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Filmkritik

„Moneyball“ ist fast wie Bundesliga

Von Stefan Stosch

Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit: „Moneyball“ mit Brad Pitt führt uns in die knallharte Welt des amerikanischen Profisports Baseball, dessen Regelwerk wohl nur die wenigsten Deutschen verstehen. Der Film ist am Donnerstag im Kino gestartet.
Foto: Spieler sind sein Kapital: Billy Beane (Brad Pitt).

Spieler sind sein Kapital: Billy Beane (Brad Pitt).

© Sony Pictures

Hannover. Wenn es für ihn richtig gut läuft, dann gewinnt Brad Pitt dieses Jahr gleich zwei Oscars: als Hauptdarsteller von „Moneyball“ und als Produzent dieses Films. Auch sein Partner Jonah Hill, der bisher auf Komödien („Nie wieder Sex mit der Ex“) festgelegt gewesen ist und hier seine erste ernste Rolle spielt, ist als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert.

Der Erfolg ist eine späte Genugtuung für Pitt, ohne dessen Hartnäckigkeit dieser Film wohl nie entstanden wäre. Die Produktionsvorbereitungen standen unter keinem guten Stern. Der als Regisseur vorgesehene Steven Soderbergh hatte das Drehbuch ohne Wissen des Studios verändert und war kurz vor Drehbeginn wegen künstlerischer Differenzen von den Verantwortlichen entlassen worden. Neu verpflichtet wurde „Capote“-Regisseur Bennett Miller – und mit Aaron Sorkin („The Social Network“) ein neuer Autor, der Soderberghs Änderungen zurückschrieb. Dann musste auch noch der Kameramann ausgetauscht werde: Man hatte ihm sexuelle Übergriffe und illegalen Waffenbesitz vorgeworfen.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit: „Moneyball“ führt uns in die knallharte Welt des amerikanischen Profisports Baseball, dessen Regelwerk wohl nur die wenigsten Deutschen verstehen. Womöglich lässt sich das Geschäftsgebaren der US-Profivereine mit dem in der Fußballbundesliga vergleichen.

Pitt spielt den ehemaligen Baseballprofi Billy Beane, der nach einer verkorksten Spielerkarriere als Manager der Oakland Athletics arbeitet – eines finanziell weniger begüterten Vereins, der mit den reichen Klubs nicht mithalten kann und regelmäßig seine besten Spieler und Talente an sie abgeben muss. Auch dieses Problem kennt man aus unserer Bundesliga.

Beane lernt den jungen Wirtschaftsanalysten Peter Brand (Hill) kennen. Brand überzeugt ihn, eine ganz neue Computeranalyse einzuführen, die von den alten Baseball-Hasen im Verein belächelt wird. Brand füttert seinen Computer mit allen möglichen Statistiken und ermittelt so Spieler, die preiswert sind, aber bestens zum Oakland-Team passen würden. Das sind meist Sportler, die bei anderen Vereinen aus verschiedenen Gründen keine Zukunft mehr haben oder schon aussortiert worden sind. Beane stellt mit Brand ein mehr oder weniger neues Team zusammen – gegen den Unwillen des Trainers (Philip Seymour Hoffman in einer kleinen, aber feinen Rolle). Zunächst scheint er mit dieser Methode zu scheitern. Doch dann schlägt die Stimmung um, seine Mannschaft startet in der Profiliga einen einzigartigen Siegeszug. Nun erhält der Trainer von einem finanzstarken Verein ein lukratives Angebot – heute zählt der echte Beane zu den Männern, die das US-Baseball mit ihren Methoden revolutioniert haben.

Obwohl Spielszenen in dem Film eher die Ausnahme sind, ist für Leute ohne Baseball-Kenntnisse vieles schwer nachvollziehbar. Der Laie versteht nur Bahnhof, wenn im Film ausgiebig über die Vorzüge einzelner Spieler diskutiert wird.

Doch auch ohne Fachwissen ist „Moneyball“ reizvoll. Das ungleiche Duo Pitt–Hill wirft sich gekonnt die (verbalen) Bälle zu und sorgt auch für amüsante Szenen. Bewundernswert ist die Beharrlichkeit, mit der sich Beane mit seinen Außenseitermethoden durchzusetzen weiß. Er stößt auf viele Widerstände, aber er lässt nicht locker.

Sport und Geschäft: Komisches Spiel, aber trotzdem spannend. Cinemaxx Nikolaistraße.

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