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Kultur Premiere von freier Gruppe „hART times“ begeistert Publikum
Nachrichten Kultur Premiere von freier Gruppe „hART times“ begeistert Publikum
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17:15 01.10.2018
Die freie Gruppe „hART times“ feierte mit dem Stück „Ensemble“ im Pavillon Premiere. Quelle: Tomma Petersen
Hannover

Wer ist hier eigentlich Schauspieler, und wer gehört zum Publikum? Wer schaut an, wer wird angeschaut? Und wie kann im Theater ein Bewusstsein für eine Gemeinschaft geschaffen werden? Die freie Theatergruppe „hART times“, in der seit 18 Jahren Menschen mit und ohne Psychiatrieerfahrungen gemeinsam Theater machen, geht diesen Fragen auf den Grund. „Statt ,Sie’ könnten wir unter gewissen Voraussetzungen auch ,wir’ sagen“, ist der zentrale Satz des Sprechstücks „Ensemble“, das die Gruppe gemeinsam mit Regisseur Frank Matzke entwickelt hat. Unter tosendem Applaus hat das Stück nun im Pavillon Premiere gehabt.

Entlehnt ist der Satz aus dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ des Dramatikers Peter Handke. Der drehte in dem Stück vor 50 Jahren Elemente des klassischen Theaters um. „Ensemble“ orientiert sich daran, bringt allerdings auch die persönlichen Erfahrungen der Schauspieler ein, von denen einige Psychiatrieerfahrungen haben.

Wer welche Probleme hat, spielt dabei keine Rolle. „Wir sprechen einfach von Experten“, erklärt Regisseur Frank Matzke. Es gehe nicht um Krankheiten der Schauspieler, sondern vielmehr um das Wir-Gefühl. „Es ist aber kein Mitmach-Theater. Das Publikum wird nicht gezwungen, mit den Schauspielern aufzustehen. Aber wer nicht mitmacht, muss eben auch aushalten können, plötzlich alleine im Publikum zu sitzen“, sagt Matzke.

Und das interaktive Konzept geht auf: Innerhalb von wenigen Minuten tauschen die Zuschauer mit den Schauspielern die Plätze, singen oder spazieren gemeinsam mit ihnen durch den Raum. „Ist das noch Theater oder schon Therapie?“, fragt eine Schaupielerin herausfordernd. In „Ensemble“ geht es um das Miteinander. „Beleidigungen sind mittlerweile alltäglich“, sagt Matzke. Doch einfache Fragen und Aufforderungen schafften gegenseitige Achtsamkeit und Anteilnahme. Nur so entstehe Gemeinsamkeit.

Am 28. und 29. September ist das Stück „Ensemble“ erneut im Pavillon zu sehen. Weitere Termine stehen dann erst wieder vom 13. bis zum 15. November jeweils ab 19.30 Uhr an. Karten kosten zwölf, ermäßigt acht Euro.

Von Tomma Petersen

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