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Nachrichten Kultur Außerirdisches Theater an der Glocksee
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10:40 24.11.2018
Auf einem fremden Planeten. Die Außerirdischen tragen Lampenschirme als Helme - vielleicht, weil sie so helle Gedanken haben. Quelle: Wömpner
Hannover

Ja, was ist denn hier los? Nordkoreas Diktator Kim Jong-un tritt auf, der sich zwecks Wiedervereinigung seines Landes zu Fuß in den Süden aufmacht. Desweiteren sind zu sehen: Donald Trump, der feststellen muss, dass seine Tränen und sein Blut Geld vermehren können, Heidi Klum, die fett geworden ist, schlechte Witze macht und ganze Länder verspeisen kann, freundliche Außerirdische, die sich fragen, warum die Menschen einfach nicht klar kommen können, eine depressive Kassandra, die weiß, dass jeder der kommenden Tage schlimmer sein wird als der Tag zuvor, der Autor selbst, aber im Körper eines elfjährigen Mädchens, sowie die sehr lässige Giraffe, die die Zuschauer am Ende auffordert, sich gegenseitig zu ohrfeigen.

Es geschieht viel Merkwürdiges in „Das Knurren der Milchstraße“, einer monologischen Science-Fiction-Groteske des deutsch-koreanischen Autors Bonn Park, die jetzt im Theater an der Glocksee Premiere hatte. Das Stück, eine Art Theatermärchen von morgen, wurde beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens im vergangenen Jahr ausgezeichnet und bereits an einigen Theatern gespielt.

Jonas Vietzke hat das angenehm verrückte Stück mit leichter Hand inszeniert. Die Bühne (von Britta Bremer) deutet mit sparsamen Mitteln in die Zukunft, die Darsteller (Andrea Casabianchi, Astrid Köhler, Lena Kußmann und Johannes Fast) geben den vielen Monologen des Stückes Witz und eine Menge Funkelglanz. Das Problem des Stückes, die Aneinanderreihung von Monologen, ist hier keines mehr. Die Glocksee-Akteure tanzen das einfach weg. Das freie (und chronisch unterfinanzierte) Theater an der Glocksee zeigt mit dieser Produktion wieder einmal, wie man mit geringen Mitteln und großer Schauspielkunst staunenswertes und sehr bewegendes Theater machen kann.

Bonn Park gelingt eine spannende Kombination: Er verbindet die Außenperspektive auf unseren Planeten mit der Innenperspektive aus dem Kosmos der Popkultur. Das Theater an der Glocksee nutzt das zu einer großartigen Demonstration dessen, was Theater vermag: anderthalb Stunden lang eine ganz andere Welt zu behaupten, in der ganz andere Regeln gelten – und dabei auch noch das Publikum bestens zu unterhalten.

Weitere Vorstellungen: 24., 28 und 30. November, 5., 7. und 8. Dezember.

Von Ronald Meyer-Arlt

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