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Kultur Die Komödie „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“
Nachrichten Kultur Die Komödie „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“
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15:12 09.11.2018
Adelheid Kleineidam und Ronald Spiess in „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“. Quelle: imagemoove
Hannover

Für eine leise Liebesgeschichte wie Bernard Slades „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“ ist es eine eher merkwürdige Ankündigung. Mit dem Slogan „Ihr Zwerchfell wird es Ihnen danken“ wirbt die Komödie im Theater am Aegi für das Stück aus dem Jahr 1975.

Zwerchfell? Slades Zweipersonenstück pendelt vielmehr zwischen Herz und Hirn. Das Zwerchfell streift es unterwegs bisweilen, aber meist bringt es sein Publikum eher zum Lächeln. Die Wärme, die dabei zählt, verspielt Jan Bodinus in seiner Inszenierung mit Adelheit Kleinmann und Ronald Spiess leider zu oft. Beiläufige, aber nicht bedeutungslose Dialoge haben dann den Tonfall von Smalltalk.

Hinzu kommt ein schlechter Klang der Kopfmikrofone, der eine Bühnendistanz erzeugt, als würde man mit einem Wasserglas an der vierten Wand lauschen. Dabei geht es doch eigentlich den ganzen Abend über um Variationen von Nähe. George und Doris verbringen im Jahr 1950 eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Beide sind auf Reisen, beide sind verheiratet und haben Kinder – und beide sind eigentlich zufrieden mit ihrem jeweiligen Familienleben.

Trennung kommt also nicht in Frage. Aber während der kommenden 25 Jahre beobachtet die Handlung die Liebenden in Fünfjahresschritten dabei, wie sie sich jedes Jahr am selben Ort wiedersehen. Zwei mehr oder weniger heile Welten prallen dann aufeinander. Die Parallelbeziehung ist kein Ersatz, eher Ergänzung. Das Publikum erfährt in der Mauerschau, was beide Figuren in ihrem Alltag beschäftigt.

Projektionen mit historischem Bildmaterial führen zwischen den sechs Akten in Atmosphären und Kontexte der Sechziger- und Siebzigerjahre ein. Heute mag der Begriff „Ehebruch“ nicht mehr so geläufig dafür sein, seinen Partner zu betrügen. Doch schlechtes Gewissen, Zerrissenheit und der Reiz fremder Intimität haben sich wohl kaum gewandelt.

Warum sich George und Doris trotz vieler Gegensätze zueinander hingezogen fühlen, bleibt offen. Vielleicht ist es das Fehlen des Alltags. Oder es sind gerade Offenheit und Uneindeutigkeit als wiederkehrendes Erlebnis. Der Stoff wirft interessante Fragen über Zwischenmenschlichkeit auf. Leider bleibt er auf der Bühne letztlich zu abstrakt. Der Inszenierung gelingt keine Präsenz, die das Publikum nachhaltig berühren könnte. Dessen Applaus ist entsprechend respektvoll, aber zurückhaltend.

Weitere Aufführungen am heutigen Freitag um 20.00 Uhr sowie am morgigen Sonnabend um 16 und 20 Uhr.

Von Thomas Kaestle

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