Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Musica assoluta spielt im Kleinen Sendesaal
Nachrichten Kultur Musica assoluta spielt im Kleinen Sendesaal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 20.01.2019
Ganze Arbeit: Musica assoluta spielt Lachemann im Kleinen Sendesaal. Quelle: Claus Ulrich Heinke
Hannover

„Um Neues zu schaffen, muss ein Künstler frei und unabhängig sein“, sagt der Komponist Zygmund Krauze. Aber seine gegenwärtigen Bedingungen begrenzten ihn. „Diesen Konflikt finde ich im Gedicht ,Die schöne Rothaarige’ von Apollinaire wieder“. So erläuterte der Pole im Gespräch, warum er sein 2016 entstandenes Werk „Apollinaires Poem“ auf diesen Text bezogen hat. Jetzt hat das ausgezeichnet besetzte Ensemble Musica assoluta das Werk unter der Leitung von Thorsten Encke im kleinen Sendesaal des NDR aufgeführt.

Krauze hat das Stück für zwölf melodische Instrumente und einen sprechenden Pianisten geschrieben. Den gab er selbst und saß rezitierend und spielend am Klavier. Und das war grässlich verstimmt. Mit Absicht. Denn die schrägen Akkorde sollen Individualität und Unabhängigkeit des Künstlers gegenüber den anderen Instrumenten deutlich machen. Die bauten intonationsrein ein Klangfeld nach dem anderen auf. Und zwar „gleichförmig, unberührt und bar jeglichen Ausdrucks“, wie Zygmund Krauze sagt. So entstand eine interessante, vielleicht etwas ironisch gemeinte Erzählung über die Ambivalenz des künstlerischen Lebens zwischen Freiheit und Bindung.

Thorsten Encke begann das Konzert, das in Reihe „Musik 21 im NDR“ stattfand, mit seinen 2012 komponierten „Preludes“. Das sind fünf in einander fließende klangsinnliche Miniaturen, die sich durch kräftige dynamischen Zugriffe und stille Momente auszeichnen. Gerade diese leisen Ruhepunkte, von wenigen Instrumenten gestaltet, geben der Musik emotionale Tiefe, die anrührt. Lediglich die zu großen mit metronomischer Exaktheit geführten Dirigierbewegungen störten optisch die meditative Atmosphäre dieser schönen Musik. Weniger wäre hier mehr.

Artur Kroschels Arbeit „Nimis“ für 16 Spieler aus dem Jahr 2014 hatte es zwischen den beiden farbigen Kompositionen von Krauze und Encke nicht leicht, ihre Besonderheiten zu zeigen. Kroschel stellt scheinbar unvermittelt kurze Klangereignisse nebeneinander mit hier und da eingestreuten Themenfetzen. Beim ersten Hören kommt man dem Sinn des Werkes nicht richtig auf die Spur. Und es erscheint auch schlicht zu lang. Auch die Bedeutung des lateinischen Wortes „Nimis“ als Titel für das Werk will sich nicht richtig erschließen. Vielleicht wäre fürs Verstehen ein zweites Hören hilfreich gewesen.

Als Hauptwerk des Abends dann nach der Pause Helmut Lachenmanns vor 35 Jahren entstandene Meisterstück „Mouvement (-vor der Erstarrung)“. Diese Musik ist das faszinierende Dokument einer Zeit, die in radikaler Abkehr von traditioneller Musikästhetik eigene Wege suchte. In der Umsetzung bedeutet das für die Instrumente, immer wieder die Grenze vom klingenden Ton zum Geräusch zu überschreiten und sich auf unkonventionelle Spielweisen einzulassen. Mit konzentrierter Geistesgegenwart und teilweise virtuosen Klangerzeugungen bewältigte das Ensemble diese ungewöhnlichen Anforderungen Unter der kompetenten und inspirierenden Leitung von Encke verbanden sich die Momente einer vollkommenen Klangzerlegungen mit den Phasen seltsamer Geräusche und den immer wieder aufflammenden Klangfeuern zu einem aufregenden künstlerischen Ereignis.

Bravorufe und lang anhaltender Beifall bestätigten dem Ensemble und seinem Dirigenten, dass sie ganze Arbeit geleistet hatten.

 

Von Claus-Ulrich Heinke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein halbes Jahrhundert hat Gudrun Schröfel den Mädchenchor Hannover geleitet – nun hat sie sich sich beim Konzert in der Staatsoper verabschiedet und ihr Amt an Andreas Felber übergeben.

20.01.2019

Der Klarinettist und das Kammerorchester Hannover spielen Elgar, Haydn und Mozart

23.01.2019

Mörderisch gut – die Ballettinszenierung mit Stücken von Jörg Mannes und Mauro Bigonzetti in der Staatsoper

20.01.2019