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Kultur Eine Woche nur Latein
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17:36 08.08.2018
„Weil ich die Sprache gern mag“: Eltje Böttcher spricht Latein. Quelle: Meyer-Arlt
Hannover

Sie könne gar kein Klingonisch, sagt Eltje Böttcher. Höchstens ein paar Worte. „Nugnech“ etwa. Das sagen die Klingonen zur Begrüßung. Es heißt aber nicht „Guten Tag“ oder „Hallo, wie geht‘s?“ sondern eher so etwas wie: „Was willst du?“. Die Klingonen aus den Star-Trek-Filmen sind ein unfreundliches Volk. Elke Böttcher dagegen ist überaus freundlich. Sie lacht gern, wenn sie spricht. Und wenn sie lacht, zeigen sich zwei hübsche Grübchen in ihrem Gesicht.

Zum Klingonischen ist Eltje Böttcher über Latein gekommen. Diese Sprache spricht sie fließend. Und sie versucht, auch andere zum Lateinsprechen zu animieren. Unter anderem mit Führungen auf Latein, die sie im Kestner-Museum gibt. Weil dort eine Ausstellung zum Thema Kommunikation läuft, hat Böttcher der Leitung des Hauses vorgeschlagen, einen Vortrag zum Thema Kunstsprachen ins Programm zu nehmen. Am Ende war sie dann selbst die Vortragende – und eignete sich dazu flugs die Grundlagen des Klingonischen und des Elbischen an.

Latein ist beim Lernen fremder Sprachen recht hilfreich, denn mit Latein dringt man zum Gerüst einer Sprache vor: der Grammatik. Wer Latein kann, kommt auch bei anderen Sprachen schnell weiter, sogar bei extraterrestrischen. Aber dafür hat Eltje Böttcher nicht Latein gelernt. Damals, im Gymnasium in Kiel, war es ihre erste Fremdsprache. Warum? „Weil ich die Sprache gern mag“, sagt sie. Folgerichtig hat sie dann auch Latein studiert –und arbeitet jetzt an ihrer Dissertation über Ovid.

Weil sie die Sprache so mag, spricht sie sie auch gern und so oft es geht. Gerade hat Eltje Böttcher eine ganze Woche lang fast ausschließlich Latein gesprochen. Sie war bei der „Europäischen Lateinwoche“ in Braunfels zu Gast. 70 Lateinfreunde („Die Hälfte davon unter 35“, sagt Eltje Böttcher) haben sich dort Anfang August getroffen –um eine Woche nur Latein miteinander zu sprechen. Man begrüßt sich mit „Salve“, beginnt den Tag mit einem Frühstück („Ientaculum“), zu dem man sich gegebenenfalls „Guten Appetit“ („benne sapiat“) wünscht. Danach geht es mit Kursen los, in denen möglichst viel miteinander gesprochen wird. „Hier sitzt der dreizehnjährige Schüler neben dem Professor und der Krankenpfleger neben dem Lateinstudenten“, sagt Eltje Böttcher. Dass solch ein Treffen mit dem lateinischen Wort „Coitus“ bezeichnet wird, findet sie auch ein bisschen komisch. Aber das ist nun mal das lateinische Wort für Zusammenkunft.

Nachmittags gibt es dann unterschiedliche Kolloquien. Sie war bei den Fortgeschrittenen, dort hat man sich über die Lektüre von Plinius, Petrarca und Martial ausgetauscht. Abends wurde gesungen, musiziert („die sind dort alle unfassbar musikalisch“) und Theater gespielt. Am letzten Abend gab’s ein Fest („Saturnalia“).

Dass man auf Latein tatsächlich miteinander sprechen kann, ist für viele Schüler eine ganz neue Erfahrung. Eltje Böttcher versucht Schülern diese Erfahrung in Workshops zu vermitteln. Schulen können die Lateinsprecherin buchen, dann kommt sie in die Klassen und redet. Meist fängt sie mit ganz einfachen Sätzen an: „Mihi Nomen est Eltje Böttcher.“ Gefolgt von der Frage „Quid Nomen tibi est?“ So kommt man ins Gespräch. Man könnte sich sogar übers Fußballspielen („pedifolle ludere“) unterhalten.

Weil sie das Lateinsprechen für so wichtig hält, hat Eltje Böttcher gerade ein Buch darüber geschrieben. Im November erscheint im Göttinger Verlag Vandenhoeck und Ruprecht ihr Buch „Lateinisch sprechen im Unterricht“, eine Handreichung für Lehrer, wie man mit Schülern im Lateinunterricht ins Gespräch kommt. Einer ihrer Tipps: Es ist schon mit wenig Worten möglich, ein Gespräch zu führen. Zur Not zeigt man auf das Gemeinte und sagt „hoc“.

Und wenn bei Schülern die Lust auf Latein rasant abnimmt und das Latinum auf der Kippe steht? Auch da weiß Eltje Böttcher Rat: „Vokabeln lernen! Vokabeln sind das Allerwichtigste. Denn wer die Worte nicht kennt, kann mit der Sprache nichts anfangen.“

Das gilt natürlich auch für das Klingonische und das Elbische.

Informationen zu den Latein-Workshops, die Eltje Böttcher in Schulen gibt, sind auf www.lateinsprechen.de zu finden.

Von Ronald Meyer-Arlt

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