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Kultur Der Künstler Stefan Schwerdtfeger ist im Alter von 90 Jahren gestorben
Nachrichten Kultur Der Künstler Stefan Schwerdtfeger ist im Alter von 90 Jahren gestorben
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01:15 23.11.2018
Stefan Schwerdtfeger (1928-2018) Quelle: Olav Raschke
Hannover

Das ganz besondere Licht des Nordens – das ist es wohl, was diesem Künstler auch in jüngster Zeit wieder neue Impulse gegeben hat. Fest steht, dass dieses Licht und die Weite des Horizonts auch in der Galerie Plathner 27 zu spüren ist, die ihm (noch bis Freitag) die Ausstellung „Neue Arbeiten“ widmet. „Skagen war für mich immer größtmögliche Freiheit“, hat Stefan Schwerdtfeger über diesen Ort an der Nordspitze Dänemarks gesagt, an den er sich immer wieder zurückgezogen hat, um kreative Kraft für seinen Alltag in Hannover zu gewinnen.

Denn hier war die Wirkungsstätte des Architekturprofessor, Bildhauer und Malers. Und hier sind seine Arbeiten auch jenseits von Ateliers und Galerien bekannt. Von ihm stammt das Leibniz-Denkmal am Opernplatz, das Mahnmal für die Synagoge in der Roten Reihe, die Stahlskulptur „up and away“ am Flughafen. Und gemeinsam mit Diether Heisig hat er auch „Nessi“, den metallenen Wurm in der Passerelle geschaffen.

Dabei hat Schwerdtfeger, der in Hannover mehrere Generationen von Studierenden ausgebildet und dabei stets künstlerische Akzente gesetzt hat, meist eher nebenbei mit der Abbildlichkeit gespielt. Hat etwa einen Landschaftshorizont kurzerhand durch einen waagerechten Strich gesetzt. Und sich umso gründlicher mit den Effekten auseinandergesetzt, die sich durch das verwendete Material ergeben, die Kombination von Farbe, Gips und Pappen auf der Leinwand, den Einsatz von Fundstücke vom Strand, von Federn und Treibholz, Segeltuch und Sand. Womit wir wieder in Skagen wären.

Die Liebe zum Norden geht wohl auch auf seine Herkunft von der Ostsee zurück – Schwerdtfeger stammt aus Stettin, ist nach dem Krieg in Niedersachsen und Ende der Fünfzigerjahre in Hannover gelandet, wo er bei Kurt Sohns studiert hat, der gleichfalls ein Gespür für das Licht des Nordens hatte.

„Es ist wirklich atemberaubend, welche Schaffenskraft diesen Künstler kennzeichnet“, sagt Reinhard Kraft, der die Galerie in der Plathnerstraße 27 betreibt, selbst Architekt ist, Schwerdtfeger bei der Einrichtung eines kleinen Ateliers geholfen hat und bei der jüngsten Ausstellungseröffnung sagte: „Stefan Schwerdtfeger ist wieder sehr produktiv.“ Tatsächlich hat Schwerdtfeger gemeinsam mit Peter Kollmar noch das Erinnerungsbuch „Frühe Lebensbilder“ veröffentlicht und eine Skulptur für das Vinzenz-Krankenhaus entworfen.

Mitten in dieser neuen Schaffensphase ist Stefan Schwerdtfeger jetzt im Alter von 90 Jahren gestorben.

Von Daniel Alexander Schacht

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