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15:03 09.11.2018
David Zwirner, deutsch-amerikanischer Galerist. Quelle: dpa
New York

Seit Jahren tummeln sich die immer gleichen Strippenzieher auf den vorderen Plätzen des Kunstrankings „Power 100“, das die einflussreichsten Gestalten im Kunstgeschäft aufzählt: Galeristen, milliardenschwere Sammler, einflussreiche Kuratoren. Dieses Jahr hievt das britische Kunstmagazin „ArtReview“ den in New York ansässigen deutschen Mega-Galeristen David Zwirner auf Platz eins. Die eigentliche Überraschung folgt aber dahinter.

Rebellierende Frauen

Denn rebellierende Frauen und schwarze Künstler erschüttern das Machtgefüge in der Kunst. Mit der weltweiten #MeToo-Kampagne gegen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch hat erstmals eine gesellschaftliche Bewegung den Sprung in die „Power 100“ geschafft - aus dem Stand auf Platz drei. Und der kritische afroamerikanische Künstler Kerry James Marshall schoss von Platz 68 auf Rang zwei hoch.

„Wir leben in einer Zeit, wo man sich politisch wieder viel klarer bekennen muss“, sagt die Berliner Galeristin Esther Schipper, die auch dieses Jahr wieder im Mittelfeld der „Power 100“ platziert ist. Dass #MeToo zum Machtfaktor in der Kunst geworden ist, findet sie folgerichtig. „Gerade in einem Feld, wo man fortschrittlich denkt und viel früher als andere inhaltlich eine Avantgarde darstellt, ist es geradezu entrüstend, dass es so viel Machtmissbrauch in unseren Reihen gibt.“

„Ich glaube, sie wäre nicht so mächtig, wenn sie nicht gebraucht würde“, sagt „ArtReview“-Herausgeber Mark Rappolt über die #MeToo-Bewegung. „Es gibt eine wachsende Sorge darüber, wie wir Macht nutzen. Das zeigt auch die Liste dieses Jahres.“ Denn in der Kunst gebe es den Wunsch, „eine größere Geschichte zu erzählen“. Man müsse endlich anerkennen, „dass gewisse Leute ausgeschlossen sind aus der Kunstgeschichte und der zeitgenössischen Kunst“.

Marshall etwa, der in den USA mit großen Ausstellungen gefeiert wird, malt nur den „black body“, ausschließlich schwarze Figuren - „aufsässige und feierliche Aussagen über das Schwarz-Sein in einem Medium, in dem Afroamerikaner oft unsichtbar gewesen sind“, schrieb das New Yorker Met Breuer-Museum.

Dazu gehört auch der afroamerikanische Dichter Fred Moten: Auch er wurde erstmals in die „Power 100“ aufgenommen - und das gleich auf Rang zehn. Für Rappolt ist Moten ein Beispiel für die neuen „Stimmen von außen“, die von der Kunstdebatte bisher ausgeschlossen waren.

Dennoch regiert immer noch das Geld die Kunstwelt. Galerist Zwirner gehört schon seit Jahren zum Spitzenpersonal der „Power 100“ und darf sie 2018 anführen. Der Jahresumsatz der internationalen Zwirner-Galerien liegt Medienberichten zufolge bei rund einer halben Milliarde Dollar. Künstler, die Zwirner vertritt und auf dem Markt platziert, sind weltweit Stars. Dazu gehört der deutsche Fotokünstler Wolfgang Tillmans, dieses Jahr auf Platz elf - und übrigens auch Marshall, der inzwischen einer der teuersten schwarzen Künstler ist.

Von Dorothea Hülsmeier

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