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Sollbruchstellen einer Liebe

Komödie „Genug gesagt“ Sollbruchstellen einer Liebe

In ihrer romantischen Komödie „Genug gesagt“ geht Nicole Holofcener den widerstrebenden Gefühlen auf den Grund, die mit dem Beginn einer Liebe zweier einschlägig erfahrener Menschen einhergehen.

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Vorsichtige Annäherung: Albert (James Gandolfini), Eva (Julia Louis-Dreyfus).

Quelle: Fox

Nach der Scheidung hat sich Eva (Julia Louis-Dreyfus) als alleinerziehende Mutter tapfer durchgeschlagen. Zu Beginn begleitet der Film die kleine, drahtige Masseurin durch ihren Alltag in Los Angeles. Mit einer unhandlichen, klappbaren Liege ist sie von einem Kunden zum nächsten unterwegs. Eva verfügt über einen unschlagbaren Humor, der vor Selbstironie nicht zurückschreckt, was auch dringend nötig ist: Oft tritt sie in Fettnäpfchen und stolpert ungelenk wieder heraus.

Als sie Albert (James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen) bei einer Party kennenlernt, ist das nicht die Liebe auf den ersten Blick, doch bald findet sie Gefallen an dem korpulenten, etwas schlampigen Kerl, der ihr mit Witz begegnet. Wie Eva hat auch Albert eine Tochter, die bald weit weg aufs College gehen wird. Die herannahende Einsamkeit macht das Bedürfnis nach einem neuen Lebenspartner umso dringlicher, schaltet aber nicht die Sicherheitsmechanismen aus, mit denen Eva den potenziellen Mann für die zweite Lebenshälfte einer Tauglichkeitsprüfung unterzieht.

Auf derselben Party hat Eva nicht nur Albert getroffen, sondern auch Marianne (Catherine Keener), die Eva bald die Freundschaft anbietet. Marianne ist Poetin und hat ein Eigenheim von einschüchternder Schönheit. Außerdem ist sie, wie sich herausstellt, Alberts Exfrau und das, was sie über ihren früheren Lebensgefährten auf der Massageliege berichtet, ist alles andere als schmeichelhaft. Eva erwähnt weder gegenüber Marianne noch Albert etwas von ihrer Mittelrolle. Sie nutzt die Auskünfte der Freundin jedoch als Informationsquelle, auf deren Basis sie die Beziehungskompatibilität ihres neuen Geliebten abschätzt - und vergiftet das Verhältnis zu Albert.

Von alldem erzählt Holofcener im Gewand einer klassischen Screwball-Comedy, die - was Schnelligkeit, Eloquenz und Witz der Dialoge angeht - den Vergleich mit den historischen Vorbildern nicht scheuen muss. Die Art, wie sich Eva um Kopf und Kragen redet, erinnert an die verbale Dynamik eines Films von Woody Allen, bei dem Holofcener vor fast dreißig Jahren als Cutterin in die Lehre ging.

Innerhalb kurzer Zeit gelingt es der Regisseurin, Vertrautheit zur weiblichen Hauptfigur herzustellen. Umso wirkungsvoller entfalten sich die Vertrauenskrisen, die sich zwischen Albert und Eva entwickeln. Auch hier sind es die Kleinigkeiten des Alltags, über die von der amourösen Destabilisierung erzählt wird. Dass der Mann keinen Nachttisch neben dem Bett stehen hat, wird unter Mariannes Einfluss zur absurden Sollbruchstelle in der Beziehung zwischen Eva und Albert.

Diese romantischen Komödie verfügt über einen bitteren Erzählton. „Ich habe genug davon, lustig zu sein“, sagt Eva zu Albert. Dann lässt sie sich in seine Arme sinken - ein schöner Vertrauensbeweis, jedenfalls für diesen einen kurzen Augenblick.

Von Martin Schwickert

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