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Affen sind auch nur Menschen

Kritik zu „Planet der Affen: Revolution“ Affen sind auch nur Menschen

Ende der Koexistenz zwischen Menschen und Affen: Im Science-Fiction-Abenteuer „Planet der Affen: Revolution“ gewinnt der Hass die Oberhand. Der Film läuft seit dem 7. August im Kino.

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Die Affen rasen durch den Wald – und machen bald auch Menschen kalt: Der Kampf beginnt.

Quelle: 20th Century Fox

Hannover. Schon mal einem Schimpansen tief in die Augen geschaut? Die Traurigkeit der Welt spiegelt sich in den tiefgründigen Pupillen, jedenfalls bei diesem Exemplar, das Caesar heißt und in der menschlichen Sprache radebrecht. Soeben hat Caesar einen Menschen noch mit heiserer Stimme „Freund“ genannt, aber er weiß genau, dass die Zeit der Freundschaft abgelaufen ist: Der Krieg zwischen Affe und Mensch ist unausweichlich.

Wir wissen das schon, und zwar aus dem Kino seit 1968: Damals wurde Filmastronaut Charlton Heston von einer mit Leder bekleideten und berittenen Affenhorde gefangengenommen, entdeckte erst Menschen in Käfigen, später die im Sand halb vergrabene New Yorker Freiheitsstatue und begriff zu seiner Verblüffung, dass er sich auf der Erde befand.

Das war eine unvergessliche Szene im Science-Fiction-Klassiker „Planet der Affen“, der einsetzte, als die Affen auf unserem Planeten schon die Herrschaft angetreten hatten. Wie es dazu gekommen war, verschwieg uns Hollywood damals in Franklin J. Schaffners Actionfilm, in dem zugleich eine Kritik am Rassismus jedweder Art steckte. Jetzt liefert Hollywood peu à peu die Erklärung nach, erst in der originellen Vorgeschichte „Prevolution“ (2011) und nun in der schon nicht mehr ganz so originellen „Revolution“.

Im ersten Teil waren Caesar und Co. aus einem Virenversuchslabor entkommen und hatten sich über San Franciscos Golden Gate Bridge in den Urwald gehangelt. Dort leben sie nun wie Urmenschen kurz nach der Erfindung des Lagerfeuers, jagen Hirsche mit Speeren und müssen sich gegen Bärenattacken erwehren – bis die Menschen auftauchen, um für ihre Stromversorgung ein altes Wasserkraftwerk wieder in Gang zu setzen. 

Das Virus von einst, das die Affen klüger machte, hat den Großteil der Menschheit dahingerafft. Ein Häuflein Überlebender haust in einem Ruinen-San-Francisco, das aussieht, als hätten die Setdesigner die Urwaldstadt aus dem „Dschungelbuch“ aktualisiert. Und plötzlich stellt sich die Frage: Koexistenz oder Kampf? Es gibt Ansätze fürs Zusammenleben. Hier wie dort wird das private Glück nach der Beinaheapokalypse gesucht. Caesar (verkörpert wieder vom „Gollum“-erprobten Andy Serkis) und die Seinen treffen auf den Ingenieur Malcolm (Jason Clarke) plus Freundin und Sohn. Da wird viel über Affenköpfe und Kinderrücken gestreichelt, da werden liebevolle Blicke zwischen Paaren ausgetauscht.

Regisseur Matt Reeves („Der Zufallslover“) stimmt ein Loblied auf die Kleinfamilie an, auf die Hollywood immer gern zurückgreift, wenn’s anrührend werden soll. Eine spannende Frage steht aber auch hier im Zentrum: Wie sehr können die Affen den Menschen vertrauen, von denen sie einst in Labors gequält wurden? Und wie weit akzeptiert der Mensch eine Spezies, die ihm plötzlich an Intelligenz ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen ist?

Laie, Filmfan oder Kenner? Testen Sie hier Ihr Kinowissen. Unter dem Foto eines Schauspielers steht ein Zitat, das dieser in einem seiner Filme gesagt hat. Aber in welchem? Die Auflösung finden Sie jeweils unter dem nächsten Bild.

