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Kultur Hannover feiert Konzert der 17 Hippies
Nachrichten Kultur Hannover feiert Konzert der 17 Hippies
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01:15 06.02.2019
Mitreißend schräg und doch stimmig: 17 Hippies im Pavillon. Quelle: Foto: Moritz Frankenberg
Hannover

Die Bühne im Pavillon ist schon voll, bevor sie die 13 Musiker der Band 17 Hippies betreten. Da stehen und liegen Gitarren, Banjos, Saxofone, eine Posaune, eine Tuba, ein Kontrabass, eine Ukulele, eine Bouzouki, ein Schlagzeug, ein Xylofon und ein Zymbal bereit. Später kommen Violinen hinzu, Akkordeons, Klarinetten, Blockflöten, ein Waschbrett, Löffel und eine Säge. Als die ersten Musiker der ausufernden Band sich 1995 zu Proben in einem Keller des Berliner Flughafens Tempelhof trafen, lautete die einzige Regel angeblich: Jeder bringt ein anderes Instrument mit.

Berlin Style“ der Weltmusik

Die 17 Hippies, die sich nie so recht auf eine feste Anzahl von Bandmitgliedern festlegen ließen, musizierten von Anfang an zwischen allen Stilen, Traditionen und Einflüssen. Sie sammelten Melodien und Rhythmen, bevor sie anfingen, selbst zu komponieren und zu texten: aus Osteuropa, dem nahen und mittleren Osten, Nordafrika, den USA und ganz Europa. Aus Frankreich nahmen sie sich die vieles verbindende Idee des Chansons. „Berlin Style“ nannte das ausgerechnet ihre französische Plattenfirma einmal.

Die Stücke der 17 Hippies sind Volksmusik für Weltbürger, arrangieren regionale Traditionen zu etwas Größerem. Das Eröffnungsstück im Pavillon demonstriert das wie eine Ouvertüre, sanft und warm und auf eine unaufgeregte Art umfassend und vollständig. Dass sich ausgerechnet dieser Auftakt nicht aus traditionellen Quellen speist, sondern ein eigenwilliges Cover von Frank Zappas „Peaches En Regalia“ ist, zeigt den 800 Fans, dass es an diesem Abend nicht um simple Zuordnungen geht.

Auch die Stücke des aktuellen Albums „Kirschenzeit“ (Hipster Records/Soulfood) wirken auf der Bühne deutlich druckvoller und intensiver. Sie bewahren dabei ihre beschwingte Nachdenklichkeit. „Die Welt verändert sich, komische Dinge passieren“, sagt Gitarrist Christopher Blenkinsop. Trotz aller Verunsicherungen sei er sicher: „Wir müssen aktiv werden auf die eine oder andere Weise.“ Die Kirschen auf dem Cover des Albums sind knallrote Boxhandschuhe, und die Assoziation des Titels zum französischen Revolutionslied „Le temps de cerises“ von 1868 ist sicher kein Zufall.

Tanzmusik und mehr

„Mad Bad Cat“, in dem es um Freiheitsliebe und Selbstverwirklichung geht, demonstriert, dass alle Kulturen Sehnsuchtsinstrumente kennen. Klezmerklarinetten, Seemannsakkordeons, Wüstentrommeln und ein Bluegrassbanjo stehen harmonisch nebeneinander. Die 17 Hippies beherrschen den Wechsel von laut und leise, Leidenschaft und Lamento. Sie sind längst eingeschworen als Teil ihres rauschhaft satten und zugleich ausgetüftelt filigranen Sounds. Keiner erwartet da wohl beim Stück „Tarantella“ noch die Beschränkung auf einen süditalienischen Volkstanz.

Und tatsächlich vermengt es Elemente wie Tango, Polka und Dixieland zu einer weitaus universelleren Definition von Tanzen. In Kurt Weills „Song von Mandelay“ verschmelzen schließlich Ska, Rumba und Techno. Doch auch die schrägsten Interpretationen bleiben mitreißend und stimmig. Das gelingt den 17 Hippies vermutlich nicht trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Mitglieder, sondern gerade weil jeder seine eigene musikalische Welt beiträgt. Als sich am Ende alle zu tosendem Applaus am Bühnenrand verneigen, passen sie gerade so nebeneinander.

Am Mittwoch, 13. Februar, um 20 Uhr spielt die Band Clannad im Pavillon.

Von Thomas Kaestle

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