Hannover. Die Episode mit der Hotelbar taugt ganz gut, um sich vorzustellen, wie Rolf Töpperwien tickt. Er halte nichts davon, sagt der ehemalige ZDF-Sportreporter bei der Lesung seiner Autobiografie „Von Braunschweig bis Johannesburg“ in der hannoverschen Sport-Uni, wenn Kolleginnen an der Hotelbar ein hohes Tier vom ZDF träfen und sich an die Moderation des „Sportstudios“ heranquatschten. Von der Pike auf müsse man den Beruf lernen, sagt er. Nicht Beziehungen spielen lassen.
Und dann erzählt er die Geschichte von seinem früheren Chef Alfons Spiegel. Spiegel mochte Töpperwien nicht, die Duzerei mit den Kickern, die joviale Art. Deshalb hat Spiegel ihn eines Tages nicht mehr zu Bundesligaspielen geschickt, sondern zu Querfeldeinrennen. Darüber hat Töpperwien sich bei einem Freund beschwert, der in der Innenpolitikredaktion des ZDF arbeitete, „im Schwabenstübchen mit 13 Biersorten vom Fass“ war das. Der Freund hat das seinem Chef erzählt, und, bums, war Töppi wieder im Geschäft. „Man muss Leute kennen, um im Leben voranzukommen“, sagt er.
So dreht sich Töppi die Welt zurecht. Vor gut einem Jahr ist Töpperwien in den Ruhestand gegangen, mit 60. Sein Erfolgsrezept, das nimmt man aus der Lesung mit, war im Kern die „dritte Halbzeit“ in den Stammkneipen der Bundesligaspieler. Da habe er eben „mit den Jungs gesoffen“, und weil die Jungs ihn kannten, nannten sie ihn „Töppi“ und gaben ihm nach den Spielen Interviews und anderen nicht. Weil das so war, hält Töpperwien sich für einen herausragenden Sportreporter. Aber er hat auch in einem Bericht einen Ellbogenschlag von Horst Hrubesch gezeigt. Ein Beweis seiner Unbestechlichkeit, findet er.
Die Nähe zwischen dem Berichtenden und seinem Berichtsgegenstand war nie ein Problem für Töpperwien. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat ihn deshalb mal ein „Putzerfischchen“ genannt, gemünzt auf sein Verhältnis zu Otto Rehhagel. Töpperwien erwähnt die „Süddeutsche“ in seinem Vortrag drei- oder viermal, immer mit dieser Die-können-mich-mal-Attitüde. Aber dafür eben ganz schön oft.
Wenn man ihn nach Rehhagel fragt, verweist er auf das, was er eine kritische Nachfrage nennt. Die habe er seinem „Freund“ 2010 nach der letzten Niederlage von dessen griechischer Elf bei der WM in Südafrika gestellt, es ging um Rehhagels bevorstehenden Rausschmiss. Seit er diese Frage gestellt hat, habe sein Freund nicht mehr mit ihm gesprochen, sagt Töpperwien. Was das wohl für eine Freundschaft war, fragt man nicht mehr.
Er erzählt auch von eigenen „Fehlern im Privatleben“. Dazu muss man wissen, dass er sich einmal selbst angezündet haben soll. Rum spielte eine Rolle und wohl das Kokain in seinem Blut. Und einmal hat er sich bei einem Bordell schriftlich über eine Rechnung über 4000 Mark beschwert. „Ich bin kein Marathonmann“ stand auf dem ZDF-Briefbogen. Steht alles im Buch, sagt Töppi.
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