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Kultur Damian Marhulets im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Damian Marhulets im Sprengel Museum
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12:14 10.10.2018
Damian Marhulets eröffnet im Calder-Saal des Sprengel Museums seine Veranstaltungsreihe „Brilliant Darkness“. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Damian Marhulets spielt mit offenen Karten: „Wir sind nicht hier, um Spaß zu haben“, kündigt er bei der ersten Veranstaltung seiner neuen Reihe „Brilliant Darkness“ an. Einerseits machte der Komponist und Medienkünstler noch nie ein Geheimnis aus seiner Freude an gezielter Überforderung. Andererseits meint er es durchaus ernst, wenn er sagt, daraus entstehe oft wesentlich Neues. Die Verbindung von Musik, Bildender Kunst und Philosophie hat sich Marhulets laut Ankündigung vorgenommen. Und dann auch wieder nicht: „Ich glaube gar nicht daran, dass diese Dinge überhaupt getrennt voneinander erlebt werden können.“

Knapp 50 Besucher sind in den Calder-Saal des Sprengel Museums gekommen, um sich herausfordern zu lassen. Marhulets ist in seiner Szene kein Unbekannter. Er studierte an der Musikhochschule Hannover unter anderem bei Joachim Heintz elektronische Musik. Demnächst erscheint sein neues Album „Lilith’s Lullabies“ beim für Neue Musik renommierten Label Neue Meister. Als Kurator der Reihe „Brilliant Darkness“ des Vereins Ars Aperta will er sich mit philosophischen Konzepten beschäftigen, die seine audiovisuelle Arbeit durchdringen.

Zum Auftakt hat er den britischen Philosophen David Roden eingeladen, der über seinen Blick auf Ideen des Posthumanismus spricht. „Ich habe ein Buch über etwas geschrieben, von dem ich nichts weiß“, sagt Roden. Marhulets erläutert, es gehe um Dinge, über die Menschen eigentlich nicht sprechen können, weil ihr Verstand keinen Zugang dazu habe. Deshalb habe er den Titel „Brilliant Darkness“ gewählt: „Wir suchen nach Strategien, in der Dunkelheit zu navigieren, ohne das Licht ins Spiel bringen zu müssen.“

Posthumanismus schreibe dem Menschen keinen exklusiven Status zu, so Roden. Die Frage sei: „Wie können wir auf nicht menschliche Weise denken?“ Affekte und Emotionen spielten dabei eine Rolle, aber auch Abstraktionen. Die zunehmende Durchdringung des Lebens mit Technologie könne zu posthumanen Lebensformen führen, vermutet Roden. Deren ethische Bewertung sei spekulativ: „Wir müssen Postmenschen werden oder produzieren, um mehr darüber herauszufinden.“ Er plädiert dafür, eine Entkoppelung vom Menschsein spielerisch und performativ zu erkunden: „Sie wird dann zu einer Art Kunst.“

Ausgerechnet die Technik lässt Marhulets bei seiner folgenden Performance im Stich. Für die komplexen, auf seine Musik reagierenden Projektionen benötige er Hochleistungs-Hardware. Die sei defekt. Also präsentiert er am Synthesizer Inspiration statt Komposition, im musikalischen Dialog mit Marina Baranova am Flügel. Umso mehr illustriert die Situation das Thema des Abends. Im Raum steht die Frage, ob der defekte Computer Marhulets ein Instrument gewesen wäre oder eher eine Schnittstelle, technische Verlängerung seiner Kreativität und Adapter für interaktive Bildwelten.

Marhulets und Baranova demonstrieren mit einem eher eingängigen Kosmos aus natürlich und technologisch erzeugten Klängen das Potenzial der Intuition. Gegensätze zwischen analog und digital verschwimmen; den Klangquellen nachzugehen, wird zum Wahrnehmungsspiel. Oft genug erzeugt der Synthesizer Klänge, die aus der Natur vertraut erscheinen, vor dem geistigen Auge setzt sie sich gegenüber technoiden Szenarien durch. Derweil wandert der Blick durch den Saal. Über den Köpfen hängen die filigranen Mobiles Alexander Calders und warten darauf, durch einen Windstoß in Bewegung versetzt zu werden.

Von Thomas Kaestle

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