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Kultur Ina Müller auf der Gilde-Parkbühne
Nachrichten Kultur Ina Müller auf der Gilde-Parkbühne
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10:11 31.07.2018
„Ihr müsst nicht glücklich sein“: Ina Müller. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Die Feuchtigkeit des Starkregens der vergangenen Nacht dünstet noch aus dem Mulch hoch, mit dem das Gelände der Gilde-Parkbühne bedeckt ist. Immer wieder schlagen die 5000 Besucher des ausverkauften Konzertes von Ina Müller nach den allgegenwärtigen Wespen. Als die Sängerin, Moderatorin und Autorin die Bühne betritt, humpelt sie sichtlich, sie hat sich den rechten Fuß gebrochen und tritt nun mit Entlastungsschuh auf. „Das ist doch der perfekte Open-Air-Abend!“ verkündet sie gut gelaunt, und gibt als Eröffnungssong „Aber dich“ zum Besten.

Ina Müller singt und plaudert auf der Gilde-Parkbühne

Das Bühnenprogramm der 53jährigen besteht allerdings nicht nur aus Musik – zwischen die Lieder mischt Müller große Teile Comedy, die sich hauptsächlich mit dem Älterwerden und den entsprechenden körperlichen Konsequenzen befasst. „Wir Frauen“, sagt Ina Müller dann, „müssen auf unser Herz hören. Wir haben ja keinen Penis“. Oder auch: „Laut Miracoli bin ich vier Personen.“ Oder, als es um ihren gebrochenen Fuß geht: „Irgendwann wurde der dann dick und blau. Den Zustand kenne ich ja, aber nicht von meinem Fuß.“ In Ina Müllers Comedy geht es um Falten, ums Dickssein, ums Pickel ausdrücken.

Auch Ina Müllers Songs befassen sich mit solchen Alltäglichkeiten. Im „Zalando“ geht es um die Freuden des Online-Shopping. „Dumm kickt gut“ ist eine Ode an „echte Männer“, „Kommando heulen“ ist ein Song über einen Tag, an dem alles schief geht. „Spieglein, Spieglein“ befasst sich – wieder – mit Falten und dem Älterwerden. Zum Höhepunkt lässt sie sich von Christian, einem der Security-Männer vor der Bühne, auf Händen tragen, während die Background-Sängerinnen als Verweis auf den Film „Bodyguard“ Whitney Houstons „I will always love you“ anstimmen.

Das Publikum nimmt das alles begeistert auf, klatscht bei den Liedern mit, lacht und johlt bei den Pointen. Denn Ina Müllers Wohlfühlbotschaft ist: Es ist gut, wie es ist. Es muss nichts geändert werden.

So verlieren Ina Müllers Songs und ihre Comedy sich – im Gegensatz zu ihrem Fernsehformat „Inas Nacht“ – in der Mittelmäßigkeit. Jede Pointe, jeder Song wirkt wie schonmal gehört, gerade die Songs klingen oft nach dem generischen Songwriting von Johannes Oerding, mit dem Müller liiert ist, oder dem des Produzenten Frank Ramond, der auch Songs von Yvonne Catterfeld, Barbara Schöneberger oder Oli P. zu verantworten hat. So sind, auch, wenn es um vermeintlich heikle Themen wie Sex, Alter, Dicksein oder körperliche Gebrechen geht, sind alle Ecken und Kanten des Auftritts von Ina Müller sorgsam abgeschliffen. Daran kann auch die exzellente Begleitband nicht viel ändern. „Ihr müsst nicht glücklich sein“, gibt Ina Müller dem Publikum, während dieses am Ende des Konzertes über den feuchten Rindenmulch nach Hause stapft noch mit auf den Weg, „Zufrieden sein reicht.“

Von Jan Fischer

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