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Sachbuch

Ulrich W. Sahm über den „Alltag im Gelobten Land“

Von Dr. Daniel Alexander Schacht

Der wohl dienstälteste Israel-Korrespondent Ulrich W. Sahm hat ein neues Buch geschrieben. In „Alltag im Gelobten Land“ vermischt Sahm Alltagskleinigkeiten mit der großen Politik.

Den „Saurier unter den Nahostreportern“ nennt Henryk M. Broder den Israel-Korrespondenten Ulrich W. Sahm. Doch was nach Polemik und Spott klingen mag, ist zugleich ein Zeugnis des Respekts. Denn immerhin hat der Polemiker Broder auch das Vorwort zum Buch dieses „Sauriers“ geschrieben, der, wenn nicht der langjährigste Reporter des Nahen Ostens, so doch wahrscheinlich der dienstälteste deutsche Korrespondent in Israel ist.

Immerhin ist der Abiturient Sahm 1968 zum ersten Mal dorthin gereist, seither hat ihn das Land nicht mehr losgelassen, und seit 1975 berichtet er aus Jerusalem für deutsche Medien (unter anderen auch für diese Zeitung) aus der Krisenregion. „Alltag im Gelobten Land“ lautet der Titel von Sahms Buch, doch was so lapidar klingt, erweist sich bei der Lektüre als reizvolle Mischung aus vermeintlichen Alltagskleinigkeiten und der „großen“ Politik. Beides liegt in dem kleinen Land eben nah beieinander. Das leugnet auch Sahm nicht, und doch steht bei ihm nicht der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern im Vordergrund, sondern das persönliche Erleben des Landes. Und anders als mancher seiner Korrespondentenkollegen schildert er neben der Kontinuität des Nahostkonflikts auch die Kontinuität von Aufbau, Zuwanderung und wirtschaftlichem Erfolg, ohne die Israel gar nicht überlebensfähig wäre. Das liegt auch an Sahms familiärem Hintergrund, der ihn früh mit Politik vertraut gemacht hat – sein Vater war Diplomat der Bonner Republik, sein Onkel Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld wurde als Teilnehmer des Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichtet.

Ulrich W. Sahms Buch lässt die ganze Bandbreite der Themen passieren, mit denen er als Korrespondent zu tun hat, darunter etwa „Terror in Jerusalem“, „Die Mauer“, „Begegnungen mit Arafat“ oder auch „Deutsche Nahostpolitik“. Ganz am Schluss heißt ein Kapitel wiederum lapidar „Kulinarisches“, und nicht zuletzt dieses Kapitel über die Kochkunst im Heiligen Land macht, reich und oft überraschend originell bebildert, Lust auf mehr. Wer wissen will, wie ein gutes Rezept für Gefillte Fisch aussieht oder für ein plattgedrücktes Hühnchen im Kräuterkleid, wird hier fündig. Wer Patentrezepte zur Lösung des Nahostkonflikts sucht, kann hier indes auch lernen, dass in Wahrheit alles viel schwieriger ist.

Autor Ulrich W. Sahm
Titel Alltag im gelobten Land
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Seitenzahl 240 Seiten mit 90 Abb.
Preis 19,90 Euro
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