Lesung ihres Buches „Es geht ums Überleben" in der hannoverschen Bernward-Buchhandlung mit brachialer Islamkritik.
Schwester Hatune Dogan in der Bernward-Buchhandlung.

„Jesus ist mein Bodyguard": Schwester Hatune Dogan in der Bernward-Buchhandlung.

© Nico Herzog

Stille herrscht in der Bernward-Buchhandlung, als das Licht wieder angeht. Eigentlich gehört es zu den ungeschriebenen Gesetzen von Veranstaltungen, dass nach der Einspielung von Bildern geklatscht wird. Doch jetzt blicken viele Besucher nur schockiert auf die weiße Leinwand. Sie haben gerade Fotos von abgesäbelten Köpfen gesehen, von verstümmelten Mädchengesichtern und ein Video, auf dem fanatische Muslime einem „Ungläubigen“ die Kehle durchschneiden. Es sind nicht die Bilder, die man im Gepäck einer Ordensfrau erwartet. Doch Hatune Dogan ist beseelt davon, aufzurütteln.

„Es geht ums Überleben“ heißt ihr Buch (Herder Verlag, 16,95 Euro), in dem sie die Verfolgung irakischer Christen anprangert. Die 40-Jährige kann von Menschen berichten, die gefoltert wurden, um sie zum Islam zu bekehren. Von einer Frau, die mitansehen musste, wie Muslime ihren Mann und ihre sechs Kinder enthaupteten. „In Bagdad wurde eine Christin mit 72 Schüssen ermordet, weil sie keinen Schleier tragen wollte“, sagt sie. Zehntausende irakische Christen sind inzwischen geflohen. Mit entschlossenem Gesicht, am Habit die Bundesverdienstmedaille, sitzt Schwester Hatune zwischen Laptop und Beamer – ein Medienprofi, wie einst Mutter Teresa. Nur weitaus streitbarer.

„Ich weiß, was Flucht, Verfolgung und Vergewaltigung sind“, sagt sie. Die syrisch-orthodoxe Christin musste als 14-Jährige aus ihrem Heimatdorf Zaz in Anatolien fliehen. „Als Christen hatten wir keine Rechte in der Türkei“, sagt sie. Als Kriminelle ihrem Vater mit Ermordung drohten, rettete sich ihre Familie nach Deutschland, wo sie heute in einem Kloster in Warburg lebt. Hier gründete sie Frauenvereine, um gegen patriarchalisches Denken in ihrer eigenen Konfession anzugehen. Und sie gründete die „Schwester-Hatune-Stiftung“ mit einem ganzen Netzwerk von Hilfsvereinen. Mit Gleichgesinnten baut sie Häuser für die Ärmsten in Indien oder versorgt Menschen mit Nahrung, die in Ägypten im Müll leben. Allein in Nepal, wo noch Krankheiten wie die Lepra grassieren, behandeln ihre Organisationen 8000 Patienten pro Jahr. „Die Armut lässt mir keine Ruhe“, sagt sie. Das ist die eine Seite der Schwester Hatune.

Die andere Seite zeigt sie, wenn sie vor der Weltislamisierung warnt. Dann ist sie eher Heißsporn als Heilige, und sie scheut keine Verallgemeinerung. Nur zehn Prozent der Türken, schätzt sie, seien echte Demokraten. Ganz ohne Ironie erklärt sie, dass die Alphabetisierung die Lage im Orient nur verschärfe, weil Muslime dann den Koran mit seinen intoleranten Texten lesen könnten: „Ich habe nichts gegen Moslems, ich habe etwas gegen ihre Gesetze.“ Die Scharia bedrohe längst Europa: „Wer unsere Gesetze nicht annimmt, muss raus aus diesem Land“, fordert sie und erntet Zuspruch aus dem Publikum. Distanz zum selbst erlebten Leid schafft sie vor allem, indem sie dessen politisch-religiöse Ursachen sucht oder konstruiert, um dann mit aller Kraft gegen diese anzukämpfen. Wenn irgendwann ein Thilo-Sarrazin-Preis für pauschale Islamkritik verliehen wird – sie wäre eine ideale Aspirantin.

Zur ihrer Arbeit gehört auch eine bizarre Bilanz: „Ich habe 18 Morddrohungen in sieben Sprachen bekommen“, sagt sie. Im Irak riskiere sie ihr Leben, doch das sei Teil ihrer Aufgabe: „Jesus selbst ist mein Bodyguard – und die Wahrheit muss heraus.“ Manchmal ist es nicht leicht auszumachen, ob Schwester Hatune einen Kreuzzug verhindern oder führen will. Weil man denen, die man bekämpft, oft ein wenig ähnlich wird.

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