Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Reportage

Richard Powers "Das Buch Ich #9"

Von Ronald Meyer-Arlt

Richard Powers hat sein Genom entschlüsseln lassen und als erster ein Buch daraus gemacht. Es heißt „Das Buch Ich #9“ und ist jetzt in den deutschen Buchhandel gekommen.
Richard Power

Richard Power: „Das Buch Ich #9“ jetzt im Buchhandel erhältlich

© Handout

Das Buch, das der Autor Richard Powers hier vorstellt, ist ein sehr persönliches Buch. Es besteht aus etwa drei Millionen Seiten, aber nur aus vier Buchstaben: ATCG. Richard Powers hat sein Genom entschlüsseln lassen. Er ist nicht der erste Mensch auf der Welt, der das getan hat, sondern der neunte.

Powers, der mit seinem Roman „Der Klang der Zeit“ bekannt wurde, ist nun im Besitz eines USB-Sticks, auf dem seine sechs Milliarden Basenpaare gespeichert sind. 200 Arbeitsstunden und 9000 Stunden „Premium-Rechenzeit“ hat die Genomerforschung gekostet. Während der Arbeit hat die Firma das Verfahren verbessert, so wurde man früher fertig als geplant. Das neue Verfahren macht die Sache nicht nur schneller, sondern auch billiger. In der Genforschung kommt die Zukunft schneller als erwartet.

Am Ende seiner Reportage, die im Auftrag des Magazins „Gentlemen‘s Quarterly“ entstanden ist und nun als schmales Buch vorliegt, beschreibt Powers, wie ihm die Genforschungsfirma den Datenträger überreicht hat: in einem Rosenholzkästchen. Dazu gab’s den Umschlag mit dem Passwort, dann hielt er das Buch seines Lebens in der Hand. Der Dichter hat sich gewissermaßen verdoppelt, er ist nun auch reine Information geworden. Neben dem Menschen Richard Powers gibt es die Datei Richard Powers.

Wie fühlt sich das an? „Medizinisch gesehen“, schreibt er, „werden meine sechs Milliarden Daten mir nichts weiter liefern als Wahrscheinlichkeiten, die meisten davon nicht einklagbar; aber es sind Wahrscheinlichkeiten, die im Laufe der Zeit wahrscheinlicher werden.“ Während Powers auf das Ergebnis der Sequenzierung seines Erbguts wartete, befürchtete er Schlimmes: „An manchen Tagen (...) habe ich das Gefühl, dass sich an meinen Besuchen beim Arzt auch in Zukunft nicht viel ändern wird: Muss ich sterben? Ja, aber noch nicht gleich. Was soll ich dagegen machen? Alles, was Sie können. Wie viel Zeit bleibt mir noch? Nicht viel. Was geschieht als Nächstes? Lesen Sie es, und Ihnen werden die Tränen kommen.“

Groß ist der Erkenntnisgewinn nach der genetischen Grunderfassung nicht: „Ich weiß jetzt, dass ich 248 genetische Varianten in mir habe, die mein Risiko erhöhen, an ungefähr 77 Krankheiten zu erkranken.“ Man erfährt, dass die Ärzte Hinweise auf eine Neigung zu Fettleibigkeit gefunden haben. Das wundert Powers, der sehr schlank ist. Aber sie haben auch eine gewisse Neigung zur Neugier entdeckt. Damit aber hatte der Autor schon gerechnet.

Richard Power: „Das Buch Ich #9“. Reportage. S. Fischer Verlag, 79 S., 12 Euro.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Kultur-Artikel

Anzeige

Kinomagazin

Raten Sie die Filmzitate

Anzeige
„Ariadne auf Naxos“
"Ariadne auf Naxos" - die Oper feierte Premiere.

Hamburgs Opernchefin Simone Young versucht seit Beginn ihrer Amtszeit 2005 mit Strauss-Opern zu punkten. Mit „Ariadne auf Naxos“ legt sie jetzt ihre fünfte Strauss-Produktion vor. Beim Premierenpublikum gab es Beifall, aber auch Unmut.



Top