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Kultur Horst Janzen will das Theater am Küchengarten aus der Krise führen
Nachrichten Kultur Horst Janzen will das Theater am Küchengarten aus der Krise führen
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17:31 13.09.2018
Wieder im Tak: Horst Janzen. Quelle: Foto: Daniel Alexander Schacht
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Hannover

Kabarett und Krise – das sind traditionell zwei Seiten einer Medaille. Denn die Krise der Politik ist die Konjunktur des Kabaretts, weil politische Dummheiten nun einmal der beste Brennstoff des satirischen Hohns darüber sind. Dumm nur, wenn das Kabarett selbst in die Krise gerät. Und noch dümmer, wenn dies ausgerechnet dem vielleicht wichtigsten, jedenfalls traditionsreichsten Ort des Kabaretts im Lande geschieht - dem Theater am Küchengarten, kurz: Tak.

Niedersachsens einziges Haus mit ganzjährigem Kabarettbetrieb hat mit einem Finanzloch von 25.000 Euro zu kämpfen. Diese Einnahmeausfälle führt ein Hilfsappell unter der Überschrift „Tak in Not“ auf das schon im Frühling sommerliche Wetter zurück. „Die Leute zog es nach draußen und nicht ins Theater“, heißt in dem Schreiben des langjährigen Tak-Machers Horst Janzen.

Immer wieder der richtige Riecher

Alle reden vom Wetter? Tatsächlich, räumt Janzen ein, liegen die Gründe tiefer. Die Landesförderung ist vor Jahren schon von 65000 auf 30000 Euro jährlich gesackt, und auch die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt, des Kabaretts insgesamt und in jüngerer Zeit des Tak im Besonderen.

Das hat Janzen vor 25 Jahren übernommen, vor 1993 hatte er im Göttinger Theaterkeller Künstler wie Georg Schramm, Reiner Kröhnert oder Matthias Deutschmann auftreten lassen. Erst nach seinem Wechsel nach Hannover habe er festgestellt, dass das 1987 von Dietrich Kittner gegründete Tak „gar kein Kabarett-Ort, sondern eine reine Kittner-Bühne“ gewesen sei. Er hat dann auch das Tak mit späterer Kabarett-Prominenz wie Arnulf Rating, Urban Priol oder Volker Pispers gefüllt. „Der ist bei mir vor 60 Leuten aufgetreten, später hat er Säle mit 5000 Zuschauern gefüllt.“

Kein Zweifel, Janzen hatte immer wieder den richtigen Riecher. Allerdings: Damals gab es weder den konkurrierenden Comedy-Boom noch im heutigen Ausmaß Politiker wie Seehofer, Trump oder Erdogan, die statt Realpolitik selbst schon Realsatire bieten und so gleichsam jeder Karikatur spotten. Immerhin, Janzen hat Formate wie die Truckstop-Persiflagen des Duos Gerhardt & Niggemeier oder Poetry-Slam-Abende wie die „Nachtbarden“ für ein jüngeres Publikum eingeführt. Und es braucht wohl eine solche Seele des Betriebes, um so ein Haus am Laufen zu halten.

„Viele zeigen sich besorgt“

Sicher ist: Nils Wintering, der von Tak-Gesellschafter Janzen seit 2012 eingesetzte Geschäftsführer, ist im Sommer ausgeschieden. „Ihm sind die roten Zahlen über den Kopf gewachsen“, sagt Janzen, der seit sechs Jahren in Freiburg lebt und nun als Krisenmanager wieder eingestiegen ist. „Wir geben uns jetzt ein halbes Jahr, um dem Tak einen Weg in die Zukunft zu bahnen.“

Immerhin, kleine Erfolge kann er schon verbuchen. Eine „echte Freude“ sei die Resonanz auf seinen Hilfsappell. „Viele zeigen sich besorgt, und es sind auch schon zahlreiche Spenden eingegangen.“ Und nicht nur der Verein Freunde des Kabaretts in Niedersachsen habe Unterstützung zugesagt, auch fast alle Künstler wollten zugunsten des Taks auf einen Teil ihrer Gage verzichten oder Benefizabende veranstalten – etwa „Gerhardt & Niggemeier“ (am 30. September), Matthias Brodowy (am 10. Oktober) und die „Nachtbarden“ (16. Oktober). Unterdessen feilt Janzen am Programm für die neue Saison des Jahres 2019 – Größen der Kleinkunst wie Tina Teubner, Thomas Freitag und Holger Paetz hat er bereits gebucht.

Von Daniel Alexander Schacht

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