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Flüchtlingsfilm erhält Goldenen Bären

Berlinale Flüchtlingsfilm erhält Goldenen Bären

Achtzehn Filme im Wettbewerb, acht erhalten einen Preis: Die Berlinale-Jury streut ihre Anerkennung breit. Doch das Flüchtlingselend nimmt sie besonders in den Blick. Der Dokumentarfilm "Fuocoammare" über die Flüchtlingsinsel Lampedusa gewinnt den Goldenen Bären der 66. Berlinale.

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Der Goldene Bär ging an den Flüchtlingsfilm "Fuocoammare" von Gianfranco Rosi.

Quelle: dpa

Berlin. Am Ende schien plötzlich alles so selbstverständlich, als die Jury-Präsidentin ans Mikrofon trat. Einen Film, der Kunst und Politik verbinde, wolle sie auszeichnen, einen "notwendigen Film", sagte Meryl Streep. Und dann gewann der Dokumentarfilm "Fuocoammare“, "Feuer auf dem Meer", den Goldenen Bären. Dieser Film hatte direkt ins Herz der 66. Berlinale gezielt: Das Thema Flüchtlinge begleitete das Festival wie kein zweites - mit Flüchtlingen als Mitarbeitern und Spendenaufrufen für Folteropfer.

Näher dran an der Wirklichkeit geht es kaum als mit diesem Siegerfilm. Und doch ist "Fuocoammare" anders als jede journalistische Beobachtung: Der Italiener Gianfranco Rosi stellt den entspannten Alltag des zwölfjährigen Samuele und die Flüchtlingstragödie auf Lampedusa hart und beinahe unversöhnlich nebeneinander. Es gibt wenig Verbindendes, man muss den Kontrast schon aushalten.

Allein der Inselarzt im Krankenhaus hat mit beiden Seiten zu tun. Auch dieser Doktor stand am Sonnabend auf der Bühne im Berlinale-Palast und ließ sich mit dem Satz zitieren: "Fischer akzeptieren, was das Meer bringt." Regisseur Rosi wies darauf hin, dass Mauern - auch geistiger Art - noch nie geholfen hätten. "Es ist nicht akzeptabel, dass Menschen sterben, die versuchen, zu uns zu kommen." Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier saß im Publikum und spendete Applaus.

Auch mit manch anderer Auszeichnung schien die Jury das zentrale Thema aus verschiedenen Perspektiven geradezu einkreisen zu wollen: Danis Tanović holte sich den Großen Jury-Preis mit "Tod in Sarajevo", einem satirisch-bösen Blick auf die Zerrissenheit Europas; sein Film ist angesiedelt an einem einzigen Tag in einem Hotel in der bosnischen Hauptstadt.

Gleich zwei Preise sicherte sich der Film "Hedi", der die enttäuschten Hoffnungen der tunesischen Revolution ins Private verfolgt und ein Land zwischen Erstarrung und Aufbruch porträtiert. "Hedi" von Regisseur Mohamed Ben Attia gewann den Preis als bester Erstlingsfilm, Hauptdarsteller Majd Mastoura wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet. Er widmete seinen Silbernen Bären den "Helden der tunesischen Revolution".

In der weiblichen Konkurrenz machte Trine Dyrholm in dem dänischen Film "Die Kommune" das Rennen. Sie spielt eine WG-Bewohnerin in den Siebzigern in Kopenhagen, die an den selbst aufgestellten Idealen des Zusammenlebens beinahe zugrunde geht. Ein anderes sensbiles Frauenporträt gewann den Regie-Preis: "L'Avenir" der erst 35-jährigen Französin Mia Hansen-Løve. Hier gibt - die vorab ebenfalls für einen Preis hoch gehandelte Isabelle Huppert - eine alternde Philosophielehrerin, deren bisherige Lebenszusammenhänge sich auflösen, als ihre Mutter stirbt und ihr Mann sich von ihr trennt.

Und noch eine mögliche Bären-Kandidatin ging am Ende leer aus: Julia Jentsch als unglückliche Schwangere im einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag "24 Wochen". Damit blieben die Deutschen beim wichtigsten Festival im eigenen Land außen vor bei den Preisen.

Der taiwanesische Kameramann Mark Lee Ping-Bing bekam die Auszeichnung für die beste künstlerische Arbeit in dem poetischen Film "Crosscurrent" über die Reise mit einem Lastkahn auf dem Jangtse. Für das beste Drehbuch wurde der Pole Tomasz Wasilewski geehrt: In seinem bitteren Film "United States of Love" über die Liebessehnsüchte von vier Frauen kurz nach der Zeitenwende 1989 führte er auch Regie.

Klug würdigte die Jury jenen Film, der wegen seiner Lauflänge von acht Stunden die Gemüter erregt hatte: Das philippinische Mammutwerk "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" gewann den Alfred-Bauer-Preis, mit dem neue künstlerische Perspektiven eröffnet werden sollen. "Kino kann die Welt verändern", sagte der sichtlich gerührte Regisseur Lav Diaz.

Das ist dann vielleicht doch ein bisschen zu viel verlangt vom Kino. Zumindest aber hat die 66. Berlinale eines der bedrängendsten Probleme dieser Welt mit cineastischen Mitteln in den Fokus gerückt. Und das ist doch auch schon eine ganze Menge.

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