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Gut geht die Sache leider nicht aus: Die Drehbuchautoren – gleich drei an der Zahl – installieren Kriegstreiber auf beiden Seiten, die vertrauensbildende Maßnahmen sabotieren. Hätte es im Kalten Krieg so viele Schurken gegeben, wäre die Erde im Atomkrieg untergegangen. Andererseits: Funktioniert Weltpolitik manchmal nicht so? Hasserfüllte zwingen um Verständigung Ringenden das Handeln auf? Hier kommen die Menschen nicht sonderlich gut weg – und die Affen auch nicht, je mehr sie menschliches Verhalten annehmen. Irgendwann sitzen Gorillas und Schimpansen wie schon 1968 im Kino auf und galoppieren mit ihren Maschinengewehren auf die Menschen los; grell blitzen die Mündungsfeuer. Das Actionkino verlangt sein Recht. Die Revolution tobt. Es spielt keine Rolle mehr, dass wir es hier mit einer Affen- und nicht mit einer x-beliebigen Rebellenschar zu tun haben. Das übliche Hollywood-Handlungsmuster wird über die Geschichte geworfen.

Was bleibt, ist die Bewunderung der naturgetreuen Bewegungsabläufe der Primaten: Beim sogenannten Performance-Capture-Verfahren werden Körperbewegungen und Mimik der Schauspieler aufgezeichnet und dienen als Grundlage, um aus Affen digitale Persönlichkeiten zu machen. Vergleicht man diese Wesen mit den ungelenken Affen aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, handelt es sich um einen großen Schritt in der Kino-Evolution. Doch ist die Überraschung über diese lebensechten Leinwandgeschöpfe seit dem Vorgänger-Affenfilm verpufft.

Die faszinierendste Szene ist die, in der ein Affe mit Saltoschlagen und Gegrinse den Clown gibt, um sodann seinen menschlichen Widersachern die Waffen abzunehmen und sie niederzumähen. Der Affe macht sich zum Affen, der Blöde ist der Mensch. Zu Ende ist die Geschichte immer noch nicht, der dritte Teil bereits angekündigt. Hollywood lutscht eine gute Idee wieder mal aus. Etwas Wichtiges haben wir aber gelernt: Affen sind auch nur Menschen.

Menschenrechte für Gorillas?

Das Kino ist der Wirklichkeit wieder mal ein gutes Stück voraus: Während Caesar auf der Leinwand schon um die Weltherrschaft ringt, wird aktuell noch darüber gestritten, ob Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Gibbons Menschen-
rechte zustehen. Seit gut zwei Jahrzehnten verfolgen einige bekannte Wissenschaftler „The Great Ape Project“ – mit immer größer werdender Unterstützung.

Die Begründer, die Philosophen Peter Singer und Paola Cavalieri, fordern für Affen das Recht auf Leben, den Schutz der individuellen Freiheit und das Verbot der Folter. Schließlich hätten Genetiker nachgewiesen, dass unser Genom zu etwa 98,5 Prozent identisch ist mit dem von Schimpansen. So exklusiv ist der Mensch nach biologischen Maßstäben also gar nicht. Singer und Cavalieri vergleichen unseren Umgang mit Affen mit der Sklavenhaltung im alten Rom.
Unter ihren Kollegen sind die Forderungen allerdings umstritten. Sie fragen, wo die Grenzen zu ziehen sind: Was ist mit Delfinen, Elefanten, Krähen, die ähnlich intelligent sind?

Klar ist, dass die Affenschützer einen entscheidenden Punkt getroffen haben: unseren ausbeuterischen Umgang mit Tieren, egal ob es sich um Schimpansen, Legehennen oder Mastschweine handelt. Bislang ist nur ein Staat Singers Forderung nachgekommen: Neuseeland. Dort leben aber keine Gorillas im Zoo – und in Freiheit auch nicht.

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