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Thomas Dillmanns Italien-Visionen in der Galerie Drees

Die enttäuschte Sehnsucht Thomas Dillmanns Italien-Visionen in der Galerie Drees

Pompeji! Dieser Name hat Generationen von Italienreisenden Entzückensrufe entlockt, hat altphilologische Antikenschwärmerei und neue Sehnsüchte nach dem Süden befeuert. Thomas Dillmanns Werke sind in der Galerie Robert Drees zu sehen.

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Das etwas andere Bild von Pompeji: „Pompeji“ von Thomas Dillmann.

Hannover . „Italien“, gesteht der Künstler Thomas Dillmann lächelnd, „das war für mich schon als Kind das Land, wo die Zitronen blühen.“ Wie hütet man sich vor der bei solchem Italien-Kult drohenden Kitschgefahr? Nun, Dillmann ist Künstler, und damit stehen ihm zu diesem Schutz besondere Mittel zu Gebote: „Pompeji“ heißt auch eines seiner Werke. Doch das gibt weder den Blick auf römische Ruinen noch auf südliche Silhouetten frei. Stattdessen zeigt es die eingetrockneten Spuren schwerer Baumaschinen und deren Werk, einen Autobahnzubringer im Rohbau, gegen den manches Bollwerk des Brutalismus fast schon leichtfüßig wirkt.

Das Bild ist jetzt neben anderthalb Dutzend weiteren Werken in der Galerie Robert Drees zu sehen. Und wer das Œuvre des hannoverschen Künstlers noch nicht kennt, wird dort mindestens zweimal hingucken, um sich davon zu überzeugen, dass es sich bei Dillmanns Arbeiten nicht um Fotografien handelt. Denn der 48-Jährige, der in Hannover Kunst studiert hat, setzt die Konturen der von ihm erlebten Kulturlandschaften mit feinem Pinsel aufs Nesselgewebe seiner Bilder, und zwar so fein, dass darauf mehr Details zu entdecken sind, als ein Kleinbildfoto preisgibt. In diesem Falle etwa die unregelmäßigen Beton-Verschalungen vor oder die von Strommasten und Vorstadtgebäuden zerstückelte Landschaft hinter dem Betonbauwerk.

Mit seinen Bildtiteln beschwört Dillmann touristische Erwartungen herauf – und enttäuscht sie mit den Bildern. So zeigt „Amalfitana“ zwar einen Abschnitt der Amalfiküste, doch im sommerlichen Hitzedunst. „Roma“ dokumentiert zwar ein Stück der „Ewigen Stadt“ – doch nur zwei Verkehrsschilder vor einer ramponierten Autobahnbrücke. Und ein Bild der „Sacra di San Michele“ zeigt zwar wirklich das Kloster, in dem Umberto Eco seinen Roman „Im Namen der Rose“ spielen lässt, doch ist es bei Dillmann unnahbar und abweisend.

Seine handwerkliche Finesse teilt der Künstler mit den Fotorealisten. Anders als diese aber setzt er nicht auf konventionelle Schönheit. Stattdessen lässt er, eher in der Tradition des Hyperrealismus, die Kluft zwischen den Italien-Klischees und der Wirklichkeit dieses Sehnsuchtslandes spüren. Eine spannende Konfrontation also. Und wer noch einen Kontrastpunkt zum Konkreten erleben will, findet im Outlook-Projektraum der Galerie die Bugholzskulpturen und die abstrakten Zeichnungen des Spaniers Jacinto Moros.

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