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Kultur Das Landesmuseum Hannover präsentiert seine Pläne für 2019
Nachrichten Kultur Das Landesmuseum Hannover präsentiert seine Pläne für 2019
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00:18 13.01.2019
Auf hölzernen Flügeln ins Totenreich – eine der Neuerwerbungen des Museums aus der Malangan-Kultur von Papua-Neuguinea. Quelle: Landesmuseum Hannover
Hannover

Die historischen Ursprünge der alten Sachsen und der Neue Meister Max Slevogt, die „Goldene Tafel“ aus dem 14. Jahrhundert und Neuerwerbungen kolonialen Ursprungs – das Landesmuseum spannt mit seinen Ausstellungen 2019 einen zeitlich wie räumlich weit ausgreifenden Bogen. Seine Besucher müssen in diesem Jahr aber auch mit weitreichenden Einschränkungen rechnen, weil die Reparaturarbeiten am Dach des 117 Jahre alten Hauses die Schließung ganzer Gebäudeflügel erfordern, erläutert Museumsdirektorin Katja Lembke bei der Präsentation der Ausstellungspläne für 2019.

Mit neuem Besucherrekord: Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Quelle: Christian Behrens

Umso ausführlicher geht die Museumschefin bei der Präsentation der Pläne für 2019 auf die Erfolge von 2018 ein. „Wir konnten im vergangenen Jahr einen Rekord von 120.000 Besucher verzeichnen“, sagt Lembke. Immerhin, das ist, nach 113.000 im Jahr 2016 und 115.000 danach die dritte Steigerung der Besucherzahl in Folge. Ein weitere Steigerung 2019 und 2020 dürfte indes schwierig werden – jedenfalls so weit es um die Kunstwelten geht. Denn von März an wird der rechte Gebäudeflügel im zweiten Stockwerk für rund ein Jahr gesperrt, um die Glasdächer zu reparieren und eine zeitgemäße Licht- und Temperaturregelung zu installieren. Und zu demselben Zweck wird sich ab 2020 der linke Flügel des Obergeschosses in eine Baustelle verwandeln. Dort sind in diesem Jahr noch Sakralkunst und Alte Meister zu sehen. Die Neuen Meister im rechten Flügel, darunter Werke von Liebermann, Corinth und Slevogt, dem Dreigestirn des deutschen Impressionismus, werden schon im März im Depot landen. Was immer es 2019 an neuen Ausstellungen gibt, spielt sich darunter ab:

Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150. Geburtstag“: Die Slevogt-Ausstellung, die auch Kenner des Künstlers durch ihr großes Spektrum an grafischen Werken überrascht, ist noch bis zum 24. Februar auf der 800 Quadratmeter großen Sonderausstellungsfläche im ersten Obergeschoss zu sehen.

Kunst für den Tod. Die neuirischen Schnitzwerke aus Hiltrup“: In dieser kleinen Studioschau präsentiert das Museum 50 Neuzugänge, die aus der Südsee stammen – die Malangan-Schnitzereien aus dem zu Papua-Neuguinea gehörenden Neuirland. Sie wurden für Trauerfeiern angefertigt, um den Toten mit geflügelten Gestalten den Weg ins Jenseits zu ebnen, wie der Kurator Alexis von Poser erläutert. Die 50 Figuren wurden 1928 von Missionaren des Mutterhauses der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Hiltrup bei Münster gekauft, das diese Sammlung dem Landesmuseum als Dauerleihgabe überlassen hat. „Diese Werke wurden traditionell meist im Rahmen der Trauerzeremonie verbrannt, und anders als sonst oft bei kolonialer Herkunft ist hier der Erwerb nicht fragwürdig“, sagt Museumschefin Lembke. „Wir freuen uns, mit diesem Neuzugang zeigen zu können, dass eine ethnologische Sammlung auch die Rettung der Artefakte sein kann.“ (20. Januar bis 3. März)

Saxones. Eine Geschichte der alten Sachsen“: Mit Mythen wie dem, dass schon in der Hermannsschlacht vor 2000 Jahren die alten Sachsen mitgekämpft haben sollen, will diese Ausstellung aufräumen, die die Spuren der Saxones, die Namensgeber von Angel-, Nieder- und sonstigen Sachsen sind, bis ins 4. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgt. „Saxones war ursprünglich nur die Bezeichnung der Römer für Räuber, Plünderer und auch Piraten vor der britischen Küste“, sagt Ausstellungskurator Florian Klimscher. „Mit der späteren Bevölkerung dieser Regionen hat das praktisch nichts zu tun.“ Zu sehen sind neben Münzen und Schmuck, Figuren und Skulpturen vom Früh- bis zum Hochmittelalter neun Gemälde des Künstlers Kevin Wilson, die die damaligen Lebenswelten lebendig werden lassen. Diese Landesausstellung wird zusammen mit dem Landesmuseum Braunschweig vorbereitet und ab September auch dort gezeigt. (5. April bis 18. August)

Zeitenwende 1400. Die Goldene Tafel als europäisches Meisterwerk“: Der Anfang des 15. Jahrhunderts geschaffene Hochaltaraufsatz, der heute als Goldene Tafel bekannt ist, wird seit Jahren aufwendig restauriert und beforscht – Anlass für das Landesmuseum und das Hildesheimer Dommuseum, dem Kunstwerk und seiner Zeit zwei einander ergänzende Ausstellungen zu widmen. In Hannover soll das Artefakt mit seiner individuellen Figurenzeichnung dabei nach Lembkes Worten als „Vorbote der Renaissance“ gezeigt und verdeutlicht werden, dass an seiner Herstellung ein internationales Netzwerk von Künstler beteiligt war. In Hildesheim soll der Charakter der Stadt als kirchliche Metropole jener Epoche herausgearbeitet werden. (27. September bis 23. Februar 2020)

Die Arbeit an der Goldenen Tafel ist nur eines von mehreren Beispielen dafür, dass am Landesmuseum auch geforscht wird und dass sich das Haus dabei mit anderen Institutionen vernetzt. Besonders vielfältig geschieht dies in Projekt „Provenienzforschung zu außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie“, das unter der Federführung des Landesmuseums ein halbes Dutzend Universitäten und Museen zusammenführt, um die Herkunft des kolonialen Erbes in niedersächsischen Institutionen zu erforschen. Das Museum kooperiert überdies mit Partnern aus Südafrika und Tansania und betreibt archäologische Forschungsprojekte in Israel und Ägypten. Von Oktober an sollen die Öffnungszeiten des Hauses ausgeweitet und so denen des benachbarten Sprengel-Museums angeglichen werden – auch das Landesmuseum soll dann dienstags bis sonntags durchgehend von 11 bis 18 seinen Besuchern offenstehen.

Von Daniel Alexander Schacht

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