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Fest im Hier und Jetzt verwurzelt

66. Berlinale beginnt am Donnerstag Fest im Hier und Jetzt verwurzelt

Zwischen Flüchtlingen und Hollywoodstars: Am Donnerstag beginnt die 66. Berlinale – über dem das brennendste politische Thema unserer Zeit schwebt: die Flüchtlingskrise. In den kommenden eineinhalb Wochen kann aber jeder seine eigene Berlinale erleben. Politik und Kunst, Glanz, Glamour und große Geschäfte – all dies durchdringt sich gegenseitig. 

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Bloß nichts verpassen: Einige Besucher campieren vor dem noch geschlossenen Schalter, an dem ab 7 Uhr morgens Tickets für die Filmfestspiele verkauft werden.

Quelle: dpa

Berlin. Der Einladung zum Eröffnungsempfang liegt eine Zusatzinfo bei: „Während die Berlinale 2016 stattfindet, sind weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht und auf humanitäre Hilfe angewiesen“, heißt es darin. Und dann wird der Festivalgänger freundlich gebeten, für ein Behandlungszentrum für Folteropfer zu spenden.

Deutlicher lässt sich kaum signalisieren, dass sich das Festival fest im Hier und Jetzt verwurzelt sieht. Das brennendste politische Thema schwebt auch über der 66. Berlinale, die am Donnerstag beginnt. Ganz neu ist diese Teilhabe nicht: Schon vor 13 Jahren gewann Michael Winterbottoms Drama „In This World“ den Goldenen Bären. Es erzählte von afghanischen Flüchtlingen, die in einem Container ersticken. 2015 geschah genau dies in einem Schleuser-Lastwagen in Österreich. Die Wirklichkeit und die Fiktion: Manchmal kommen sie sich erschreckend nah.

Doch darf man das Festival keinesfalls als politischen Debattierclub mit angeschlossenem Kino sehen. In den kommenden eineinhalb Wochen kann jeder seine eigene Berlinale erleben. Politik und Kunst, Glanz, Glamour und große Geschäfte – all dies durchdringt sich gegenseitig. Eine Berlinale muss man sich als schier unendliches Universum vorstellen, in dem man sich verlieren kann. Jeder muss seine eigene Umlaufbahn in den nächsten eineinhalb Wochen finden.

Das Programm

Insgesamt 434 Filme werden bei dem mit einer halben Million Kinobesuchen größten Publikumsfestival präsentiert. In einer Vielzahl von Sektionen ist vom ghanaischen Drama über die israelische TV-Serie bis zum deutschen Experimentalfilm alles zu sehen.

Die Jury

Meryl Streep präsidiert, die US-Schauspielerin hat drei Oscars, ist als Jurorin aber Novizin. Ihr zur Seite sitzen drei Schauspieler, der Deutsche Lars Eidinger, der Brite Clive Owen und die Italienerin Alba Rohrwacher, sowie die französische Fotografin Brigitte Lacombe, der britische Filmkritiker Nick James und die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska, die im Vorjahr mit „Body“ den Regiepreis gewann. Das Bärenfell wird am Sonnabend, 20. Februar, verteilt.

Der Wettbewerb

Ins Rennen gehen 18 Filme – etwa aus Tunesien, dem Iran, Großbritannien, den USA, Portugal, Kanada und Polen. Stark vertreten sind die Franzosen. Außer Konkurrenz startet Spike Lees in den USA viel diskutiertes Musical „Chi-Raq“ über Waffengewalt in den USA. Der längste Film „A Lullaby to the Sorrowful Mystery“ kommt von den Philippinen und dauert acht Stunden – Festivalrekord! Regisseur Lav Diaz erzählt darin vom Kampf seines Landes gegen die spanische Kolonialmacht Ende des 19. Jahrhunderts.

Deutsche Filme

Einzig das Schwangerschaftsdrama „24 Wochen“ mit Julia Jentsch hat es in den Wettbewerb geschafft, ein Abschlusswerk an der Filmakademie Baden-Württemberg. Schwächelt, wieder mal, das deutsche Kino? Den prestigeträchtigsten deutschen Film, Tom Tykwers „Hologramm für den König“ mit Tom Hanks, hat die Berlinale nicht bekommen, Nicolette Krebitz‘ Regiedebüt „Wild“ lief bei Robert Redfords Sundance-Festival. Schwächelt also umgekehrt die Berlinale? In Nebenreihen starten Doris Dörries „Grüße aus Fukushima“ und Hans Steinbichlers „Tagebuch der Anne Frank“ – sowie rund 70 weitere Filme, verstreut über das gesamte Programm. Dem Nachwuchs etwa ist in der „Perspektive Deutsches Kino“ eine eigene Sektion gewidmet.

Die Retrospektive

Unter dem Titel „Deutschland 1966 – Filmische Perspektiven in Ost und West“ wird ein Kino-Jahrgang reloaded, in dem Aufbruch und Zensur eng beieinander lagen. Im Westen beleuchteten Autorenfilmer die Widersprüche des Wirtschaftswunders, im Osten hinterfragten Regisseure den sozialistischen Alltag. Während dem Neuen Deutschen Film der Durchbruch gelang, wurde in der DDR nach dem 11. Plenum des SED-Zentralkomitees 1965 knapp die Hälfte der aktuellen DEFA-Spielfilme verboten – ein kultureller Kahlschlag. Zur Retro gehören aus dem Osten Hermann Zschoches „Karla“ und Jürgen Böttchers „Jahrgang 45“, aus dem Westen Peter Schamonis „Schonzeit für Füchse“ und Volker Schlöndorffs „Der junge Törless“.

Der Ehren-Bär

Kameramann Michael Ballhaus nennt sich lieber „Director of Photography“, so wie er es aus Hollywood kennt. Ballhaus hat die 360-Grad-Kamerafahrt in Rainer Werner Fassbinders Ehedrama „Martha“ erfunden, war der Lieblings-Kameramann von Martin Scorsese. Für seine Ehrengala am Donnerstag, 18. Februar, hat sich der 80-Jährige denn auch Scorseses „Gangs of New York“ gewünscht.

Die Stars

Gérard Depardieu, Julianne Moore, George Clooney, Jude Law, Isabelle Huppert, Channing Tatum, Kirsten Dunst, Tilda Swinton, Colin Firth, Emma Thompson, Greta Gerwig, Michael Moore, Spike Lee und noch einige mehr.

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