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Kultur Stiftungen kaufen das „Rehberg Album“
Nachrichten Kultur Stiftungen kaufen das „Rehberg Album“
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01:15 16.09.2018
Johann Baese: „L’Italia (Oleander)“ aus dem „Rehberg Album“ Quelle: © Christian Rose
Hannover

Gut, dass kein gewissenloser Kunsthändler den Zuschlag bekommen hat. Da waren sich die Geldgeber von der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Niedersachsen und der Ernst von Siemens Kulturstiftung am Ende einig. Denn ein gewissenloser Kunsthändler hätte das Album womöglich in einzelne Blätter zerschnitten, und mit deren Verkauf wahrscheinlich einen bemerkenswerten Gewinn erzielt. Schließlich befinden sich Bilder von Bertel Thorvaldson, Wilhelm Ahlborn, Johannes Riepenhausen und einigen anderen Künstlern in dem Album.

So aber haben sich die drei Stiftungen und der Freundeskreis des Museums zusammengetan und bei einer Auktion das „Rehberg-Album“ für das Museum August Kestner erworben. Über den genauen Betrag versucht man diskret zu schweigen. Bei der Vorstellung des Albums im Museum hieß es, dass es sich um einen sechsstelligen Betrag gehandelt haben soll. Eine Nachfrage beim Auktionshaus ergab, dass der Bieter für das Museum August Kestner den Zuschlag schon bei 80000 Euro bekommen hat. Zusammen mit Steuern und den Gebühren für das Auktionshaus, kommt man auf einen Betrag knapp über 100000 Euro.

Für das Kestner-Museum sei der Erwerb des „Rehberg-Albums“ wichtig, meinte Museumsdirektor Thomas Schwark bei der Präsentation, für die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt sei es von beträchtlichem Wert.

Das „Rehberg“-Album ist eine Art Fotoalbum aus der Zeit vor der Fotografie. August Kestner, dem das Museum seinen Namen (und den Kern seiner Sammlung) verdankt, hat das Album als eine Art Souvenir für den hannoverschen Staatsmann August Wilhelm Rehberg zusammenstellen lassen. Der weilte mit seiner Familie zwischen 1828 und 1830 in Rom. August Kestner, der 36 Jahre seines Lebens in Rom verbrachte, war sein Gastgeber und stellte den Kontakt zu verschiedenen Künstlern im Rom her. Die gaben Zeichnungen, Skizzen, Gouachen und Aquarelle für das Poesiealbum, das die Rehbergs dann als Geschenk erhielten.

Von der Familie Rehberg ist es in den Besitz eines Universätsprofessors aus Münster gelangt, dessen Witwe es im Frühjahr beim Auktionshaus Stargardt, das auf alte Handschriften spezialisiert ist, angeboten hat. Das Kestner-Museum hatte das Angebot zuerst gar nicht beachtet; aufgefallen ist es Stephanie Tasch, die bei der Kulturstiftung der Länder Dezernentin für Bildende Kunst ist. Sie hat die Mitarbeiter des Museums auf das Angebot aufmerksam gemacht. Weil die Kulturstiftung der Länder solche Ankäufe nur in einer Koalition mit anderen Finanzierern vornehmen kann, und weil das Kestner-Museum schon seit mehr als zehn Jahren keinen Etat für Ankäufe mehr hat, wurden noch weitere Stiftungen ins Boot geholt.

Das Souveniralbum besteht aus 26 Bildern, die meist auf die Seiten geklebt worden sind. Der Erhaltungszustand ist gut, allerdings löste sich bei der ersten Präsentation des Albums bereits ein Bild von seiner Seite. Nun müssen Experten für Papier und alten Leim das Album restaurieren. Wahrscheinlich 2020 soll das Album dann der Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert werden. Auch für die Forschung ist das Album interessant. Es berichtet von der bürgerlichen Sammelkultur, von der Italiensehnsucht der Deutschen zur Zeit des Biedermeier und vom Netzwerk von Künstlern und Politikern, das August Kestner zu seiner Zeit in Rom geknüpft hatte.

 Das Problem mit einem derartigen Album ist allerdings die Präsentierbarkeit. Um alle Bilder im Original zu zeigen, müsste man es tatsächlich zerschneiden. Das will natürlich niemand. So wird es vor allem eine virtuelle Präsentation der Bilder geben. Anfassen dürfen Besucher das Album nicht einmal mit Samthandschuhen. Museumsdirektor Thomas Schwark sagte: „Es ist ein Stück für die Vitrine.“

Von Ronald Meyer-Arlt

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