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Kultur Lakonisch bis kokett: Max Raabe und das Palast Orchester spielen in Hannover
Nachrichten Kultur Lakonisch bis kokett: Max Raabe und das Palast Orchester spielen in Hannover
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00:16 10.12.2018
„Ich küsse Ihre Hand, Madame“ ist einer der Klassiker, den Max Raabe und das Palast Orchester auf die Bühne bringen. Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Schneidig, galant, ein Auftritt wie in einem Schwarz-Weiß-Film. Max Raabe betritt am Donnerstagabend gemeinsam mit seinem zwölfköpfigen Palast Orchester die Bühne im Kuppelsaal und zeigt Haltung wie stets, wenn er die Zuschauer in die Zwanziger- und Dreißigerjahre entführt. Der Titel des Albums, mit dem er bereits seit über einem Jahr tourt und nun in Hannover Halt macht, scheint reine Koketterie zu sein: „Der perfekte Moment ... wird heute verpennt“. Nichts an diesem Abend wird verpennt, vom Scheitel bis zur Sohle sitzt alles, der Sänger mühelos und dabei punktgenau, die Moderation lakonisch bis charmant, die Wortspiele in den Stücken heiter bis ernst.

Die schönsten Bilder von Max Raabe und dem Palast Orchester im Kuppelsaal.

Diese Rolle - ist es eine? - hat Max Raabe perfektioniert: Die Anekdoten, teilweise klassisch aufgebaute Witze, erzählt er, ohne seine Miene zu verziehen, ebenso wie in den heiteren Liedern. Doch dann und wann erkennt man im Blick einen spitzbübischen Funken. Der muss auch sein bei solchen Texten: „Ich schätze deinen Mann, ich glaub', dass Du das weißt. Doch schätz ich ihn noch mehr, wenn er mal verreist.“ Der Abend, so fasst Max Raabe zusammen, widmet sich den großen Fragen des Lebens: Wie findet man sich? Wie lernt man sich kennen? Und wie wird man sich wieder los?

Musikalisch verlässliche Qualität

Das Palast Orchester ist bei Weitem mehr als eine nette Begleiterscheinung: Die Qualität der Musiker ist verlässlich, der Auftritt sitzt ebenso wie Smoking, Frack und Dinnerjacket. Die Musiker entgegnen Raabes Steifheit, indem sie bisweilen heiteren Schabernack im Hintergrund betreiben - alles wohl einstudiert. Das Publikum –mit 1200 Zuschauern ist der Abend längst nicht ausverkauft – wird es später mit Standing Ovation danken.

Daran ist sicherlich aber auch die Setlist - das Wort scheint hier anachronistisch -, die Liederfolge also, beteiligt. Sie ist gut abgestimmt mit großen Hits wie „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Kein Schwein ruft mich an“ und „I'm Singing in the Rain“, ein paar selten gehörten Stücken wie „Salome“ von 1920 und eigenen Liedern des aktuellen Albums.

Sprachwitz und Kinderreim

Häufig oszillieren seine Texte zwischen verspielten Kinderreimen und saloppen Wortspielen: „Ich bin für dich ein Philosoph / Und wenn du willst, ein bisschen doof, / Julius Caesar, / Dein Stromableser.“ Nur sehr wenige Lieder überhaupt singt Max Raabe, die in Gänze unironisch sind. „Willst Du bei mir bleiben“ ist so eines, das er mit seinem samtig-weichen Bariton vorträgt, instrumental begleitet von einer Sanftheit, die an Momente der Schumannschen „Dichterliebe“ erinnert. Raabe versteht es gut, seine eigenen Werke in der Tradition der Goldenen Zwanziger fortzuführen, und dennoch den aktuellen Zeitgeist zu treffen, wenn er dann nämlich wieder wechselt und in „Fahrrad fahr'n“ fröhlich beschwingt singt: „Die Autos steh'n im Stau, ich fahr' vorbei, alle Ampeln grün, die Bahn ist frei.“ Manchmal liegt Großes eben im Kleinen. Am Mittwoch ist er übrigens vom Deutschen Fahrradpreis als „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2019“ ausgezeichnet worden, auch wegen dieser „Ode ans Zweirad“, wie die Jury begründet.

Natürlich kein Wort davon an diesem Abend im Kuppelsaal, der Mann ist bescheiden. So bescheiden, dass er wirklich jedes Mal, wenn er nicht singt, in den Schatten tritt, sich lässig an den Flügel lehnt und ganz Gentleman dem Palast Orchester das Rampenlicht überlässt.

Die Inszenierung: formvollendet.

Zweites Konzert am Freitag

Max Raabe und das Palast Orchester treten am Freitag, 7. Dezember, noch einmal im Kuppelsaal auf. Es gibt noch Karten.

Von Katharina Derlin

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