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Leichenteile in der Nudelsuppe

„Feuerwerk am helllichten Tage“ Leichenteile in der Nudelsuppe

Leichenteile auf dem Kohleförderband, Leichenteile in der Nudelsuppe, ein toter Polizist, malträtiert von Schlittschuhkufen: Der chinesische Regisseur Diao Yinan mag‘s blutig in „Feuerwerk am helllichten Tage“.

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Vorsicht vor dieser Frau: Trotz aller Warnungen verliebt sich Zhang Zili (Liao Fan) in die geheimnisvolle Wu Zhizheng (Kwai Lun-Mei).

Quelle: Weltfilm

Hannover. Schließlich hat er sich von Hollywoods Film-noir-Stoffen inspirieren lassen, und er geht dabei ausgesprochen stilsicher zu Werke. Mit seinem Thriller um Liebe, Rache und Gier gewann er im Februar den Goldenen Berlinale-Bären, Hauptdarsteller Liao Fan holte sich darüber hinaus auch noch den Darstellerpreis.

Wir bewegen uns in diesem Film aber nicht in einem Revier, in dem Philip Marlowe sich wohlfühlen würde. Schauplatz ist eine nordchinesische Provinzstadt, über die sich eine dreckige Schneedecke gebreitet hat - die Verbrechen lassen sich darunter aber nicht verhüllen. Graue Hochstraßen, Kraftwerke, Bahnlinien, Suppenküchen, ein paar Bars mit blinkenden Neonlampen: Alles andere als einladend sieht es hier aus. Vielleicht muss das ja so sein in einem Land, durch das sich unaufhaltsam der wirtschaftliche Fortschritt walzt. Das Alte und das Neue bilden ein hässliches Gemisch. Der neue Reichtum Chinas ist hier noch nicht wirklich angekommen. Zu Hause fühlen kann man sich kaum, jedenfalls wirken die Protagonisten allesamt wie Menschen im Transitbereich.

Einen heruntergekommenen Ex-Polizisten - geschieden von seiner Frau, die er immer noch liebt - gibt es auch. Wir lernen den schlecht gelaunten Zhang Zili (Liao Fan) kennen, als er noch im Dienst ist. Er wird in eine tödliche Schießerei verwickelt, schwer verletzt und bald darauf aus der Polizei entlassen. Er landet bei einem Wachdienst. Als er von einem Kollegen hört, dass schon wieder - genau wie ein paar Jahre zuvor - Leichenteile aufgetaucht sind, nimmt er die Spur auf, dieses Mal auf eigene Rechnung.

Die Fäden des Kriminalfalls laufen in einer schäbigen Wäscherei zusammen. Hinter deren Tresen steht eine geheimnisvolle Frau mit sehr rot geschminkten Lippen. Wu Zhizheng (Kwai Lun-Mei) heißt sie, und Krimifans wissen sofort, dass man sich vor einer wie ihr hüten sollte. Jeder Mann, der dieser Wäscherin zu nahe kommt, ist in akuter Lebensgefahr. Zhang bringt erst aus ermittlungstaktischen Gründen eine Hose bei ihr vorbei und verliebt sich dann trotz aller Warnungen von Kollegen in die Rätselhafte.

Immer wieder nimmt sich der Regisseur die Freiheit, seine Figuren in kuriose Situationen zu bringen: Eines Nachts liegt Zhang Zili betrunken am Straßenrand, sein Motorrad neben sich. Da nähert sich ihm ein Mopedfahrer auf schneebedeckter Piste im Schlingerkurs, klaut sich das bessere Gefährt und lässt seines tuckernd im Leerlauf neben dem Betrunkenen stehen. Und das „Feuerwerk am helllichten Tage“, das der Titel verheißt, wird tatsächlich abgefeuert: Polizisten geraten mitten hinein und werden von Leuchtkörpern beschossen, bis sie Deckung suchen.

Die klassischen Film-noir-Elemente verliert Diao Yinan bei solch skurrilen und für den westlichen Zuschauer schwer entschlüsselbaren Szenen nicht aus den Augen. Nur so viel: Tote sind gar nicht unbedingt tot, sondern höchst lebendig und dazu noch eifersüchtig. Und Schuld und Unschuld liegen dicht beieinander.

Vor einem knappen Vierteljahrhundert gewann Regisseur Zhang Yimou mit seinem Regiedebüt „Das rote Kornfeld“ den Goldenen Bären. Damals brachte der Filmemacher China in den internationalen Fokus, und auch Kollegen wie Chen Kaige („Lebewohl, meine Konkubine“) schwammen bald auf der Erfolgswelle mit. Im Westen wurden diese Filme als Exoten bestaunt und auch gerne politisch (über)interpretiert.

2007 folgte Regisseur Wang Quan’an mit „Tuyas Hochzeit“ als Berlinale-Sieger nach, er erzählte von einem mongolischen Hirten, der vom Fortschritt eingeholt wird. Und nun ist Diao Yinan der nächste Bären-Gewinner. Sein Krimi beweist vor allem, wie spielerisch leicht die Chinesen die Filmsprache der anderen inzwischen zu ihrer eigenen gemacht haben. Sie erzählen noch immer von ihrem Land, verstehen sich aber mittlerweile längst als Teil des internationalen Kinos. Interessante Ergebnisse bieten diese Genretransfers allemal.

Feuerwerk am helllichten Tage, Regie: Diao Yinan, 106 Minuten, FSK 12 Thalia, Programmkino Ost

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