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11:31 28.09.2018
Erst bringen dann singen: Hier kommt die Maß. Quelle: Foto: Marc Müller/dpa
München

Meist stimmt es ja gar nicht, wenn es wieder mal heißt, dass irgendetwas „in aller Munde“ sei. Auf den Oktoberfest-Hit „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ trifft diese Formulierung allerdings durchaus zu.

„Ein Prosit, ein Prohosit ....“ ist die Biertrinker-Hymne schlechthin. Aber sie wurde gar nicht in München verzapft, sondern in Sachsen. Bernhard Traugott Dietrich komponierte die Melodie und schrieb den Text Ende des 19. Jahrhunderts in Chemnitz. Geboren wurde Dietrich am 19. August 1840 in Chemnitz. Mit seiner Frau Emilie hatte er sechs Töchter. Einen gewissen Hang zur bierseligen Gemütlichkeit hat er womöglich von seinem Vater mitbekommen. Denn Johann Traugott Leberecht Dietrich - zunächst noch als Webermeister geführt - war laut späteren Einträgen im Melderegister Kneipier. In seinem vorletzten Lebensjahr steht als Beruf Bierverkäufer in den Unterlagen.

Dietrich Junior verdiente den Lebensunterhalt für seine Großfamilie als Buchhalter. Fast 40 Jahre war er bei Gagstädter & Sohn angestellt, einer Firma für Webereierzeugnisse. Erst als Kontorist und später bis zu seinem Tod am 23. Oktober 1902 als Prokurist.

In Chemnitz machte er sich einen Namen als Chorleiter, Sänger und Komponist. Er war Mitglied in dem nach ihm benannten Doppel-Quartett „B.D.“, er gründete den Theodor Schneider'schen Männergesangverein mit und war dessen langjähriger Dirigent.

Die Chorleitung würdigte in einer Todesanzeige im „Chemnitzer Tageblatt“ sein Ehrenmitglied, es habe dem Gesangverein „in uneigennütziger Weise hervorragende Dienste geleistet, so dass wir es als Ehrenpflicht betrachten, dem von uns Geschiedenen auch an dieser Stelle ein ,Habe Dank’ nachzurufen“.

Das könnten ihm auch die Wiesnwirte nachrufen, denn in den Bierzelten auf dem Oktoberfest wird das „Prosit“ zwei bis drei Mal pro Stunde gespielt. Wenn nicht öfter.

Nach München gekommen ist das Lied mit der eingängigen Melodie und dem leicht zu memorierenden Text wohl durch Georg Lang (1866–1904). Der Wirt aus Nürnberg soll die Biertrinkerhymne auf der Wiesn etabliert haben. Der mit einer Aufforderung verbundene Zusatz „Oans, zwoa - gsuffa!“ geht aber wohl auf das Lied vom Hofbräuhaus zurück, das in München steht. Nach Angaben der Gema war das Lied mit der eingängigen Melodie und den prägnanten Zeilen der meistgespielte Song auf der Wiesn 2016. Darauf ein Prosit.

Ronald Meyer-Arlt/dpa

Von Ronald Meyer-Arlt/dpa

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