Er war die deutsche Antwort auf James Bond: In den Fünfzigern begann der Aufstieg eines Heftchenhelden, der mindestens so toll war wie 007. Seit 1954 kämpft FBI-Agent Jerry Cotton gegen Gangster. Der Krimireihe folgte in den Sechzigern eine kultige Filmserie, die schon damals als so schlecht galt, dass sie schon wieder gut war. Zwei Generationen und eine Milliarde verkaufte Groschenromane später wird „Jerry Cotton“ nun wiederbeatmet.
In der Actionkomödie führen Cyrill Boss und Philipp Stennert Regie, die bereits mit „Neues vom Wixxer“ die betagten Edgar-Wallace-Filme neu aufbereiteten. Cotton wird gespielt von Christian Tramitz, der ebenfalls einige Erfahrung hat beim Kino-Recycling, trat er doch mit Bully Herbig in der Winnetou-Persiflage „Der Schuh des Manitu“ auf.
Die Handlung ist in diesem Film so egal wie seit jeher: Eine mysteriöse Gang ist hinter der Beute des ermordeten „Puppenspielers“ her. FBI-Star Cotton bekommt während seiner Ermittlungen Ärger mit einer sexy Bürokratin und wird selbst verdächtigt.
Mitspielen darf alles, was in der deutschen Filmszene Rang und Namen hat. Neben Tramitz, der ein steinernes Pokerface zur Schau trägt, tritt Christiane Paul mit roter Perücke als Cottons eiskalte Nemesis auf. Heino Ferch gibt einen schwäbelnden Bandenchef, und auch Jürgen Tarrach, Moritz Bleibtreu und Herbert Knaup dürfen im Kino mitkaspern.
Christian Ulmen als Cottons ergebener Fan und trotteliger Assistent darf sich in den schrillsten Kostümen austoben. Und auch die übrigen Beteiligten hatten beim Kostümieren und Chargieren sichtlich großen Spaß. Doch bleibt dieser Spaß leider oft einseitig. Zwischen Nostalgie-Seligkeit und Slapstick, zwischen Selbstironie, gelungenen Pointen, grobem Klamauk und Anbiederung an den vermuteten heutigen Publikumsgeschmack mit Tempo und Gewalt findet das Tohuwabohu keinen rechten Rhythmus.
Monica Cruz, Schwester von Penélope, ist als Unterweltbraut zuständig für Erotik, wirkt aber wie im falschen Film. Auch befremdlich brutale Szenen passen nicht zum witzig gemeinten Treiben. Die Inszenierung schleppt sich von Gag zu Gag. „Pulp Fiction“ made in Germany – das haut immer noch nicht richtig hin.
Birgit Roschy
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