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Kultur Gudrun Schröfel verabschiedet sich in der Staatsoper
Nachrichten Kultur Gudrun Schröfel verabschiedet sich in der Staatsoper
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16:04 20.01.2019
„Jetzt wird es Zeit, dass es mit Musik weitergeht“: Gudrun Schröfel bei ihre Abschiedsrede in der Staatsoper. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Großes Pathos in der Staatsoper: Der Abschied von Gudrun Schröfel von der Position der Leiterin des Mädchenchors Hannover ist für Wilhelm Krull, den Generalsekretär der Volkswagenstiftung und Kuratoriumsvorsitzenden des Ensembles, „ein durchaus historisch zu nennendes Ereignis“. Und Ministerpräsident Stephan Weil, der für eine Laudatio in die vollbesetzte Staatsoper gekommen war, in der der Mädchenchor sein traditionelles Neujahrskonzert präsentierte, verkündete, dass mit diesem letzten Auftritt „eine Epoche zu Ende“ gehe. Seit 60 Jahren sei Schröfel dem Chor verbunden, seit einem halben Jahrhundert trage sie mit herausragendem Erfolg die Leitungsverantwortung: „Der Begriff ,Lebenswerk’ wird ja oft inflationär benutzt“, sagte Weil, „aber hier geht es nicht kleiner.“

Die so Geehrte gestand daraufhin, dass derart lobende Schilderungen ihrer Arbeit ihr „die Röte ins Gesicht“ trieben: „Ich bin in all den Jahren schließlich nur meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen.“ Sie lobte ihren Nachfolger Andreas Felber („eine gute Wahl“), bedankte sich bei Sängerinnen („vor eurer Leistung habe ich großen Respekt“) und Publikum und kündigte an, „mit Herz, Geist und Gedanken“ weiter bei dem Chor zu bleiben, auch wenn sie die Konzerte künftig von der Publikumsseite erleben werde. Dann schloß sie ihre imposante Amtszeit mit für sie typischen letzten Worten: „Jetzt wird es Zeit, dass es mit Musik weitergeht.“

Abschied von Leiterin Gudrun Schröfel beim Neujahrskonzert des Mädchenchores

Die kam in dem allen Abschiedsfeierlichkeiten zum Trotz mit „The Opening“ überschriebenen Konzert unter anderem von Bohuslav Martinu. Dessen „Maifest der Brünnlein“ beschreibt ein altes böhmisches Ritual, das der neue Leiter Felber als „Sinnbild des Wandels und der Erneuerung“ verstanden wissen will. Musikalisch verbindet das Stück einfache volksliedhafte Weisen mit avancierter, fabelhaft leuchtender Harmonik. Der Chor, dessen Mitglieder sich auch solistisch (mit der souveränen Sopranistin Anna Schote) und als Sprecher betätigten, Bariton Jan Bukowski und ein kleines Instrumentalensemble überzeugten mit einem Vorgeschmack, auf das, was unter Felbers Leitung zu erwarten ist.

Schröfel präsentierte sich mit dem Konzertchor noch einmal mit Werken von Josef Rheinberger, Claude Debussy und Gioachino Rossini. Und die jüngeren Sängerinnen von Vokaler Grundstufe, Vorklasse und Nachwuchschor überzeugten bei einem charmanten Stück von Monica Aslund mit Stimme und Gesten. Um die Zukunft des Ensembles braucht man sich hörbar keine Sorgen zu machen.

Von Stefan Arndt

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